Winterliche Bedingungen stellen allerdings besondere Anforderungen. „Das Schöne am Winterwandern: Es treibt dich immer nach vorne. Aber auch das Gefährliche: Wenn du stehen bleibst, musst du in Bewegung bleiben“, erklärt Schimanski. Wer einmal ausgekühlt ist, könne zwar gegensteuern, ergänzt Schult, „aber es kostet dann ein bisschen mehr Zeit“. Gleichzeitig biete der Winter Eindrücke, die es so im Sommer nicht gibt: verschneite Äste, vereiste Wege, eine sichtbar veränderte Landschaft. „So was hast du nicht im Sommer“, sagt Schimanski.
Rechtzeitig ankommen, sicher übernachten im Harz
Wer im Winter wandert, sollte die Tagesplanung im Blick behalten. Die Dunkelheit kommt früh, die Temperaturen fallen schnell. Übernachtet wird in Sorge, einem kleinen Ort im Harz, auf ausgewiesenen Stellflächen, die über Online-Plattformen buchbar sind.
Bei der Wahl des Schlafplatzes spielt Sicherheit eine zentrale Rolle. Senken sollten vermieden werden, da sich dort Wasser sammelt. Auch der Blick nach oben ist wichtig – etwa auf Dächer oder abgestorbene Äste.
Entscheidend für kalte Nächte ist die Isolation zum Boden. „Es ist superwichtig, dass du auf die Werte achtest“, sagt Tim Schimanski mit Blick auf die Isomatte. Maßgeblich ist der sogenannte R-Wert, der die Isolationsleistung angibt. „Ab vier aufwärts kann man die für vier Jahreszeiten nutzen“, so Schimanski. Viele einfache Matten lägen deutlich darunter, ergänzt Hella Schult:
Auch beim Schlafsack lohnt ein genauer Blick auf die Angaben. Die Komforttemperatur beschreibt, bis zu welchen Temperaturen es noch angenehm ist. Die Limittemperatur hingegen ist kein Maß für Behaglichkeit. „Limit bedeutet immer, dass du bis zu der Temperatur darin nicht erfrieren würdest“, sagt Schult. „Du bist weit weg davon, dass es gemütlich ist.“ Deshalb sei die Limitangabe „gar keine Option, sich danach zu richten“. Wichtig sei zudem, den Schlafsack frühzeitig auszurollen, damit er sich vollständig aufbauschen kann.
Wintercamping ist ein Mikroabenteuer
Der Morgen nach der Nacht ist kalt. Statt ausgiebigem Frühstück geht es zunächst in Bewegung. „Beim Wintercampen machen wir das meistens so, dass wir erstmal loslaufen“, sagt Hella Schult, und erst später dort Pause machen, „wo dann vielleicht schon ein Fleck Sonne ist“. Kälte bleibt dabei ständiger Begleiter. „Wenn du den ganzen Kram eingepackt hast, ist ja alles nass, alles kalt“, sagt Tim Schimanski. Kalte Hände, taube Fingerspitzen oder ein gefrorener Schlafsack gehören dazu. „Das muss man wollen“, sagt er. Genau darin liegt für viele der Reiz des Wintercampens: im bewussten Verzicht auf Komfort und in der Erfahrung, mit Kälte und einfachen Mitteln umzugehen.