Düsseldorf – Fünf junge Leute in adrettem Businesslook und angesagten Pullis von Ralph Lauren und Fred Perry. Sie sehen aus wie angehende Juristen. Doch sie sitzen wegen versuchten Mordes und als Mitglieder der linksextremen Hammerbande auf der Anklagebank.

„Ihr seid nicht allein“, rufen Unterstützer, als Paula P. (22), Emilie D. (23), Nele A. (23), Clara W. (24), Luca S. (23) und Moritz S. (23) den Terrorbunker des Oberlandesgerichts Düsseldorf betreten. Sie winken, werfen Handküsse. Dabei gibt’s für gute Laune keinen Grund. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen versuchten Mord vor, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und gefährliche Körperverletzung vor.

Paula P., Luca S., Clara W., Nele A., Moritz S. und Emilie D. sollen als Mitglieder der linksextremen „Hammerbande“ vor Gericht

Fahndungsfotos zeigen die mutmaßlichen Mitglieder der Hammerband (v.l.n.r.): Paula P., Luca S., Clara W., Nele A., Moritz S. und Emilie D.

Foto: BUDAPEST RFK KRIMINAL SERVICES STATION , © Budapest Police, Polizei Ungarn, Magyar Rendőrség

Hammerbande auf Terrorliste der USA

Kurz nach Beginn wird der Prozess unterbrochen. Weil vier Angeklagte zur Tatzeit Heranwachsende waren, überlegt der Senat, die Öffentlichkeit auszuschließen. Er tut es trotz Bedenken, „weil die US-Regierung möglicherweise auch sie auf die Terrorliste gesetzt hat“ und nun alles über die Sechs erfahren würde, nicht.

Führte die Verhandlung: Der Vorsitzende Richter Lars Bachler

Der Vorsitzende Richter Lars Bachler

Foto: David Young

Laut Anklage waren die Linken an Überfällen auf mutmaßliche Rechtsextreme in Budapest im Februar 2023 beteiligt. Mit Hämmern und Schlagstöcken hätten sie „vom militanten Antifaschismus motiviert“ in sieben Fällen versucht, Menschen aus niedrigen Beweggründen heimtückisch zu töten. Ein Opfer erlitt einen Schädelbruch.

Eine Überwachungskamera filmt, wie Mitglieder der „Hammerbande“ im Februar 2023 in Budapest (Ungarn) einen mutmaßlichen Neonazi mit Schlagstöcken attackieren

Eine Überwachungskamera filmt, wie Mitglieder der „Hammerbande“ im Februar 2023 in Budapest einen mutmaßlichen Neonazi mit Schlagstöcken attackieren

Foto: privat

Angeklagte sollen Angriffe trainiert haben

Die Überfälle seien in sogenannten Szenario-Trainings geübt worden: In Überzahl hätten Vermummte mit Pfefferspray und Schlagwerkzeugen die Opfer für eine vorab festgelegte Dauer angegriffen. Die Angeklagten hätten zudem Wohnungen unter falschen Namen angemietet und als Rückzugsort genutzt. Aber auch Läden mit rechter Thor-Steinar-Kleidung hätten Gruppenmitglieder attackiert.

Emilie D. verbarg ihr Gesicht hinter einer Mappe mit der Aufschrift „Freiheit für Maja“. Die mutmaßliche Komplizin Maja T. steht derzeit in Budapest vor Gericht. Sie wurde trotz Untersagung des Bundesverfassungsgerichts nach Ungarn ausgeliefert

Die Parole, hinter der Emilie D. ihr Gesicht verbarg, bezog sich auf Maja T., die in Budapest als Hammerbanden-Mitglied vor Gericht steht

Foto: David Young

Die Verteidiger kritisierten die Anklage wegen Mordversuchs scharf. Denn weder die bislang mit dem Komplex befassten Gerichte in München und Dresden noch die ungarische Justiz hätten die Taten als Tötungsdelikte gewertet. Und bei tödlichen Neonazi-Überfällen zeige die Bundesanwaltschaft deutlich geringeren bis gar keinen Ermittlungseifer. Claras Vater Hermann W. zu BILD: „Für uns geht es um ein Verfahren wegen Körperverletzung und das war es. Dass … nicht vor einem Amtsgericht verhandelt wird, sondern vor dem Staatsschutzsenat …, zeigt die politische Komponente der Strafverfolgung.“

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Der Prozess soll mindestens ein Jahr dauern. Der mutmaßliche Boss der Hammerbande, Johann Guntermann (32), steht seit Ende November 2025 in Dresden vor dem Oberlandesgericht, zusammen mit fünf weiteren Männern und einer Frau.

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Quelle: Twitter, Youtube14.02.2023