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Das Backstage wird 35 Jahre alt. Um so lange zu bestehen, musste es viele schwierige Phasen überstehen. Nun steht die nächste große Herausforderung an.

München – Alles begann mit einer wilden Idee und einem kleinen Bluff. Es war Anfang der 1990er-Jahre, und München galt nicht gerade als Szene-Hotspot für alternative Jugendkultur. „Die Stadt war piefig“, erinnert sich Hans-Georg Stocker. Mehr Upperclass als Underground – vor allem fehlten Veranstaltungsorte jenseits des Mainstreams. Eine Gruppe um Stocker wollte dem etwas entgegensetzen. 1991 begannen sie, über Umwege Konzerte in einer Turnhalle in Fürstenried zu veranstalten, die sie mit einem Sportverein teilten. „Eigentlich ein unmöglicher Ort für Subkultur“, sagt Stocker.

Hans-Georg Stocker BackstageFoto: Marcus Schlaf, 08.01.2026Betreiber Hans-Georg Stocker. © Marcus SchlafBackstage in München feiert Geburtstag – alles begann Anfang der 1990er-Jahre

Zu weit draußen, total unbekannt: „Wir haben nach außen einfach so getan, als wäre es ein regulärer Veranstaltungsort.“ Freitags hängten sie schwarze Vorhänge auf, stellten gebraucht gekaufte Anlagen und Lichter auf. „Am Wochenende gab’s dann krasse Punkkonzerte – und am Montag kamen Hausfrauen zum Bodenturnen.“ Denn die Halle blieb, was sie war: eine Turnhalle. Nach den wilden Wochenenden musste alles wieder besenrein sein. Doch das Konzept ging auf: Sogar die Fantastischen Vier traten vor ihrem großen Durchbruch dort auf.

„Seit Beginn war die Existenz des Backstage immer wieder bedroht“

Der Ursprung des Backstage – vor fast genau 35 Jahren. An diesem Wochenende feiert die legendäre Veranstaltungsstätte Geburtstag. Inzwischen ist sie eine zentrale Größe im Münchner Kulturbetrieb: mit mehreren Hallen und Bühnen für Konzerte und Partys samt Biergarten – ein Ort, an dem sich ganz verschiedene Gruppen mischen, von Hip-Hop- und Metal- bis zu Fußballfans. Hans Georg Stocker ist Mitgründer und heutiger Betreiber. Was als Hobby begann, wurde schnell größer – aber nicht einfacher.

So soll das neue Backstage aussehn. So soll das neue Backstage aussehen. © MKN Architekten Subkulturelles Experimentierfeld: von Rap über kleine Live-Auftritte bis hin zu Elektro

„Seit Beginn war die Existenz des Backstage immer wieder bedroht“, sagt Stocker. Mehrmals zog es um. Von der Turnhalle ging es 1993 an die Donnersbergerbrücke, auf ein heruntergekommenes ehemaliges Speditionsgelände. Kurzerhand stellten die Betreiber zusätzlich eine Metall-Schnellbauhalle auf. Doch auch das blieb ein Provisorium. Zwei weitere Umzüge folgten, bis das Backstage seinen heutigen Standort (Reitknechtstraße) fand.

In all der Zeit blieb es immer subkulturelles Experimentierfeld: ein Ort, an dem Rap und Elektro Platz fanden, bevor sie Mainstream wurden, und Bands auftreten konnten, bevor sie Karriere machten. Die Sportfreunde Stiller hatten hier ihre Anfänge, Ed Sheeran trat als Newcomer auf. Dazu kamen legendäre Partys und Public Viewings.

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Aktuell kämpft das Backstage erneut um seine Zukunft. Die Betreiber wollen das Gelände renovieren: Die bestehenden Hallen sollen saniert, die Arena östlich des Gelände davon zu einer Multifunktionshalle für bis zu 4000 Gäste umgebaut werden. Geplant sind außerdem Proberäume und ein Parkhaus. Rund 30 bis 50 Millionen Euro könnte das kosten, so Stocker. Ein Bauvorbescheid liegt bereits vor. Doch es gibt einen Haken: In direkter Nachbarschaft könnten auf dem Paketpostareal künftig die höchsten Wohntürme der Stadt entstehen.

Der Stadtrat hat dem Bau im November zugestimmt, rechtliche Fragen stehen jedoch noch aus. Um spätere Konflikte zu vermeiden, wünschen sich die Backstage-Betreiber Garantien vom Investor (Büschl-Gruppe) – etwa beim Schallschutz der Wohntürme. Die Verhandlungen laufen. „Alles muss juristisch wasserdicht sein“, so Stocker. Denn für den Umbau müssten sich die Betreiber verschulden und brauchen Planungssicherheit. Bis Ende des Monats hofft er auf eine Lösung – dann könnte das „endgültige Backstage“ entstehen, ohne weitere Umzüge.