Stuttgart, mitunter gern als „Hauptstadt der Kehrwoche“ verspottet, hat an Glanz und Schönheit verloren. Immer häufiger beschweren sich Bürgerinnen und Bürger über illegal entsorgten Sperrmüll, überquellende Mülleimer und Graffiti-Schmierereien an Hausfassaden. Was früher als schwäbische Tugend galt, auf Sauberkeit zu achten, scheint im Alltag heutzutage zu verblassen. Nun will Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) gegen den Trend ankämpfen – trotz knapper Kassen und massivem Sparzwang.
„Die Sauberkeit unserer Stadt hat für viele Menschen eine enorme Bedeutung“, sagt Nopper, „deshalb dürfen wir dieses Thema auch in schwierigen Haushaltszeiten nicht vernachlässigen.“ Der OB will in Kürze eine Sauberkeitsoffensive starten. Der Maßnahmenkatalog liegt unserer Redaktion exklusiv vor. Die wohl markanteste Neuerung: Stuttgart bekommt Müll-Sheriffs.
Wie viel Stuttgart für die Sauberkeitsoffensive investiert
Für die Jahre 2026 und 2027 plant die Stadt jeweils Investitionen von 2,5 Millionen Euro, um Stuttgart sauberer und lebenswerter zu machen. Wird das Geld dafür plötzlich aus dem Hut gezaubert? Denn „die Manövrierfähigkeit“ ist angesichts des extrem Sparzwangs eingeschränkt, wie es der OB selbst formuliert. Aus dem Rathaus heißt es: Nein, die Finanzierung sei durch entsprechende Beschlüsse für den Doppelhaushalt gesichert.
Mobile Trupps für schnelle Einsätze
Ein zentraler Baustein des Programms sind mobile Reinigungstrupps beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS). Sie sollen kurzfristig dort eingesetzt werden können, wo die reguläre Straßenreinigung nicht ausreicht – etwa nach illegalen Müllablagerungen oder an besonders stark frequentierten Orten. Die Trupps ergänzen die reguläre Reinigung und sollen sichtbare Missstände schneller beseitigen.
Graffiti-Schmierereien nehmen in Stuttgart zu. Foto: Sebastian Steegmüller Hilfe gegen Graffiti – auch für Private
Teil der zusätzlichen Mittel sind jährlich 100.000 Euro, die über die kommunale Kriminalprävention bereitgestellt werden. Damit will die Stadt die Entfernung illegaler Graffitis an Privatgebäuden fördern und Präventionsmaßnahmen unterstützen. Besonders betroffen sind laut Rathaus Gebäude und Straßenzüge, deren Erscheinungsbild durch Schmierereien stark beeinträchtigt ist. „Eigentümer sollen bei den Kosten nicht allein gelassen werden“, heißt es im Rathaus.
Müll-Sheriffs nehmen Arbeit auf
In diesem Jahr soll eine spezielle Entsorgungsüberwachung bei der AWS starten. Die sogenannten Müll-Sheriffs sollen gemeinsam mit dem städtischen Vollzugsdienst gegen illegale Müllablagerungen und Verschmutzungen vorgehen – auch im Rahmen von Schwerpunktaktionen. Die Verursacher des illegal abgelagerten Mülls sollen ermittelt werden. Wer erwischt wird, muss mit Bußgeldern zwischen 100 und 1000 Euro rechnen.
Drei besondere Reinigungsaktionen
Zusätzlich plant die Stadt im Jahr 2026 drei besondere Aktionen. So soll die stark verschmutzte Klett-Passage in einer gemeinsamen Aktion von AWS, Tiefbauamt und SSB intensiv gereinigt werden. Außerdem hat sich der Reinigungsspezialist Alfred Kärcher bereit erklärt, im Rahmen seines Kultursponsorings ein historisches Objekt in Stuttgart fachgerecht zu säubern. Als mögliches Ziel nennt OB Nopper die mit Graffiti verunzierten Bahnmauern am Eingang nach Bad Cannstatt, die auf das römische Erbe des Stadtteils hinweisen. Schließlich soll ein im Graffiti-Umfeld anerkannter Künstler besonders betroffene Fassaden überstreichen – in Abstimmung mit den Eigentümern.
„Sauberkeit geht uns alle an“
Frank Nopper macht im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich, dass es sich um eine Daueraufgabe handelt. „100 Prozent Stadtsauberkeit werden wir wohl nie erreichen“, sagt er, „aber wir müssen mit vereinten Kräften so nah wie möglich an dieses Ziel herankommen.“ Die Verantwortung liege dabei nicht allein bei der Stadtverwaltung. Die Maßnahmen seien auch ein Appell an die Bürgerschaft. „Sauberkeit geht uns alle an“, betont der OB.