Leipzig. Die Pest im Mittelalter gilt als schlimmste Seuche der Geschichte. Die Krankheit tötete viele Millionen Menschen in Europa, die Toten wurden oft in Massengräbern beerdigt.

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Eines davon hat jetzt möglicherweise ein Forschungsteam aus Leipzig in einem Wäldchen nahe des Erfurter Zoos in Thüringen entdeckt. Das Besondere an dem Fund ist, dass er nicht zufällig während einer Baumaßnahme gemacht wurde, sondern während einer gezielten Suche.

Historischer Fund in Erfurt: Pest-Massengrab aus dem Mittelalter entdeckt

„Es handelt sich dabei um den ersten durch systematische Suche gefundenen Begräbnisort der Opfer des ‚Schwarzen Todes‘ in Europa“, teilte die Universität Leipzig mit, die gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung an der Suche beteiligt war.

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Bestätigte und präzise datierte Pest-Massengräber aus dem Mittelalter seien sehr selten, hieß es in der Mitteilung. Bisher seien in Europa weniger als zehn bekannt.

Die historische Lithografie zeigt, wie Opfer der Pest abtransportiert werden.Der Weg zur Entdeckung: Historische Quellen und moderne Technik

Chroniken berichten, dass während der Pest um 1350 rund 12.000 Tote in elf großen Gruben außerhalb Erfurts beerdigt wurden. Deren genaue Lage war jedoch bislang unbekannt, wie die Uni Leipzig mitteilte.

Um das Massengrab nahe des Erfurter Zoos zu finden, hätten die Wissenschaftler „historische Quellen, geophysikalische Messungen und Sedimentbohrungen“ miteinander kombiniert. Nach Angaben der Uni Leipzig entdeckten die Forschenden menschliche Knochenfragmente. Diese stammten „eindeutig“ aus dem 14. Jahrhundert.

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Der Fund helfe dabei, zu verstehen, wie Gesellschaften mit massenhaften Todesfällen umgehen, sagte Christoph Zielhofer, Professor für Physische Geographie an der Uni Leipzig.

So wurden die Toten wahrscheinlich aus einem bestimmten Grund weit außerhalb der Stadtmauern beerdigt: Die Menschen im Mittelalter hatten den Forschenden zufolge Angst vor vermeintlich gefährlichen Verwesungsdämpfen. Für die Massengräber hätten sie trockene Böden ausgewählt, da Zersetzungsprozesse in nassen Böden langsamer abliefen.

Archäologische Grabung in Erfurt geplant

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir eines der in den Chroniken beschriebenen Pestmassengräber von Erfurt eindeutig lokalisiert haben. Endgültige Klarheit kann allerdings erst im Zuge einer geplanten archäologischen Grabung dieses Befundes erlangt werden“, sagte Michael Hein, Geograph an der Universität Leipzig.

In Zusammenarbeit mit dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie seien nun weiterführende Ausgrabungen geplant, die auch Material für genetische Untersuchungen am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie liefern sollen, hieß es.

LVZ