Bewohner der Millionenmetropole berichteten nun von schrecklichen Tagen. Ein junger Mann sagte: „Wir hören, dass täglich Hunderte Opfer – Tote und Verletzte – in die Krankenhäuser gebracht werden. Die Lage ist nicht gut.“ Und weiter: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen.“

Während der Internet-Blockade konnten sich Iranerinnen und Iraner teils über Satellitenfernsehen informieren. Einige Exilsender lassen sich im Iran empfangen. In mehreren Teilen Teherans jedoch haben Sicherheitskräfte begonnen, Satellitenschüsseln von Hausdächern zu beschlagnahmen – eine alte Praxis aus der Zeit vor dem Internet. Satellitenschüsseln sind offiziell verboten.

Die beiden EU-Länder Spanien und Finnland haben auf die Gewalt gegen Demonstrierende im Iran mit der Einbestellung der iranischen Botschafter reagiert. Dem Botschafter der Islamischen Republik in Madrid sei die „starke Ablehnung und Verurteilung“ des Vorgehens der Führung in Teheran gegen die Proteste im Land übermittelt worden, sagte der spanische Außenminister José Manuel Albares am Dienstag dem Sender Catalunya Ràdio.

„Das Recht der iranischen Männer und Frauen auf friedlichen Protest, ihre Meinungsfreiheit müssen respektiert werden“, forderte der spanische Chefdiplomat. Auch die „willkürlichen“ Verhaftungen im Iran müssten aufhören. Albares rief die iranische Führung auf, „an die Verhandlungstische“ zurückzukehren.

Die finnische Außenministerin Elina Valtonen erklärte am Dienstag auf der Plattform X: „Das Regime des Iran hat das Internet abgeschaltet, um in aller Stille töten und unterdrücken zu können.“ Ihr Land werde dies nicht hinnehmen, sondern noch am Dienstagmorgen den iranischen Botschafter einbestellen. „Wir stehen hinter dem iranischen Volk“, versicherte Valtonen. Finnland prüfe in Zusammenarbeit mit der EU „Maßnahmen, um dazu beizutragen, die Freiheit des iranischen Volkes wiederherzustellen“.

Im Iran dauert die im Zuge der Proteste gegen die staatliche Führung verhängte landesweite Internetsperre auch am fünften Tag in Folge weiter an. „Es ist nun 108 Stunden her, seit der Iran eine landesweite Abschaltung des Internets verhängt hat, wodurch die Iraner vom Rest der Welt und voneinander isoliert sind“, erklärte die Organisation Netblocks am Dienstag. Internationale Telefonate waren derweil nach tagelanger Unterbrechung wieder möglich, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP aus dem Iran berichtete.

Netblocks wies darauf hin, dass die Internetsperre etwa über Kurzwellenradio, eine Mobilfunkverbindung in Grenznähe, das Satellitennetzwerk Starlink oder Satellitentelefone umgangen werden könne. Starlink wird vom US-Raumfahrtunternehmen SpaceX des US-Milliardärs Elon Musk betrieben. Es ermöglicht auch abgelegenen Regionen, in denen die Kommunikationsinfrastruktur nicht funktioniert, einen Zugang zum Internet.