Showgrößen wie Lady Gaga und Jennifer Lopez, Kim Kardashian und Heidi Klum, aber auch andere Prominente wie Kamala Harris, Amal Clooney und Catherine, Princess of Wales, tragen sie: die Couture von Talbot Runhof aus München. Und die Liste mit Celebrities, Künstlerinnen, Politikerinnen und Sportlerinnen ließe sich noch lange fortführen. Denn die Kreationen aus Jacquard, Tüll und Metallic-Voile, aus Tweet, Samt und Satin made in Munich sind weltweit gefragt.
Royaler Glanz: Vor wenigen Wochen besuchte die Frau des britischen Thronfolgers Catherine, Princess of Wales, in einem edlen dunkelgrünen Samtkleid von Talbot Runhof die Royal Variety Performance in der Royal Albert Hall. (Foto: Max Mumby/Indigo/Getty Images)
Mal sind es lange, eng anliegende Roben, die die Körper elegant umschmeicheln, mal schillernde, mit Pailletten besetzte Super-Minis, mal materialreiche skulpturale Kreationen, die auf dem roten Teppich, in einschlägigen Magazinen oder auf Instagram & Co. für Aufsehen sorgen. Selbst klassisch geschnittene Cocktail- und Abendkleider sowie Tages-Outfits sind nie langweilig und machen gute Laune. Dafür sorgen edle Stoffe, außergewöhnliche Webmuster und farbenfrohe Prints.
Wer’s nicht glaubt, sollte sich mal das Paparazzi-Foto von Amal Clooney anschauen, wie sie in ihrer sommerlich bunten Hose aus dem Hause Talbot Runhof lässig einem Jet entsteigt. Flower-Power-Assoziationen garantiert.
Nun haben die beiden Modemacher Johnny Talbot und Adrian Runhof mit ihren kunstvollen Kreationen auch die Welt der Museen erobert. Denn dass Mode mehr ist als Kleidung, zeigen inzwischen immer mehr Ausstellungshäuser. Allen voran solche mit weltberühmten Couture-Sammlungen wie das Metropolitan in New York und das Victoria and Albert Museum in London. Aber auch in Europa sind Modeausstellungen der Renner. Das belegen nicht zuletzt die Präsentationen, die seit Jahren fest im Programm der Münchner Kunsthalle verankert sind.
Was für ein Hingucker! Das fanden auch Kim Kardashian und Carrie Underwood und traten mit der Kreation „Pompös“ von Talbot Runhof aus der Herbst/Winter-Kollektion 2010/11 auf. Allerdings und bestimmt zur beiderseitigen Erleichterung bei verschiedenen Veranstaltungen. (Foto: Marc Rehbeck)
Gerade hat das Staatliche Textil- und Industriemuseum in Augsburg (tim) bekanntgegeben, dass es international bedeutende Designerstücke von Talbot Runhof in seine Sammlung übernimmt. Die 150 Couture-Kleider sollen zentrale Merkmale des Labels widerspiegeln: „raffinierte Draperien, außergewöhnliche Silhouetten, kraftvolle Farbkonzepte sowie raffinierte geometrische und florale Muster“, so das Museum.
Dabei war der Weg von Johnny Talbot und Adrian Runhof als Designer-Duo nicht unbedingt vorgezeichnet, als sie sich Anfang der 1990er-Jahre zufällig in einem Münchner Club begegneten.
Museumsdirektor Karl Borromäus Murr (links) mit Adrian Runhof (Mitte) und Johnny Talbot bei der Übergabe der Couture ans tim in Augsburg. Amal Clooney ist ebenso ein Fan des Designs, das links zu sehen ist, wie Claudia Roth, frühere Staatsministerin für Kultur und Medien. (Foto: tim)
Der 1964 in Nashville, Tennessee geborene Johnny Talbot arbeitete zunächst als Elektrotechniker und Programmierer für die US-Regierung, programmierte im Pentagon U-Boot-Abwehrsysteme und kam dann für Radio Free Europe nach München.
Näher dran am Modethema war Adrian Runhof. Geboren 1963 in Mainz, stammt er aus einer Familie von Modeproduzenten und Einzelhändlern. Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium gründete er eine eigene Fashionmarke und arbeitete als Berater für nationale und internationale Modeunternehmen.
Für beide war das Aufeinandertreffen eine Initialzündung. Der Programmierer wandelte sich zum kreativen Kopf, der Fashion-Aficionado zum Macher und zur stilprägenden Kraft. Gemeinsam legten sie bald darauf los mit ihrem Couture-Haus unter dem Namen „All About Eve“ in der Münchner Maximilianstraße. Seit 2000 nennen sie sich schlicht Talbot Runhof und unterhalten neben der Boutique im Münchner Preysingpalais auch eigene Geschäfte in Berlin, Düsseldorf und Zürich.
25 Defilees hat Talbot Runhof zwischen 2007 und 2019 auf der Pariser Fashion Week präsentiert. Das ist außergewöhnlich für deutsche Designer. Dann zog man sich von den großen Defilees zurück. „Es war eine bewusste Entscheidung“, sagt Adrian Runhof, „die Defilees wurden immer bombastischer. Irgendwann kam es gar nicht mehr auf die Couture an, sondern nur noch auf die Show. Das war der Punkt für uns, mit den Defilees aufzuhören.“ Weiterhin vertreten auf der Fashion Week Paris sei man aber.
Auch die Schauspielerin Wolke Hegenbarth geht immer wieder in Couture von Talbot Runhof über den roten Teppich, hier beim Deutschen Fernsehpreis 2024 in Köln. (Foto: Andreas Rentz/Getty Images)
Was das Museum in Augsburg nun übernimmt, nennt Runhof den „Kern“ der Pariser Defilees. „Unser Archiv ist weitaus größer, mehr als 1000 Outfits sind dort enthalten.“ Man habe die großen Defilees in Paris von Anfang an sorgsam dokumentiert.
Der Museumsdirektor des tim, Karl Borromäus Murr, freut sich, „dass wir diesen tollen Schatz ans Haus bekommen“. Mit der Aufnahme dieser Couture-Kleider in seine Sammlung dokumentiere das tim ein wichtiges Kapitel bayerischer, deutscher und internationaler Modegeschichte.
„Es hat schon länger Überlegungen gegeben, einige Stücke in die Sammlung aufzunehmen“, erzählt Murr. „Denn wir wollten die schon ein paar Jahre alte Dauerausstellung überarbeiten.“ Dann sah Michaela Breil, Kuratorin am tim und Stellvertreterin von Murr, im November 2022 am Münchner Gärtnerplatztheater die neue „Giselle“, ein klassisches Ballett, für die Talbot Runhof die Kostüme entworfen hatten.
Denn längst arbeiten die beiden auch regelmäßig mit Künstlerinnen und Künstlern und Kunstinstitutionen zusammen. Einmal ließen sie sich für einen Teil ihrer Kollektion von den Formen und Farben des Künstler-Duos Mehmet & Kazim inspirieren. Jüngst gab es eine Kooperation für ihre Boutiquen mit dem Akademiestudenten Jakob Langreiter, der als „fleuryayo“ die Grenzen zwischen Kunst und Floristik erprobt. Und eine neue Künstlerkooperation ist in Vorbereitung.
Nicht nur Inszenierungen an diversen Theater- und Opernhäusern haben Talbot Runhof ausgestattet, auch die Musikerinnen und Musiker der Bayerischen Staatsoper waren schon mal ganz in ihre Couture gekleidet. Und als Sponsor für die Gala im Haus der Kunst oder die Messe Munich Highlights tritt das Label seit Jahren modisch in Erscheinung.
Ihre großen Auftritte auf der Pariser Fashion Week nutzten Johnny Talbot und Adrian Runhof immer wieder auch, um ihre politischen und sozialen Ansichten deutlich zu machen. Mit modischen Entwürfen und Interventionen prangerten sie die Diskriminierung homosexueller Menschen an, protestierten gegen die rechtswidrige Annexion der Krim durch Russland oder gegen die Wahl von US-Präsident Trump.
Doch zurück nach Augsburg. Nach den ersten Gesprächen zwischen Johnny Talbot und Adrian Runhof sowie dem Textilmuseum war schon bald klar, dass es eine Sonderausstellung geben solle. Die wird unter dem Titel „Celebrating Fashion“ von kommendem April an auf 1000 Quadratmetern im tim zu sehen sein. Inzwischen ist das Vertrauensverhältnis zwischen beiden Seiten so gewachsen, dass sich die Modemacher entschlossen haben, ihre wichtigsten Kreationen auch aus der Zeit nach den großen Pariser Defilees und alle zukünftigen nach Augsburg zu geben, zählt Adrian Runhof. Denn „es geht ja weiter“.
„Wir sind stolz darauf, dass sich Johnny Talbot und Adrian Runhof dazu entschieden haben, quasi ihr Lebenswerk dem tim anzuvertrauen“, so Museumsdirektor Karl Borromäus Murr. Deren Couture verkörpere „ein modernes Frauenbild, das für Souveränität und Liberalität steht“. Dem dürften die Frauen, die gerne Couture von Talbot Runhof tragen, nicht widersprechen – egal, ob es Celebrities auf dem roten Teppich sind oder Frauen wie du und ich.