Ludwigshafen. Die Kolpingfamilie startet eine Vortragsreihe „Demokratie wagen“ mit vier hochaktuellen Vorträgen. Dafür konnten fachkundige Redner gewonnen werden, wie der ehemalige Chefredakteur der Rheinpfalz Michael Garthe sowie Strafrichter Alessandro Bellardita.

Am 1. März, um 17 Uhr, spricht der ehemalige Chefredakteur Michael Garthe zum Thema „Wir sind das Volk – was will das Volk?“: Glaubt man den Leserbriefen in den Zeitungen und den (meist anonymen) Meinungen in den sozialen Netzwerken, sind Politiker und Parteien an allem Schuld, was in unserem Staat schief läuft. Man solle doch besser das Volk entscheiden lassen, dann würde gesunder Menschenverstand herrschen, statt politischer Willkür. Aber gibt es denn überhaupt das eine Volk, den gemeinsamen Volkswillen? Ist es nicht vielmehr so, dass im Volk jeder für sich, aber nicht das Volk als Volk einen Willen haben kann? „Das Volk des Grundgesetzes pflegt im Plural aufzutreten“ hat der Philosoph Jürgen Habermas das treffend beschrieben.
Das Schicksal unserer Demokratie liegt nicht allein in den Händen der Politik und der Regierenden. Nein, jede Bürgerin und jeder Bürger, mithin das Volk der Regierten, sind mitverantwortlich dafür, dass die Demokratie gut funktioniert.

Am 22. Februar, um 17 Uhr, spricht Hans Joachim Wahl, Ehemaliger Bundespräsens von Kolping Deutschland, zum Thema „Das Christentum dem Geis und der Praxis nach ins wirkliche gesellschaftliche Leben tragen. Adloph Kolpings Auftrag für eine christliche Politik“: Unser Grundgesetz steht mit zwei Füßen auf dem Boden der katholischen Soziallehre, deren Vorreiter Adolph Kolping war. Wesentliche Prinzipien sind längst Allgemeingut geworden. Wenn Kolping nach seinem aktuellen Leitbild für mehr christliches Handeln in der Welt sorgen will, ist dies ein zutiefst politischer Auftrag, den der ehemalige Bundespräses von Kolping Deutschland, Hans-Joachim Wahl, in den Blick nimmt und zur Diskussion stellt.

Am 8. März, um 17 Uhr, spricht Alessandro Bellardita, Strafrichter am Jugendschöffengericht Karlsruhe, zum Thema „Demokratie wagen“: Demokratie wird heute in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung überwiegend formal definiert, und zwar als eine Regierungsform, die vom Mehrheitsprinzip geprägt wird. Doch eine so verstandene (formale) Demokratie birgt, wie Dr. Alessandro Bellardita, Strafrichter und Autor, in seinem Vortrag aufzeigen wird, zahlreiche Risiken. Denn die Mehrheit hat nicht immer Recht. Und Mehrheit bedeutet insbesondere nicht, dass Grundfreiheiten beachtet werden. Populistische Bewegungen nehmen allerdings für sich in Anspruch, den „wahren Willen“ des Volkes zu kennen (und durchzusetzen). Und durch die Konstruktion einer – wie immer auch gearteten – idealisierten „Identität“, werden faktisch Minderheiten jeglicher Art ausgegrenzt. Aber „Demokratie“ – wie Willy Brandt schon sagte – „ist keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern eine Frage der Sittlichkeit“. Daher bleibt sein Appell heute noch aktuell: „Mehr Demokratie wagen!“

Am 18. März, um 17 Uhr, spricht Martin Rose, Mitglied des Kolping Bundesvorstands und Offizier am Zentrum innere Führung zum Thema „Das Leitbild vom Staatsbürger in Uniform – ein starker Beitrag für unsere Demokratie“: Am 8. Mai 1945 wurde die militärische und moralische Niederlage Deutschlands besiegelt. Vor dem Hintergrund der schrecklichen Zerstörung und des unfassbaren Leids ist nicht verwunderlich, dass die Diskussion um die Wiederbewaffnung das Land in den Nachkriegsjahren spaltete. Dennoch erhielten am 12. November 1955 die ersten Soldaten der Bundeswehr ihre Urkunde. Einen entscheidenden Beitrag hierzu leistet das Konzept der Inneren Führung. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr werden durch den Wertekanon des Grundgesetzes an Demokratie gebunden und sind durch ihren Dienst aufgefordert, als verantwortungsbewusste Staatsbürgerin, als verantwortungsbewusster Staatsbürger zu handeln.

Die Vortragsreihe ist Teil der Aktion „Hass ist keine Meinung“. Damit wenden sich die christlichen Kirchen in Ludwigshafen entschieden gegen Rechtsextremismus, Ausgrenzung und Hass. „Wir möchten ein deutliches Signal senden: Christlicher Glaube und Ideologien jeder Art sind unvereinbar. Wir treten ein für ein Miteinander, das Menschen dieselbe Würde beimisst und widersprechen allen, die durch ihre Haltung spalten, abwerten und am Ende nur Hass säen“, betont Dekan Dominik Geiger (katholisch). Sein evangelischer Amtskollege, Dekan Paul Metzger, ergänzt: „Unsere Stadt lebt von Vielfalt. Wer Menschen nach Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Identität in Kategorien von ‚erster‘ und ‚zweiter Klasse‘ einteilt, stellt sich gegen die Grundlagen unseres Zusammenlebens.“ jg/red