Frau Isendick-Malterre, wie geht es Ihnen mit dem Schnee in Royan? Es hat ja zum ersten Mal seit 25 Jahren geschneit am Atlantik.
Liliane Isendick Malterre: Schnee in Royan ist selten und etwas Besonderes. Anfang Januar fielen 30 Zentimeter Schnee, und das Leben im Ort kam zum Erliegen. Es wurde geraten, drinnen zu bleiben, und Schulen und Kitas blieben geschlossen. Da es in Royan keine Schneepflüge gibt, streuten die städtischen Arbeiter Sand und Salz auf die Hauptstraßen. Schneeschaufeln gab es in den Geschäften nicht, also blieb uns nichts anderes übrig, als abzuwarten. Die Kinder waren vom Schnee begeistert.
Wie kamen Sie vor 35 Jahren zum Partnerschaftskomitee?
1989 traten wir dem Städtepartnerschaftskomitee bei, nachdem wir eine Partnerschaft mit Gosport geschlossen hatten. Wir segelten und nahmen an einer Regatta um die Isle of Wight teil, die das Team aus Royan gewann. Die Atmosphäre war zauberhaft und festlich.
Erinnern Sie sich an Ihren ersten Besuch in Balingen? Wer war damals Bürgermeister?
Im darauffolgenden Jahr feierten wir das zehnjährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Balingen. Auf dem Platz gegenüber des Rathauses fand ein französischer Markt statt. Die Stimmung war herzlich und sehr freundlich. Wir boten Weinproben mit Pineau an, die ein großer Erfolg waren.
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Bürgermeister war Dr. Eugen Fleischmann, den wir nur ein Jahr lang kannten. Was uns überraschte, war, dass die Einwohner von Balingen sich wirklich Mühe gaben, Französisch zu sprechen – ganz anders als wir Gallier! Die Busfahrt war anstrengend und unbequem; wir fuhren um 20 Uhr los und kamen nach einer schlaflosen Nacht erst mittags in Balingen an. Seitdem haben wir keinen einzigen Austausch verpasst.
Bei welcher Gastfamilie waren Sie untergebracht?
Wir haben mehrmals die Gastfamilien gewechselt und wohnen seit etwa zwanzig Jahren bei Wolfgang und Roswitha Rehfuss, die uns zu echten Freunden geworden sind. Wir haben sogar schon einige Urlaube zusammen verbracht. Sie haben mit uns Barcelona und Bilbao erkundet, und wir haben mit ihnen Leipzig, Dresden und Südtirol bereist.
Werden Sie privat weiterhin teilnehmen?
Wir werden Balingen weiterhin besuchen, in unserem eigenen Tempo und auf eigene Faust. Die Region ist wunderschön, die Landschaften sind abwechslungsreich. Es ist eine Region der Schlösser, eines schöner als das andere. Unser nächstes Ziel ist Schloss Neuschwanstein, aber dafür braucht es Zeit.
Wenn Sie in die Zukunft schauen – wie geht es Ihrer Meinung nach mit der Jumelage weiter?
Ich verlasse das Städtepartnerschaftsprogramm mit einem Gefühl der inneren Ruhe und dem Gefühl, etwas erreicht zu haben. Um Philippe Baumon herum wird ein neues Team zusammengestellt, das mit dem Partnerschaftsprozess bestens vertraut ist, und ich kann bereits bestätigen, dass junge Menschen auch weiterhin eine treibende Kraft in diesem Bereich sein werden.
Welches ist eigentlich Ihr liebstes deutsches Gericht?
Kulinarisch gesehen war die Schwarzwälder Kirschtorte, die wir gegenüber dem Rathaus genossen haben, einfach unglaublich. Ebenso wie die Maultaschen im Hotel Thum. Etwa zehn Jahre lang nahm die Stadt Royan an der Messe teil und ich kam mit Gérard Filoche und Laurent Giraud nach Balingen: Unser Ziel war es, die Einheimischen für Austern zu begeistern. Viele probierten sie und waren begeistert, andere spuckten sie einfach aus.
Können Sie uns noch eine Anekdote erzählen?
Das Unglaublichste, was passierte: Eines Abends gingen wir im Hotel Hamann essen. Unser Auto stand direkt vor dem Eingang auf dem Parkplatz. Plötzlich stürmte ein Polizist herein und fragte: „Wem gehört der Wagen mit dem französischen Kennzeichen, der vor dem Eingang parkt?“ Dann sagte er uns in einem knappen Ton: „Ihnen ist gerade ein Auto hinten draufgefahren. Machen Sie einen Alkoholtest.“ Wir saßen ruhig da und fügten uns. Es war der Beginn unseres Essens, und wir hatten noch keinen Alkohol getrunken. Was wäre wohl passiert, wenn es das Ende des Essens gewesen wäre?