Dresden – Aus heiterem Himmel attackierte ein Tunesier (37) eine Familie am Sandkasten. Unzählige Hiebe für den Vater (37), Schläge für die Mutter (38), dann stieß er ihr den Sohn (damals 2) vom Arm und warf den Kinderwagen mit dem Baby (7 Wochen) um – alle kamen mit Verletzungen ins Krankenhaus. Jetzt stand der Angreifer vor Gericht.
Es war der 4. Juni 2025 gegen 11.30 Uhr in der Dresdner Friedrichstadt – ein Tag, den die Familie nie vergessen wird. Der Vater versuchte damals verzweifelt, den Tunesier von Frau und Kindern wegzuziehen. Passanten eilten zu Hilfe, mehrere Männer überwältigten den Täter. Ein Polizist (35) sagt über den Einsatz: „Ich dachte an ein Anschlagszenario.“ Im Gerichtssaal trägt der Täter aufgrund seiner Gefährlichkeit einen Bauchgurt, an dem die Handfesseln gesichert sind. Zudem hat er Fesseln an den Füßen. In der Psychiatrie hatte der Tunesier zwei Pfleger zusammengeschlagen.

Tatort: dieser Spielplatz in Dresden-Friedrichstadt
Foto: Olaf Rentsch
Angeklagter hat zahlreiche Vorstrafen
Stili M. kam 2011 von Tunesien nach Frankreich. Später lebte er in den Niederlanden, Spanien und Italien. Einen Beruf hat er nie gelernt. Er berichtet: „Ein Freund hat mir erzählt, wenn ich nach Deutschland einreise, bekomme ich eine Unterkunft umsonst.“ Und so kam er her, obwohl er nie hätte hier sein dürfen. Schnell wurde der Mann aus Nordafrika straffällig, in Bayern und NRW verurteilt. Im Gefängnis zündete er den Haftraum an und attackierte Mitinsassen mit einem Messer. Die Vorstrafenliste ist lang: Vergewaltigung, Diebstähle, Widerstand, Körperverletzungen, Beleidigungen. Nach der Entlassung bekam er Führungsaufsicht, eine Fallkonferenz erkannte „Rückfallgefährdung“. Doch die Maßnahmen waren schwach, in Dresden schlug er schließlich wieder zu.

Die Eltern sind nach dem Angriff traumatisiert, traten im Prozess als Nebenkläger auf
Foto: Olaf Rentsch
Attackiertes Kind nennt Täter „bösen Mann“
Der Angreifer brach dem Vater die Nase, überall hatte er Wunden und Hämatome, war sechs Wochen arbeitsunfähig. Auch die Mutter trug zahlreiche Wunden davon, der Sohn (damals 2) eine Schädelprellung, die Tochter (7 Wochen) ein Hämatom an der Schläfe. Mutter und Vater sind schwer traumatisiert und in Therapie. Ihr heute Dreijähriger hat Angst vor dem „bösen Mann“. Ein Augenzeuge filmte die Tat, sein Video ist das wichtigste Beweismittel. Für das Gericht steht fest: Die Familie wurde zu Zufallsopfern, der Täter hatte kein Motiv.

Vorsitzender Richter Thomas Ziegler (56) ordnete die dauerhafte Unterbringung des Täters an
Foto: Olaf Rentsch
Tunesier ohne Therapie-Erfolg
Der Gutachter spricht beim Täter von Schizophrenie und Größenwahn – dazu kämen fehlende Einsichtsfähigkeit, und Verständigungsprobleme trotz Dolmetscher. Die Medikamente brächten bislang keinen Therapie-Erfolg. Drogen und Alkohol seien als Ursache ausgeschlossen. Gutachter Dr. med. Sebastian Spirling (53) wird deutlich: „Man weiß nicht, was passiert wäre, wenn der Vater sich nicht ausreichend gewehrt hätte.“

Die Fußfesseln durften dem Gewalttäter nicht abgenommen werden
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Richter sieht Gefahr für die Allgemeinheit
Das Gericht ordnete die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung an. Der Richter bezeichnet den Tunesier als „unberechenbar“ und „Gefahr für die Allgemeinheit“. Zurzeit hätte er eine Stunde Hofgang, sonst Einschluss. Der Richter: „Weniger geht nicht.“