Frankfurt/Main – Schwer bewaffnete Polizisten bewachen das Oberlandesgericht Frankfurt. Auch Spezialkräfte in Zivil sichern am Montag die Gefangenentransporter bei der Fahrt in die Tiefgarage. Hinter den schusssicheren Fenstern: drei mutmaßliche Putin-Spione, die laut Anklage einen ukrainischen Ex-Offizier ausspähen und töten sollten.
Im Dezember startete der Spionage-Prozess. Jetzt kommen immer mehr geheime Details ans Tageslicht. 19. Juni 2024: Die Angeklagten Vardges I. (43), Robert A. (41) und Arman S. (44) fuhren von Offenbach zum Café „Bar Celona“ in der Innenstadt von Frankfurt, wie einer der Männer vor Gericht bestätigt. Laut Anklage sollen sie sich ab 13.30 Uhr fast zwei Stunden an einem Fensterplatz im Café, am Platz davor und auf der Rooftop-Bar gegenüber postiert haben. Vom Dach soll der Armenier I. die Lage beobachtet und fotografiert haben. Sein Verteidiger erklärte dazu, er habe nur Shisha geraucht.
Russen-Spione sollen Ukrainer ausgespäht haben
Doch für die Bundesanwaltschaft steht fest: Die drei Angeklagten sollten im Café einen ukrainischen Ex-Offizier ausspähen. Das hätte der Vorbereitung weiterer Geheimoperationen dienen sollen, laut Anklage „möglicherweise bis hin zur Tötung der Zielperson“.

Im Café „Bar Celona“ in der Frankfurter Innenstadt sollte ein ukrainischer Geheimdienstoffizier in die Falle gelockt werden (Archivbild)
Foto: Andreas Arnold
Zielperson soll Geheimdienstoffizier sein
Bei der „Zielperson“ soll es sich um den kriegsverletzten Mikael S. handeln, der für den ukrainischen Geheimdienst gearbeitet haben soll und in Deutschland lebt. Laut Putin-Propaganda soll er an der Tötung russischer Soldaten im März 2022 beteiligt gewesen sein. Fakt ist: Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen „Verdachts der Begehung von Kriegsverbrechen“.

Auch die Einfahrt zur Tiefgarage des Gerichts wurde am Montag von schwer bewaffneten Polizisten bewacht
Foto: Claudia Detsch
So lief der Spionage-Thriller
Laut Anklage soll der Ukrainer über Monate von einem Unbekannten namens „Jaroslav“ kontaktiert worden sein, der sich ebenfalls als Agent des ukrainischen Geheimdienstes ausgegeben haben soll. Und sich mit ihm treffen wollte – im Café „Bar Celona“ in Frankfurt! Statt „Jaroslav“ soll dort aber die mutmaßlichen Russland-Spione gewartet haben. Aber S. hatte wohl vorab Verdacht geschöpft und die deutschen Behörden informiert.

Vardges I. pöbelte vor Gericht. Hier wurden ihm vor der Verhandlung die Handschellen abgenommen
Foto: Jürgen Mahnke
Die Angeklagten lachen und pöbeln
Vor Gericht lachten und pöbelten die Angeklagten – und stritten bisher alles ab. Angeblich hätten sie sich zufällig über einen Messenger-Dienst kennengelernt. Allerdings: Alle drei lebten in Wohnungen eines Arztes aus Offenbach, sind armenischer Abstammung, sprechen fließend Russisch und ausreichend Deutsch, um sich mit den Justizbeamten zu verständigen.
Seit ihrer Festnahme am Tattag sitzen sie in U-Haft. Bei einer Verurteilung wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit in einem besonders schweren Fall drohen bis zu zehn Jahre Haft. Der Prozess soll mindestens bis Ostern dauern.