Dies ist eines der zentralen Ergebnisse des Forschungsprojekts „Long-Lasting Real Estate (LoLaRE): Anforderungen zukunftsfähiger Gebäude mit langen Lebensdauern“, das vom Institut für Baubetriebswesen unter Leitung von Professor Jens Otto an der Technischen Universität Dresden organisiert und vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des Innovationsprogramms Zukunft Bau gefördert wurde.

Das Land Baden-Württemberg fördert Bauprojekte

Der Ergebnisbericht hatte erstmals statistische Datensätze zu Abrissen von Hochbauten in Deutschland in der Zeit von 2007 bis 2021 untersucht, ebenso wie die Gründe für einen Abriss. Eine der Ursachen, weshalb noch vergleichsweise junge Gebäude – wie in Stuttgart das Büro- und Geschäftshaus in der Eberhardstraße etwa – abgerissen werden, ist, dass sie offenbar nicht so entworfen wurden, dass sie ohne extremen Aufwand umnutzbar sind.

Aktueller Abriss in Stuttgart – Eberhardstraße. Der Neubau? Wie zuvor ein Büro- und Geschäftshaus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Schutt entsteht beim Abriss wie beim Umbau – und nicht alles kann recycelt werden. Um immerhin möglichst viele Bauteile, die bei Rückbauten entstehen, weiter- und wieder zu verwenden, will auch die Politik im Land Baden-Württemberg Anreize schaffen. Derlei ökologisch sinnvolles Aufheben und Zwischenlagern wird vom CDU geführten Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Land Baden-Württemberg unterstützt – mit einer neuen Förderung.

„Jetzt wollen wir das Wieder- und Weiterverwenden von Bauteilen in die Breite tragen. Wir wollen zeigen, was möglich ist – und Mut machen zum Nachahmen und Weiterdenken“, teilt Ministerin Nicole Razavi mit. Insgesamt steht im Rahmen des Förderaufrufes „Modellprojekte Bauteilwiederverwendung“ eine halbe Million Euro zur Förderung konkreter Projekte zur Verfügung, bei denen Bauteile wieder- oder weiterverwendet werden.

Stuttgarter Beispiele für ressourcenschonendes Umbauen Wo das Stuttgarter Breuninger-Parkhaus stand, wird ein Mobilitäts-Hub errichtet. Das Untergeschoss bleibt erhalten, Teile werden weiterverwendet. Foto: LICHTGUT

Der Schwerpunkt liegt auf tragenden Teilen – etwa komplette Stahlträger, Holzbalken oder Betonbauteile. Die Projektskizzen müssen bis zum 31. März 2026 eingereicht werden. Angesprochen sind sowohl private als auch öffentliche Bauherren, gesucht werden Konzepte mit einem hohen Nachahmungseffekt, die von anderen Bauherren ebenfalls umgesetzt werden können.

In Stuttgart wird derlei an mehreren Stellen bereits praktiziert: Direkt gegenüber der Eberhardstraße, also da, wo das Breuninger-Parkhaus stand und nun ein Mobilitätshub entsteht – der Entwurf stammt vom Stuttgarter Architekturbüro haascookzemmrichSTUDIO2025 –, bleiben Teile des Baus erhalten. Und einige, die abgerissen wurden, werden zwischengelagert und kommen anderswo zum Einsatz. Wir haben darüber berichtet, hier können Sie den Text noch einmal nachlesen.

Auch bei der Großbaustelle Umbau Schlossgartenquartier nahe des Hauptbahnhofes werden einzelne Teile wieder verwertet, wie Architekt Martin Haas berichtete (hier können Sie den Text nachlesen), dessen Büro haascookzemmrichSTUDIO2025 in der Königstraße 1 a/b mit einem Umbauprojekt vertreten ist.

Info

Förderung
Die Maßnahmen müssen nach ihrer Anzahl und Menge eine spürbare Relevanz im Bauprojekt besitzen. Außerdem sollen, soweit möglich, bereits vorhandene Leitfäden, DIN SPECs etc. zur Anwendung kommen. Private und öffentliche Bauherrschaften können ihre Projektskizzen in zwei Runden einreichen. Die Frist für die erste Runde endet am 31. März 2026. Die eingereichten Projektskizzen werden dann geprüft, das Ministerium lädt die Vorhabenträger ausgewählter Projekte zur Abgabe eines Förderantrags ein. Parallel läuft die zweite Einreichungsrunde für weitere Projektskizzen. Deren Frist endet am 30. Juni 2026. Weitere Einzelheiten können dem Förderaufruf entnommen werden (erreichbar unter folgendem Link).

Leitfaden
Die Wiederverwendung von Bauteilen spart Ressourcen und trägt zur CO2-Reduktion beim Bauen bei. Für eine breitere Umsetzung in der Praxis fehlen aber noch normierte technische Grundlagen. Um hier Abhilfe zu schaffen, hatte das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen in Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein Forschungsvorhaben zur Wiederverwendung tragender Holz- und Stahlbauteile initiiert. Daraus ist ein bundesweit beachteter Leitfaden entstanden. Der „Leitfaden zur Wiederverwendung tragender Bauteile – Stahl- und Holzbau“ übersetzt die Forschungsergebnisse in die Baupraxis und macht sie direkt anwendbar. Er ist auf der Website des Ministeriums unter diesem Link als Print-Exemplar oder PDF erhältlich.

Wieder- und Weiterverwendung
„Wiederverwendung“ meint die erneute Nutzung gebrauchter Bauteile für denselben Verwendungszweck wie zuvor. Unter „Weiterverwendung“ ist die erneute Nutzung für einen anderen Verwendungszweck zu verstehen.