Eine Person hält ein Glas unter einen laufenden Wasserhahn.

Stand: 12.01.2026 03:40 Uhr

Trinkwasserleitungen sind manchmal immer noch aus Blei – damit soll nun Schluss sein: Eine Änderung der Trinkwasserverordnung verbietet das giftige Schwermetall ab heute in Rohren, Armaturen und Installationen.

Schon die Römer nutzten Blei als Material für Wasserleitungen. Das Metall ist zwar schwer, zugleich aber so weich, dass man es in die gewünschte Form biegen und sogar den Namen des Besitzers auf die Rohre stempeln kann. Heute ist aber schon lange bekannt, dass Blei auch giftig ist: „Eine Bleivergiftung führt zum Beispiel zu neurologischen Schäden oder zu einer Anämie, also Blutarmut“, sagt der Kinderarzt Stefan Böse-O’Reilly, Umweltmediziner an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Vergiftung tritt dabei schleichend ein. Die Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Abmagerung sind unspezifisch. Im Extremfall kann eine Bleivergiftung tödlich sein, etwa bei Industriearbeitern in Schwellenländern. „Antrinken“ mit Leitungswasser kann man sich eine tödliche Vergiftung aber nicht.

Auch lange nach der Römerzeit sind Bleirohre für Trinkwasser nicht ganz verschwunden. Für die großflächige Versorgung kommen sie wegen ihres Gewichts zwar nicht in Frage. Anders sieht das aber bei den letzten Metern aus, bei den Hausanschlussleitungen, die von der Straße zu den Gebäuden führen. Vor allem in Nord- und Ostdeutschland haben die Wasserversorger hier bis etwa 1973 noch Blei verwendet. Heute sind diese Rohre aus Gusseisen, Stahl oder Kunststoff. In Teilen von Bayern, Württemberg und Baden wurde das Schwermetall dagegen für diesen Zweck schon 1878 verboten.

Vereinzelt immer noch Wasserrohre aus Blei

Wie viele Hausanschlussleitungen heute noch aus Blei bestehen, lässt sich leider nicht mit einem Mausklick ermitteln. Das Umweltbundesamt hat deshalb die Bundesländer und die kommunalen Wasserversorger befragt und die Zahlen 2023 veröffentlicht: Etwa 15.000 Leitungen aus Blei gab es zum Zeitpunkt der Umfrage 2021 noch. „Für alle Gebäude in Deutschland ist das ein Anteil von 0,8 Promille“, sagt Thomas Rapp, Fachgebietsleiter Trinkwasserverteilung am Umweltbundesamt, der die Untersuchung geleitet hat.

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Grenzwert für Blei im Trinkwasser mehrfach gesenkt worden. Seit 2013 beträgt er nur noch zehn Mikrogramm pro Liter. „Wir sind davon ausgegangen, dass dieser Wert nicht einzuhalten ist, wenn immer noch Bleileitungen verbaut sind“, erklärt Thomas Rapp.

Tatsächlich war es für die zuständigen Gesundheitsämter im Einzelfall aber schwierig, Überschreitungen nachzuweisen. Das ist nun kein Problem mehr: Wasserleitungen und Teilstücke aus Blei sind ab heute ausnahmslos verboten und müssen ausgetauscht werden. Zwei Jahre später wird der Grenzwert noch einmal gesenkt: Ab 2028 sind es nur noch fünf Mikrogramm pro Liter.

Blei-Installationen innerhalb von Gebäuden

Auch im Inneren von Häusern ist der Austausch verpflichtend. Das Umweltbundesamt hat Installationsbetriebe befragt, wie viele Leitungen dort noch aus Blei sind. Zwar haben bundesweit nur 136 davon geantwortet, doch von ihnen traf im Schnitt jeder Betrieb auf etwa neun Blei-Installationen pro Jahr. Die Behörde veranschlagt entsprechend: „Das wäre ein Anteil von 0,2 Prozent aller Gebäude in Deutschland – was eher hoch geschätzt sein könnte“, vermutet Rapp.

Zu denken geben jedoch Berichte der Installationsbetriebe, die feststellen, dass vor allem ältere Eigenheime betroffen seien: „Die Eigentümer lassen sich kaum zum Umbau bewegen“, berichtet einer. Sie scheuten die Kosten, die durchaus fünfstellig sein können, wenn die Leitungen unter Putz verlaufen und beispielsweise Fliesen neu verlegt werden müssen.

Allerdings haben auch Hauseigentümer jetzt nicht mehr die Wahl: Hat ein Gesundheitsamt Kenntnis von einer noch vorhandenen Bleileitung, muss es deren Austausch anordnen und kann ihn notfalls mit einem Zwangsgeld durchsetzen.

Auch Mieter können hier aktiv werden. Darauf weist die Stiftung Warentest hin: Wird in ihrem Trinkwasser der Grenzwert für Blei überschritten, können Mieter das Gesundheitsamt einschalten. Nur zugelassene Trinkwasseruntersuchungsstellen können dabei verbindliche Messungen vornehmen. Bei der Probennahme sind bestimmte Regeln einzuhalten. Zum Beispiel muss das Wasser vor der Analyse vier Stunden in der Leitung stehen.

Weitere Quellen von Blei im Trinkwasser

Dass das Schwermetall mit einem Verbot von Bleileitungen noch nicht aus der Welt ist, zeigt eine Untersuchung, die das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 2023/24 durchgeführt hat: Bei 1,4 Prozent der Trinkwasserproben aus Kindergärten und Schulen wurde der Grenzwert für Blei überschritten, obwohl Leitungen aus dem Schwermetall in Bayern schon seit fast 150 Jahren nicht mehr verlegt werden dürfen. Als Quelle vermutet die Behörde verzinkte Rohrleitungen aus Stahl, denn der vor Korrosion schützende Zinküberzug enthält Blei als Verunreinigung.

Auch Armaturen aus Messing, einer Kupferlegierung, können Blei enthalten und das Schwermetall ins Trinkwasser abgeben. Welche das nicht tun, darüber gibt eine „Positivliste“ des Umweltbundesamts Auskunft. „Diese Liste gilt auch verbindlich in Deutschland“, darauf weist Thomas Rapp hin. Armaturen, die diese Anforderungen nicht erfüllen, im Internet zu bestellen und selbst zu montieren, ist also für die eigene Gesundheit keine gute Idee. Abgesehen davon, dass es nicht erlaubt ist – so wenig wie jetzt auch Hausanschlüsse und Installationen aus Blei.