Während Deutschland stolz verkündet, energiepolitisch endlich «frei» zu sein, verlängert Frankreich ganz unsentimental die Laufzeit seiner Atomkraftwerke. Erst auf 50 Jahre, bald auf 60 – und technisch, sagen die Franzosen, vielleicht sogar auf 100. Man nennt das dort Pragmatismus. In Deutschland nennt man so etwas: undenkbar.

Frankreich investiert rund 100 Milliarden Euro in die Erneuerung alter Reaktoren – und bekommt dafür stabilen, CO₂-armen Strom zu Preisen, von denen deutsche Haushalte nur träumen können. Rund 60 Euro pro Megawattstunde. In Deutschland zahlt man dafür einen Berater, der erklärt, warum das leider nicht geht.

Die Pointe: Ausgerechnet das Land, das Atomkraft für Teufelszeug hält, lebt energiepolitisch noch immer von ihr. Wenn in Deutschland die Windräder stillstehen wie moderne Mahnmale und Solarpanels melancholisch in den grauen Himmel schauen, dann kommt der Strom aus Frankreich. Leise, zuverlässig, nuklear. Ohne Ideologie. Ohne französischen Atomstrom würde das deutsche Netz in kritischen Momenten ziemlich alt aussehen – und zwar schneller, als eine Wirtschaftsministerin «Brückentechnologie» sagen kann. Frankreich hat Grundlast, Deutschland hat Hoffnung. Frankreich hat Reaktoren, Deutschland hält Reden. Frankreich kalkuliert Kosten, Deutschland Gefühle. Während Deutschland Milliarden in Subventionen steckt, um Strom zu erzeugen, wenn zufällig Wind weht oder Sonne scheint, produziert Frankreich einfach – immer.

Frankreichs Atomkraft rettet damit nicht nur das Klima, sondern auch Deutschlands Energiewende. Ohne sie wäre das große deutsche Experiment längst an der Realität gescheitert. Deutschlands Energieversorgung funktioniert nur, solange Frankreich bei Bedarf liefern kann. Umgekehrt gilt das nicht: Frankreich kann ohne Deutschland leben. Und das ist keine Provokation. Das ist Physik.