Etwa 350 Beschäftigte von Hochschulen, Kliniken und der Verwaltung in Leipzig haben am Dienstag gestreikt. Federführend bei den Arbeitsniederlegungen war die Gewerkschaft Verdi. Sie will für die Beschäftigten sieben Prozent mehr Gehalt erreichen, mindestens jedoch ein Lohnplus von 300 Euro monatlich. Das sagte Verdi-Bezirksgeschäftsführer Sebastian Viecenz MDR SACHSEN bereits im Vorfeld.

Für Berufseinsteiger wurden bei dem Warnstreik höhere Ausbildungsvergütungen und sichere Übernahmen gefordert. Studentische Beschäftigte folgten dem Aufruf ebenfalls. Für sie fordert Verdi einen eigenen Tarifvertrag.

Mehr Geld macht Job attraktiver

Trotz des Streiks blieb die Patientenversorgung durch Notdienstvereinbarungen gesichert. Bei der Kundgebung im Ring-Café in Leipzig war beispielsweise Marlene dabei. Sie ist Pflegewissenschaftlerin und arbeitet als Kinderkrankenpflegerin am Uniklinikum Leipzig (UKL). Im Gespräch mit MDR SACHSEN berichtet sie, dass es ihr neben dem Wunsch nach besserer Bezahlung vor allem um die Arbeitsbedingungen gehe.

Häufige Personalengpässe würden dazu führen, „dass wir einfach nicht mehr so pflegen, nicht mehr so versorgen können an manchen Stellen, wie wir es eigentlich wollen“, so Marlene. Grundlegend wichtige Aufgaben, wie mit den kranken Menschen sprechen und sie zu beraten, fielen oft weg, was die Gefahr von Burn-out erhöhe.

Marlene hofft, dass bessere Bedingungen nicht nur die Versorgung sichern, sondern dadurch auch neue Kolleginnen für den Pflegeberuf gewonnen werden: „Das kann helfen und am Ende vielleicht sogar etwas gegen diese hohe Arbeitsbelastung machen.“

Starker Zusammenhalt und gelungener Auftakt

Jessica arbeitet als Gesundheits- und Krankenpflegerin ebenfalls an der Uniklinik und hat am Streik teilgenommen, um auf die schwierigen Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen. „Ich bin hier, um auch ein Zeichen zu setzen, dass wir stark sind, dass wir dafür kämpfen, um mehr Lohn und um mehr Aufmerksamkeit“, erklärt sie. Gemeinsam mit Kolleginnen war sie bereits am frühen Morgen beim Demozug vom UKL bis zum Ring-Café dabei, begleitet von Trillerpfeifen und lauten Rufen.

Jessica betont außerdem die Bedeutung des Zusammenhalts: „Man hat so wirklich das Gefühl, dass wir solidarisch zusammenstehen für eine gute Daseinsvorsorge.“ Neben Pflegekräften beteiligten sich auch Beschäftigte aus Verwaltung und Forschung, um für bessere Bedingungen im öffentlichen Dienst zu kämpfen. Dieses Zusammenstehen sei ein „starkes Zeichen“ und ein gelungener Auftakt für die weiteren Verhandlungen.

Uni-Beschäftigte schlagen Alarm

Als vertretende Person aus der Forschung war Max Oehmichen am Dienstag vor Ort. Max arbeitet in der Lehramtsausbildung und schreibt an der Doktorarbeit am Institut für Anglistik. Er kritisiert die drastischen Sparmaßnahmen an der Universität Leipzig. „Wo drückt der Schuh nicht, ist hier die Frage. Wir stehen wirklich davor, dass uns der Laden irgendwann zusammenbricht“, warnt er.

Befristete Verträge würden nicht verlängert, neue Stellen nicht geschaffen. Engpässe würden vor allem in der Lehramtsausbildung drohen. Hinzu komme auch im universitären Bereich eine hohe Arbeitsbelastung: Viele Wissenschaftler arbeiten weit über ihre – oft halben – Stellen hinaus, um unter anderem Forschung und Lehre zu stemmen.

Die Stimmung unter den Beschäftigten ist jedoch kämpferisch. „Es ist immer auch schön für alle zu sehen, dass man so zusammensteht“, sagt Oehmichen mit Blick auf die Aktion. Er fordert auch vom Rektorat mehr Einsatz für die eigenen Mitarbeiter: „Wir würden uns eigentlich wünschen, dass sie sich vor uns stellen, dass sie sich als Teil der Universität wahrnehmen und auch so auftreten. Das tun sie bisher nicht“, so seine Wahrnehmung.

Wie reagiert die Arbeitgeberseite?

Im Gespräch mit MDR SACHSEN wiederholte Andreas Dressel, Vorsitzender der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), seine Ansicht, die Forderungen seien bei der aktuellen Inflationsrate von knapp zwei Prozent zu viel: „Sieben Prozent für zwölf Monate – das ist astronomisch und das bleibt auch astronomisch, vor allem, weil ja auch noch Nebenforderungen dazukommen.“

Nächste Verhandlungsrunde noch diese Woche

Dressel verweist auf die dramatische Finanzlage der Länder mit Steuermindereinnahmen und steigenden gesetzlichen Leistungen. Aus seiner Sicht müssen Laufzeit und Erhöhung „in einem vertretbaren Verhältnis“ stehen, was Gegenstand der weiteren Verhandlungen sein werde. Die TdL sei laut Dressel zu „vernünftigen Lösungen“ bereit, um den öffentlichen Dienst attraktiv zu halten, insbesondere für Nachwuchskräfte und Beschäftigte in Schichtdiensten. „Wir werden mal gucken, wo wir am Verhandlungstisch auch zueinander kommen“, sagt er.

Die nächsten Gespräche finden in dieser Woche in Potsdam und eine dritte Verhandlungsrunde im Februar statt.