Feine Eleganz, leuchtende Farben, extravagante florale und grafische Muster, raffinierte Silhouetten – die Kollektionen der Münchner Modeschöpfer Johnny Talbot und Adrian Runhof zählen zu den Highlights der zeitgenössischen deutschen Modegeschichte und besitzen darüber hinaus internationale Strahlkraft. Stars wie Jennifer Lopez, Lady Gaga oder Angelina Jolie präsentieren sich in den eleganten Roben in schillernden Stoffen auf dem roten Teppich, und erst im November zog Kate, die Prinzessin von Wales, bei einem öffentlichen Auftritt alle Blicke auf sich, als sie in einem dunkelgrün schimmernden Samtkleid von Talbot Runhof erschien. Man kann es also durchaus als Sensation bezeichnen, was Karl Murr, Direktor des Staatlichen Textil- und Industriemuseums Augsburg (Tim), nun zu verkünden hat: Die beiden Designer überlassen dem Tim einen bedeutenden Teil ihrer Sammlung.

Auch Prinzessin Kate trägt trägt Modelle der Münchner Modedesigner Talbot Runhof, wie im November 2025 anlässlich der Royal Variety Performance in der Royal Albert Hall. Foto: Jonathan Buckmaster/Daily Express Pool Photo/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Auch Prinzessin Kate trägt trägt Modelle der Münchner Modedesigner Talbot Runhof, wie im November 2025 anlässlich der Royal Variety Performance in der Royal Albert Hall. Foto: Jonathan Buckmaster/Daily Express Pool Photo/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Auch Prinzessin Kate trägt trägt Modelle der Münchner Modedesigner Talbot Runhof, wie im November 2025 anlässlich der Royal Variety Performance in der Royal Albert Hall. Foto: Jonathan Buckmaster/Daily Express Pool Photo/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die bedeutendsten Stücke der Mode-Sammlung von Talbot Runhof gehen an das Textilmuseum Augsburg

Zwischen 2007 und 2019 nahm Talbot Runhof an den Défilés der Pariser Fashionweek teil. Von Beginn an archivierten die beiden Designer ihre Kollektionen für insgesamt 25 Pariser Modeschauen einschließlich der Accessoires – insgesamt 800 Outfits mit nahezu 1500 Einzelteilen, die in Malgersdorf, einer kleinen Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn, gelagert werden. 150 der bedeutendsten Stücke wandern von dort nun ins Tim nach Augsburg. Sie werden in der diesjährigen Sonderausstellung „Celebrating Fashion“ ab 17. April präsentiert, aber auch in der Dauerausstellung, die nach 15 Jahren neu konzipiert wird, eine wichtige Rolle spielen.

Das Couture-Duo Johnny Talbot (von links) und Adrian Runhof übergibt Teile seiner Sammlung an Karl Murr, Direktor des Textilmuseums in Augsburg.

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Das Couture-Duo Johnny Talbot (von links) und Adrian Runhof übergibt Teile seiner Sammlung an Karl Murr, Direktor des Textilmuseums in Augsburg.
Foto: Anna Kondratenko

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Das Couture-Duo Johnny Talbot (von links) und Adrian Runhof übergibt Teile seiner Sammlung an Karl Murr, Direktor des Textilmuseums in Augsburg.
Foto: Anna Kondratenko

„Es ist für uns ein Glücksfall, dass es dieses Museum gibt“, darin sind sich die beiden Designer einig. „Es ist genau das, wofür wir dieses Archiv geschaffen haben, und es ist der richtige Ort, um die Stücke zu konservieren und der Welt zugänglich zu machen“, erläutert Adrian Runhof in Augsburg. 2019 hatten sie sich entschlossen, nach 25 Defileés in der Hauptstadt der Mode nicht mehr an den Präsentationen teilzunehmen. „Wir hatten uns entschieden, andere Formate zu finden, eine persönlichere Interaktion. Irgendwann wurden uns die Shows zu bombastisch“, wie Adrian Runhof erklärt. Der rote Faden ihrer Kreationen seien die Details, die sich oft auch erst auf den zweiten oder dritten Blick offenbarten, und die könne man im persönlichen Gegenüber besser aufnehmen, als in einem Défilé, bei dem ein Model zweimal auf- und abgeht. „Die Ausstellung ist nun eine Steigerung der Modenschau, denn man hat die Möglichkeit, jedes Modell aus der Nähe und von mehreren Seiten in Augenschein zu nehmen.“

„Celebrating Fashion“ wird beleuchten, wie die beiden Designer ihre Inspiration aus Film, Kunst und Musik in Mode umsetzen, was die eigene Handschrift der beiden ausmacht, und darauf eingehen, wie politische und gesellschaftliche Entwicklungen in ihre Arbeiten einfließen. So erregten sie 2014, nach der Annexion der Krim durch Russland, Aufsehen mit der Kollektion „From Russia with Love“, bei der Models zur Musik aus dem gleichnamigen James-Bond-Film mit Oberteilen über den Laufsteg liefen, die das Konterfei Wladimir Putins mit dem Eiffelturm und der Aufschrift „Visit Paris before he does“ zeigten. „Johnny Talbot und Adrian Runhof waren immer wach und hellhörig, was politische und gesellschaftliche Strömungen angeht“, hebt Karl Murr hervor.

Die Roben von Talbot Runhof sollen „Dinge fürs Leben sein“

Das betrifft auch das Thema Nachhaltigkeit, was die Sammlung für das Tim neben den Besonderheiten des Designs bedeutsam macht. Die Zentrale des Unternehmens ist in München, die Kollektionen werden in Ateliers in Deutschland gefertigt – und sollen „Dinge fürs Leben“ sein, wie Adrian Runhof, betont. „Die Denke, dass ein Modell nur zu einem besonderen Anlass einmal getragen wird, ist Gott sei Dank vorbei, da hat uns der Zeitgeist mittlerweile überholt.“ Bestes Beispiel sei die Prinzessin von Wales, die besagtes Samtkleid wohl schon länger im Kleiderschrank gehabt habe. Seit Jahren sei es auch Teil ihrer Beratung, wie die festliche Abendmode alltagstauglich werden könne. Kein Problem also, und schon gar nicht Kränkung des Designerherzens, wenn eine Kundin das Galakleid kürzen lässt, um es zur Familienfeier anzuziehen. Auch dem Upcycling steht Talbot Runhof offen gegenüber und unterstützt in München ein Upcycling-Atelier mit geflüchteten Frauen, die aus Stoffresten Patchwork herstellen. „Aber das Nachhaltigste“, so Karl Murr, „ist ja Qualität, und dafür steht Talbot Runhof in hohem Maß.“

Vor diesem Hintergrund will die Ausstellung „Celebrating Fashion“ nicht nur festliche Mode zeigen und ein Fest der Mode sein, sondern auch zeigen, dass Mode nicht nur äußerlicher Tand ist, sondern durchaus Anlass sein kann, über das Leben zu reflektieren – wie man es ja auch bei Familienfesten und großen Feiern immer wieder tut.

  • Birgit Müller-Bardorff

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  • Textilmuseum

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  • Kollektion

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