Landau (Rheinland-Pfalz) – Am 1. Juli 2023 wird Arthur Leven (17) nach einer Grillparty Opfer einer tödlichen Messer-Attacke. Der 21-jährige Kerem B. hatte zwar bei der Polizei gestanden, auf Arthur eingestochen zu haben – behauptete aber, in Notwehr gehandelt zu haben. Ein Jahr später, im Februar 2024, wurde er am Landgericht Landau freigesprochen.
Jetzt startete der Prozess vor einer anderen Kammer am selben Landgericht in Rheinland-Pfalz neu.
Für Arthurs Mutter und Bruder war das erste Urteil ein Schlag ins Gesicht. Sowohl Staatsanwaltschaft (hatte auf Totschlag plädiert und fünf Jahre Haft gefordert), als auch Nebenklage legten Revision ein, mit Erfolg: Der BGH kassierte das Urteil ein. Die Begründung: Das Gericht sei fehlerhaft mit den Aussagen des Beschuldigten umgegangen, Beweise seien lückenhaft ausgewertet worden.

Kerem B. hatte gestanden, auf Arthur eingestochen zu haben. Aber er sagte, er habe in Notwehr gehandelt
Foto: Jürgen Mahnke
Arthurs Bruder Daniel sagte damals nach dem Urteil: „Ich habe in das Rechtssystem kein Vertrauen mehr. Ich hätte mir zu Prozessbeginn nicht annähernd vorstellen können, dass der Täter freigesprochen wird.“ Mama Elena: „Arthur ist für immer weg. Diesen Schmerz muss ich jetzt für den Rest meines Lebens mit mir tragen.“

Arthurs Bruder Daniel beim ersten Prozess
Foto: Jürgen Mahnke
Streit an der Grillhütte eskaliert
Die Tat: Am 30. Juni 2023 feiert Arthur mit Freunden auf einer Oberstufenparty des Gymnasiums. Die Am späten Abend kommt Kerem B. auch auf die Party, kurz nach Mitternacht gibt es Streit zwischen den Jungen, B. wird laut Zeugen handgreiflich. Laut Staatsanwaltschaft eilten Party-Gäste Arthur zu Hilfe, schlugen Kerem B. ins Gesicht, Freunde des damals 20-Jährigen bringen ihn nach Hause.

Hier an der Grillhütte bei Weingarten wurde erst noch fröhlich gefeiert
Foto: Crash 24h
Doch Kerem B. bleibt nicht zuhause, sondern geht wieder zurück zur Party. Er stellt sein Auto auf einem Feldweg ab – wenige hundert Meter entfernt von der Grillhütte, an der gefeiert wird. Vor Gericht sagte er damals aus: „Ich war nicht auf Rache aus. Ich war besorgt um mein Handy.“ Das hätte er bei der Auseinandersetzung verloren und wollte es suchen.
Gegen 3 Uhr will Arthur mit Freunden die Party verlassen, die Jungs kommen an Kerems Auto vorbei. Kerem B. soll mit einem Messer ausgestiegen sein, so die Staatsanwaltschaft, wieder kommt es zum Gerangel, in dem Arthur B. ins Gesicht geschlagen haben soll. Danach soll es zu der tödlichen Attacke gekommen sein: Kerem B. stach mit dem Messer zu – mitten in Arthurs Brust. Arthur starb, Kerem B. flüchtete erst, wurde aber von der Polizei gefasst.
Ende Februar soll das Urteil fallen.