Essen – Wochenlang schien es, als würden die brutalen Schläger, die Medizinstudent Paul S. (23) womöglich seinen Lebenstraum zerstörten, davonkommen. Doch jetzt nahm die Polizei vier Tatverdächtige fest.
Paul S. (23) wurde in der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember vor einem Kiosk im Essener Stadtteil Rüttenscheid von mehreren Männern angegriffen. Sie schlugen und traten auf den Medizinstudenten ein, sprangen mit voller Wucht auf sein Knie. Die Folge: siebenfache Fraktur, gerissene Bänder, Meniskusschaden. Paul wurde operiert, sein Knie wird von Schrauben und Platten zusammengehalten. Er braucht wahrscheinlich ein neues. Ob er jemals wieder normal laufen kann, ist ungewiss. Geschweige denn, in seinem Traumberuf als Chirurg stundenlang im OP stehen.

Vor diesem Kiosk auf der Rüttenscheider Straße in Essen wurde Paul S. schwer verletzt
Foto: Justin Brosch / ANC-NEWS
Nach dem Angriff fehlten lange konkrete Spuren. Die Polizei suchte erst verspätet öffentlich nach Zeugen. Denn eine Notärztin hatte die schweren Verletzungen zunächst offenbar als leicht eingeschätzt, weshalb am Tatort weder Zeugen vernommen noch Überwachungsvideos gesichert wurden.
Belohnung und Berichte führten zu Fahndungserfolg
Pauls Mutter hatte aus Verzweiflung 10.000 Euro Belohnung für Hinweise zu den Tätern ausgesetzt. Das sorgte für Aufsehen, auch BILD berichtete darüber. Das brachte schließlich die entscheidenden Hinweise.

Im Röntgenbild sieht man die verheerende Verletzung nach der Operation. Nägel, Schrauben und Platten halten den zertrümmerten Knochen zusammen
Foto: Privat
In der Nacht zum Samstag (10. Januar) ging gegen 0.15 Uhr ein Notruf bei der Polizei ein. Zwei Zeugen hatten in Rüttenscheid mehrere mutmaßliche Schläger wiedererkannt. Wenig später griffen die Beamten im Christinenpark zu: Drei Verdächtige versuchten zu fliehen und sich in einem Gebüsch zu verstecken. Vergebens. Es handelt sich um einen 17-Jährigen mit deutscher und irakischer Staatsangehörigkeit, einen 18-Jährigen mit deutscher und afghanischer sowie einen 19-Jährigen mit deutscher und syrischer Staatsangehörigkeit.
Ein Schläger ist als Intensivtäter bekannt
Einen vierten Verdächtigen identifizierten Beamte der Einsatzgruppe „Jugend“ auf Videoaufnahmen. Der 18-jährige Deutsche ist ihnen als Intensivtäter bekannt, wurde am Dienstagmittag gefasst.
Ob die von Pauls Familie ausgesetzte Belohnung wirklich an die Zeugen ausgezahlt wird, konnte die Polizei auf BILD-Anfrage nicht beantworten.