Zwei Siege gegen Vizeweltmeister Kroatien, zwei überragende Torhüter: Unsere Handball-Riesen in der Kiste präsentieren sich pünktlich zur EM in Topform. Bei der Generalprobe in Hannover (33:27) glänzte Andreas Wolff (20 Paraden, 1 Tor), zuvor überragte David Späth (23/Rhein-Neckar Löwen) beim Sieg in Zagreb (32:29) mit 14 Paraden. Zwei Brüller – doch nur einer kann spielen!
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Vor der Handball-EM, die Deutschen starten am 15.1. gegen Österreich (20.30 Uhr, live bei ARD und Dyn), spricht U21-Weltmeister Späth mit BILD über seine größte Schwäche, sein großes Ziel, den Wolff-Weg – und warum er die Hilfe einer Psychologin sucht.
BILD: Herr Späth, Sie bilden in der Nationalmannschaft mit Andreas Wolff ein Weltklasse-Torhüter-Duo. Was Sie beide verbindet, ist der unbändige Wille, das Maximum herauszuholen. Trotzdem gehören Sie unterschiedlichen Generationen an. Warum funktioniert das Zusammenspiel so gut – gerade auf einer Position, auf der zwei „Alpha-Tiere“ um ihren Platz kämpfen?
David Späth (23): Weil uns genau das auch verbindet. Andi und ich sind in der Hinsicht wirklich ähnliche Typen. Wir wollen um jeden Preis gewinnen, für uns zählt an erster Stelle der Sieg, da unterstützen wir uns einfach sehr gut. Wir ticken ähnlich.
Foto: BILD
Damals war das für mich ein Riesending bei den ersten Lehrgängen mit Andi Wolff bei der Nationalmannschaft. Den kannte ich damals nur aus dem Fernsehen. Wir sind beide auf Augenhöhe, respektieren uns beide und es fühlt sich einfach gut an. Ich merke, wie viel Spaß mir das macht, mit ihm zu arbeiten, genauso wie mit Mattias (Torwarttrainer Andersson, d.Red.).
Was zeichnet Ihr Verhältnis abseits des reinen Konkurrenzkampfs aus?
Ich fühle mich gleichgestellt mit ihm. Er respektiert mich, ich respektiere ihn, und es macht unfassbar viel Spaß. Wir tauschen uns aus, über den Gegner, über viele Dinge, und ich kann mir extrem viel von ihm abschauen.
Welche Rolle spielt er für Ihre eigene Entwicklung?
Andi gehört zu den besten Torhütern der Welt. Da möchte ich ja auch hinkommen. Ich möchte dieselbe Entwicklung machen, wie er sie genommen hat. Und deswegen ist er in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für mich. Ich bin froh, ihm auch viel geben zu können.
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Wie äußert sich dieses Geben und Nehmen konkret im Spielbetrieb?
Ob es die Unterstützung auf der Platte ist – wir pushen uns gegenseitig gut hoch, weil wir halt so ehrgeizig sind. Andi hat es mir vom ersten Tag an sehr leicht gemacht, und deswegen bin ich so froh, dass wir jetzt über die Jahre so eine Verbindung aufgebaut haben. Das Team im Team funktioniert sehr gut. Es ist sehr wichtig, dass wir da unsere Aufgaben erfüllen, dass wir uns gegenseitig pushen, dass wir dem Team helfen, um jeden Preis dieses Spiel zu gewinnen. Egal, wer von uns auf der Platte steht, der andere unterstützt ihn, damit wir erfolgreich sind. Wenn Andi auf der Platte ist, freue ich mich über die Paraden so, als würde ich sie machen, und andersherum genauso.
Was hat Andreas Wolff Ihnen vielleicht noch voraus? Welcher kleine Schritt ist es, den Sie noch machen müssen?
Es ist vor allem die Ruhe, die er ausstrahlt. Dann die Erfahrung, die er mir natürlich voraushat. Die Erfahrung und dieses Selbstverständnis finde ich bei ihm sehr gut. Ich bin ja ein sehr selbstkritischer Mensch. Andi ist es und war es auch. Ich hadere oft mit mir. Im Spiel merke ich das sehr. Wenn ich mal ein Tor kassiere und mich drei Aktionen später immer noch über den einen Ball ärgere.

Zwei Torwart-Brüller: die deutschen Weltklasse-Keeper David Späth (23/l.) und Andreas Wolff (34)
Foto: picture alliance / Marco Wolf, Harry Langer/dpa
Können Sie das abstellen?
Da kann ich einfach reifen. Ich sehe das bei Andi: Er hat sich dort in den letzten Jahren enorm entwickelt, er strahlt eine Ruhe aus und zeigt, egal was vorher war, die nächste Aktion kommt. Das macht er überragend.
Da kann ich mir sehr viel abschauen und viel von ihm lernen. Ich muss mir bewusst machen, dass ich nicht jede Aktion retten kann. Dass ich mich nicht zu sehr darüber aufrege, sondern im Kopf ruhig bleibe und mich wieder auf die nächste Aufgabe fokussiere. Ehrgeiz ist gut, aber krampfhafter Ehrgeiz manchmal nicht. Ich muss lernen, nicht zu selbstkritisch mit mir zu sein.
Einen ähnlichen Weg ist Andreas Wolff in der Vergangenheit gegangen und hat auch mit einem Sportpsychologen gearbeitet. Nutzen Sie externe Hilfe ebenfalls, um sich zu verbessern?
Ja, zu 100 Prozent. Ich arbeite mit unserer Sportpsychologin bei den Löwen zusammen, denn im Leistungssport ist der Kopf wohl das Wichtigste. Wir alle sind gute Athleten, gute Sportler, gute Handballer. Aber wer im Kopf am fittesten ist, der wird es auch weit bringen. Das habe ich gemerkt, gerade in den ersten Jahren im Profihandball. Ich merke, was das mit einem macht und wie sehr der Kopf rattert. Und wie groß die mentale Aufgabe ist, die der Profisport mit sich bringt. Deswegen arbeite ich daran.
Was erhoffen Sie sich davon langfristig?
Ich möchte das Maximale herausholen und meine beste Leistung abrufen können. Man kann damit nicht früh genug anfangen. Wir arbeiten daran, diese Selbstkritik, auch die Besessenheit nach Perfektion, ein bisschen aus mir rauszukriegen. Einfach den Fokus etwas verschieben. Wenn der Kopf nicht mitmacht, kann man noch so viel Talent haben, dann wird es verdammt schwer.
Schauen wir auf die Handball-EM. Andreas Wolff sagte zuletzt, die Mannschaft könne sich berechtigterweise als EM-Ziel eine Medaille setzen. Ihre Meinung?
Ich stimme Andi zu. Auch in diesem Punkt ticken wir ähnlich. Wenn wir in ein Turnier reingehen, wollen wir es gewinnen. Ich habe 100 Prozent Vertrauen in diese Mannschaft. Wir haben unglaublich gute Spieler, und deswegen habe ich da keine Bedenken. Natürlich haben wir ein verdammt schweres Los bekommen. Auch da gebe ich Andi recht. Aber wenn man eine Medaille holen oder den Titel gewinnen will, muss man jeden schlagen.
Wie gehen Sie mit dieser Erwartungshaltung um?
Wir haben eine schwere Aufgabe vor uns. Aber wir sollten uns nicht verstecken, vor allem nicht schon vor dem Turnier. Da warten gute Gegner, aber uns muss immer bewusst sein, dass wir auch eine gute Mannschaft sind. Wenn wir mit voller Überzeugung und mit Elan reingehen, werden wir das gut meistern. Aber ich bin immer ein Freund davon, von Spiel zu Spiel zu denken. Wir haben eine harte Gruppenphase. Unser erstes Ziel wird es sein, diese Gruppenphase zu überstehen und dann hoffentlich verlustpunktfrei in die Hauptrunde einzuziehen.
