Als Datenbasis für ihre Metastudie dienten den Forschenden 31 Studien, die zwischen 2018 und 2025 veröffentlicht wurden. Daran hatten Testpersonen im Alter von mindestens 15 Jahren teilgenommen, die mit dem Rauchen aufhören wollten, insgesamt rund 12.000 Teilnehmende. Das Ergebnis jeder Studie bewerteten die Forschenden auf einer einheitlichen Skala nach ihrem Grad an gesicherter Evidenz, von niedrig bis hoch.
Anhand der Daten bewertete das Team die getesteten Rauchfrei-Apps danach, wie effektiv sie Nutzende dazu brachten, mit dem Rauchen aufzuhören, und ob diese auch langfristig auf den Tabakkonsum verzichteten. Als „dauerhaft“ werteten Chu und Kollegen sechs Monate durchgehende Zigarettenabstinenz. Sie verglichen konkret, ob die Nutzer auf die Verhaltens-Apps zugriffen oder nicht und ob sie zusätzlich auch auf traditionelle Hilfsmittel wie eine Nikotinersatztherapie oder persönliche Beratung zurückgriffen.
Rauchstopp-Apps helfen beim Aufhören
Die Vergleichsanalysen ergaben: Menschen, die eine Rauchstopp-App nutzten, waren nach sechs Monaten 2,9-Mal häufiger dauerhaft rauchfrei als Menschen, die keine solche App zur Rauchentwöhnung nutzten. Die digitalen Helfer unterstützen demnach tatsächlich bei der Zigaretten-Entwöhnung.
Zwischen den einzelnen Rauchfrei-Apps zeigten sich kleinere Unterschiede: Programme auf Basis psychologischer Verhaltenstheorien, die zugleich Kognition, Emotion und Motivation angehen, förderten die Entwöhnung tendenziell etwas besser als Apps auf Basis klassischer Verhaltensinterventionen. Allerdings ging aus den Studien nicht eindeutig hervor, ob die Art der App wirklich einen merklichen Einfluss auf die Rauchstopp-Quote der Nutzer hat.
Apps helfen auch in Kombi mit anderen Hilfsmitteln
Der Studienvergleich enthüllte auch, wie gut Kombinations-Maßnahmen helfen. Manche Raucher nutzten neben einer App zusätzlich ein Nikotin-Ersatzprodukt, etwa Kaugummis oder Pflaster, oder erhielten eine persönliche Beratung. Bei diesen Personen steigerten die Apps die langfristige Erfolgsquote ebenfalls. Die Teilnehmenden hielten fast doppelt so oft bei der Rauchentwöhnung durch als Menschen, die nur auf Nikotinersatz oder Beratung zurückgriffen, aber keine App verwendeten.
Andere Raucher nutzten neben den Apps noch eine Pharmakotherapie. Das sind Medikamente, die Entzugserscheinungen lindern und das Verlangen dämpfen. Auch hier zeigten die Apps Wirkung: Die Studienteilnehmer waren nach sechs Monaten 1,8-Mal häufiger rauchfrei geblieben als Testpersonen, die nur die Medikamente erhielten, aber keine App nutzten.
Apps als Alternative oder Ergänzung
„Es besteht eine klare Dosis-Antwort-Beziehung zwischen der Intensität der Unterstützung und dem Erfolg beim Aufhören. Apps helfen, diesen Bedarf zu decken“, schließen die Forschenden aus diesen Befunden. „Smartphone-Apps können intensive, interaktive und Echtzeit-Verhaltensunterstützung bieten und damit die Wirkung eines zeitlich begrenzten Ratschlags übertreffen.“
Ein weiterer Vorteil der Apps: Sie benötigen kein Fachpersonal während der Benutzung und auch keine Klinikräume. Damit umgehen sie gängige Barrieren der persönlichen Entwöhnungsberatung. Smartphone-Apps seien daher eine gute Alternative oder Ergänzung zu solchen traditionellen Hilfsangeboten im Gesundheitssystem, so das Team.
Weitere Studien nötig
Das Team betont jedoch, dass die verglichenen Studien jeweils nur eine kleine Stichprobe an Probanden enthielten und nur bestimmte Apps getestet wurden. Ihre Ergebnisse hatten zudem meist nur eine geringe Evidenz. Daraus konkrete Rückschlüsse und Vergleiche zu ziehen, ist daher mit Unsicherheiten behaftet. Die Ergebnisse der Metastudie sollten eher „als Hypothese für zukünftige Forschung und nicht als endgültige Schlussfolgerung betrachtet werden“, so das Team um Chu.
Neue und groß angelegte klinische Langzeit-Studien müssten die Befunde nun zunächst bestätigen. Sollten sie sich bewahrheiten, könnte den Rauchstopp-Apps jedoch künftig eine Schlüsselrolle bei der Abkehr von der Zigarette zugutekommen, hoffen die Forschenden. (BMJ Evidence-Based Medicine, 2026; doi: 10.1136/bmjebm-2025-113971)
Quelle: BMJ Group
14. Januar 2026
– Claudia Krapp