In Berlin startet Bushido seine Abschiedstour. Beim Konzert in der Uber Arena lässt er mit frühen Hits seine Fans jubeln – doch es gibt auch Beschwerden.

13. Januar 2026 um 00:15 UhrBerlin

Ein Artikel von

Michael Heider

„Es ist wirklich Zeit, dieses Kapitel zu schließen“: Mit einem Konzert in der Uber Arena in Berlin eröffnet Bushido seine "Alles wird gut"-Abschiedstour

„Es ist wirklich Zeit, dieses Kapitel zu schließen“: Mit einem Konzert in der Uber Arena in Berlin eröffnet Bushido seine „Alles wird gut“-Abschiedstour

Annette Riedl/dpa Zusammenfassung Neu

  • Bushido eröffnete in Berlin seine Abschiedstour „Alles wird gut“ mit einem Konzert in der Uber Arena.
  • Mit Hits wie „Nie wieder“ und „Vom Bordstein bis zur Skyline“ begeisterte er Fans und setzte auf Nostalgie.
  • Familie Ferchichi war präsent: Kinder unterstützten ihn, Frau Anna-Maria half beim Fanartikel-Verkauf.
  • Bushido sorgte teils für Unmut durch lange Zwischenansagen, überzeugte aber mit seiner Musik.
  • Mit „Papa“ und „Familie“ als Zugabe deutet er an, sich nach der Karriere auf sein Privatleben zu fokussieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

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Früher oder später endet jeder Weg. Auch der eines Kriegers. Und Bushido, dessen Name dem japanischen Wort für „Weg des Kriegers“ entlehnt ist, lässt ihn dort enden, wo er einst begonnen hat: in Berlin. Mit der „Alles wird gut“-Tour, die der Rapper an diesem Montagabend in der Uber Arena starten lässt, soll es das gewesen sein. Dieses Mal wirklich!

„Das ist kein Promo Move“, versichert Bushido. „Das ist die letzte Tour, danach ist Schluss.“ Der Abend erhält damit ordentlich Bedeutung – und Fallhöhe. Einschüchtern lässt sich Bushido davon nicht. Als der Vorhang fällt, gibt es mit „Kleine Bushidos“ eine Proklamation. Im Opener – eine Abrechnung mit Nachahmern und Nacheiferern – unterstreicht der 47-Jährige nämlich eines: „Ich bin das Original!“

Bushido setzt beim Konzert in Berlin mit frühen Songs den Ton

Unrecht hat Anis Mohamed Ferchichi, wie Bushido mit bürgerlichem Namen heißt, damit nicht. In Deutschland gehörte er zu den Ersten, die Rap von der Straße über die Straße an die Spitze der Charts hievten und Berlin auf die Hip-Hop-Karte setzten. Über 20 Jahre ist das her. Zeit für Erinnerungshilfen. „Nie wieder“, „Berlin“, „Vom Bordstein bis zur Skyline“ –  mit frühen Tracks setzt Bushido den Ton.

Und er benötigt dafür kaum Schnörkel. Das stufenförmige Bühnenbild, an dessen Spitze das DJ-Pult thront, ist denkbar schlicht. Ein paar Scheinwerfer, einige Videoleinwände, mehr nicht. Lediglich die Decke entlangführende Leuchtreihen sorgen für Großraumdisco-Vibes.

Die Beats sind rau, der Bass drückt, auch dank Newcomer DJ Rabe und DJ Gan-G, die an den Plattenspielern stehen. Bushido legt seinen einzigartigen Flow gekonnt darüber. Mit Unterstützung von 4RAS landen die Texte über in der riesigen Berliner Halle besonders pointiert. Doch so hart die Schale des Rappers, so weich der Kern des Familienmenschen. Für seine Kinder, die vor der Bühne den Vater unterstützen, nimmt sich Ferchichi ausgiebig Zeit. Zwischen den Songs fragt er nach dem Hotelessen, erkundigt sich, wer wo im Tourbus schläft, und will wissen, ob sein Sohn mit dem frischen Haarschnitt zufrieden ist.

Auch Bushidos Frau Anna-Maria Ferchichi ist in Berlin dabei

Dass Bushido-Shows auch Gastauftritte familiärer Art beinhalten, ist nicht neu. Frau Anna-Maria und die gemeinsamen Kinder standen bereits 2024 bei der „König für immer“-Tour auf der Bühne in Berlin. Auch dieses Mal wird es dazu kommen. Zum Konzert der Abschlusstour packt die Familie Ferchichi aber sogar selbst an. Im Foyer der Arena verkaufen sie Fan-Artikel und sorgen für lange Schlangen begeisterter Bushido-Anhänger, die sich Selfies wünschen.

Zwei Fans bekommen in Berlin die Chance, Bushido selbst zu unterstützen. Während sich Felicitas aus Halle bei „Sonnenbank Flavor“ wacker schlägt und bei einer Ad-hoc-Umfrage 10 von 10 Begeisterungspunkten erhält, zeigen sich einige Berlinerinnen und Berliner bei Fan Lisa erstaunlich erbarmungslos. Als die Altenpflegerin aus Lichtenberg vor lauter Aufregung die Lyrics zu „Schmetterling“ nicht recht über die Lippen kommen, gibt es teils laute Buhrufe.

Als Bushido noch mit „Ach Mann, Lisa… Das war echt nicht so gut“ nachtritt, blutet auch den letzten Empathie-Begabten im Publikum das Herz. Auftritte in Berlin seien eben nicht nur ein ganz großes Erlebnis und eine große Ehre, sondern auch eine große Bürde, betont Bushido an anderer Stelle. „Weil das Berliner Publikum besonders anspruchsvoll ist“, so seine Begründung.

Bushido glänzt, wenn er rappt – nicht, wenn er redet

Bushido selbst meistert die Bürde – jedenfalls, wenn er sich an seine Kernkompetenz Musik hält. Bei jedem Song ist ihm Applaus sicher. Wohl auch, weil der Abschied mit Ansage viel Raum für Rap-Nostalgie bietet. „Zeiten ändern dich“, „Panamera Flow“, „Alles verloren“ – der Großteil der Setlist bildet die frühe und mittlere Phase seiner Karriere ab. Songs wie „Sodom und Gomorrha“ vom 2017 erschienenen Album „Black Friday“ zählen zu den jüngeren Tracks des Abends. Die erst vor einem Monat erschiene Rap-Ballade „Du liebst mich nicht“ fehlt trotzdem nicht.

Wenn Bushido rappt, hat er den Jubel des Publikums beim Konzert in Berlin sicher

Wenn Bushido rappt, hat er den Jubel des Publikums beim Konzert in Berlin sicher

Annette Riedl/dpa

Von amüsiert über verdutzt hin zu genervt entwickelt sich jedoch die Stimmung bei Bushidos endlosen Zwischenansagen. Immer wieder ergeht er sich in Anekdoten, fragt Fans in den vorderen Reihen nach ihren Wohnorten, kommentiert mitgebrachte Schilder. Zumindest auf den Rängen führt das bisweilen zu hörbarem Unmut. Als Bushido vor „Vergeben & Vergessen“ minutenlang testet, welches Geschlecht am lautesten schreien kann, platzt es aus einem hörbar entnervten Fan heraus: „Mach endlich weiter!“

Mit Familie auf der Bühne spielt Bushido seine Zugabe

Doch spätestens als Bushido mit „Nie ein Rapper“ einen seiner größten Hits anspielt, sind die Wogen geglättet. Und vermutlich muss man dem 47-Jährigen das genüssliche Auskosten jedes Moments verzeihen. Er scheint es mit dem Abschied jedenfalls ernst zu meinen: „Es ist wirklich Zeit, dieses Kapitel zu schließen.“

Was danach für Bushido kommt? Womöglich ist seine Zugabe ein Indiz. Während seine Kinder auf den Bühnenstufen sitzen, rappt er „Papa“ und „Familie“. Auch seine Frau Anna-Maria stößt noch hinzu.

Was immer auf die Musikkarriere folgt, die Rolle des Rappers wird Bushido wohl ablegen. Immerhin haben seine Berliner Fans am 7. März noch eine Chance, ihn live zu sehen. Ob der Weg des Kriegers danach wirklich zu Ende ist, wird nur die Zeit zeigen. Womöglich gilt aber schon jetzt, was Karel Gott im Refrain zu „Für immer jung“, dem letzten Song des Abends, singt: „Nichts ist für immer“.