Der erste Fehler: Mund-zu-Mund-Beatmung

Das Ergebnis: In weniger als einem Drittel der TV-Fälle wurde die erste Hilfe und Wiederbelebung korrekt dargestellt. Der häufigste Fehler: Die fiktiven Ersthelfer führten bei den Patienten eine Mund-zu-Mund-Beatmung durch. Doch das ist veraltet. Seit 2008 ist diese Maßnahme aus den Anleitungen und Empfehlungen gestrichen, weil sie überflüssig ist: Gibt man eine Herzmassage, gelangt von allein genügend Sauerstoff in Lunge und Blut.

„Die Wiederbelebung besteht nur aus zwei einfachen Schritten: den Notarzt rufen und mit der Herzmassage beginnen“, erklärt Stacey Rosen von der American Heart Association. Für die Herzmassage drückt man stark und in schnellem Rhythmus auf das Brustbein des Betroffenen. „Weil kein spezielles Training oder Gerät nötig ist, kann jeder diese lebensrettende Maßnahme geben, selbst Kinder.“

Ort und Alter der Betroffenen stimmen nicht

Der zweite Fehler: In TV-Serien sind die Betroffenen meist jüngere Menschen zwischen 21 und 44 Jahren. Aber in Wirklichkeit trifft ein Herzstillstand weit häufiger ältere Menschen, wie die Forschenden erklären. Der Altersdurchschnitt Betroffener liegt bei 62 Jahren. Ebenfalls falsch dargestellt sind die Orte, an denen es passiert: Rund 80 Prozent aller Herzstillstände ereignen sich zuhause in den eigenen vier Wänden. In Serien brechen Protagonisten hingegen in 80 Prozent der Fälle publikumswirksam in der Öffentlichkeit zusammen, wie das Team feststellte.

„Das kann Folgen haben: Wenn Zuschauende glauben, ein Herzstillstand ereignet sich nur in der Öffentlichkeit oder trifft nur jüngere Leute, könnten sie Wiederbelebung als wenig relevant für ihr eigenes Leben ansehen“, erklärt Erstautor Ore Fawole. „Aber die meisten Herzstillstände passieren zuhause und damit trifft es mit hoher Wahrscheinlichkeit jemanden, den man gut kennt und liebt.“

Puls prüfen kostet wertvolle Zeit

Und noch etwas zeigen TV-Serien meist falsch: In 43 Prozent der dargestellten Fälle suchen die Ersthelfer beim Patienten zunächst nach dem Puls – und verlieren dabei wertvolle Zeit. „Deshalb wird dies bei der Wiederbelebung nicht mehr gemacht“, erklärt Hoffman. „Aber wenn ich meine Medizinstudierenden frage, was sie als erstes machen, antworten die meisten: ‚Nach dem Puls fühlen‘.“

Nach Ansicht der Forschenden spricht dies dafür, dass Serien auch unser Wissen über erste Hilfe beeinflussen und prägen können. „Es ist interessant, dass die Darstellungen auf dem Bildschirm viele Fehlannahmen aus dem wirklichen Leben widerspiegeln“, sagt Fawole. „Es könnte sein, dass die Serien dies bloß reproduzieren, aber möglich wäre auch, dass das in den Serien Gezeigte dazu beiträgt, die Fehlannahmen noch zu verstärken.“

Entsprechend wichtig sei es, hier nachzubessern und die Wiederbelebung in Zukunft möglichst realitätsnah und korrekt zu zeigen, so das Team. (Circulation: Population Health and Outcomes, 2026; doi: 10.1161/CIRCOUTCOMES.125.012657)

Quelle: University of Pittsburgh, American Heart Association







13. Januar 2026

– Nadja Podbregar