Wenn Alfred Gíslason in diesen Tagen einen Blick auf den Spielplan der EM 2026 wirft, könnte er kurz überlegen, ob er versehentlich den falschen Sprachkurs gebucht hat. Spanien, Spanien, Spanien – zumindest auf den Trainerbänken. Denn in der Vorrunde von Herning bekommt es die deutsche Handball-Nationalmannschaft zwar mit Österreich, Serbien und zum Abschluss mit Spanien zu tun. Die eigentliche Konstante aber steht daneben: Alle drei Gegner werden von spanischen Cheftrainern geführt.

Dreimal Vorrunde, dreimal 20.30 Uhr – und dreimal Spanien in Anzug und Sportschuhen. Zum Auftakt der Handball-EM trifft das DHB-Team am 15. Januar (20.30 Uhr, ARD & Dyn live) auf Österreich – und damit auf Iker Romero (45). Der Weltmeister von 2005, Rückraum-Linke mit Sieger-Gen, steht seit 2025 an der Seitenlinie der Ösis. Gespielt hat der Baske in León, Ciudad Real und beim FC Barcelona, später auch in der Bundesliga in Berlin.

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„Ich habe große Sympathien für die Basken“, sagt Gíslason, der selbst im Baskenland spielte und dessen Tochter in San Sebastián geboren wurde. „Es ist schön, mit Iker Romero einen Basken auf der Trainerposition zu sehen. Ich freue mich, ihn zu sehen.“

Zwei Tage später wartet Serbien (20.30 Uhr, ARD & Dyn live) – gecoacht von Raúl González (55). Den früheren Rückraum-Mitte-Spieler (Olympia-Bronze 1996, EM-Silber 1996 und 1998) kennt Gíslason seit Jahrzehnten.

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„Unser erster Kontakt war, als ich noch bei Bidasoa Irun gespielt habe. Raúl war damals ein junger Spieler in Valladolid“, erinnert sich der DHB-Trainer. González wechselte später zu Ciudad Real, wurde erst Co-Trainer von Talant Dujshebaev, dann dessen Nachfolger – und startete eine außergewöhnliche Trainer-Karriere mit Erfolgen bei Vardar Skopje und sieben Jahren bei Paris Saint-Germain. „Raúl hat in jungen Jahren eine außergewöhnliche Trainer-Karriere hingelegt“, sagt Gíslason, der ihm oft an der Seitenlinie gegenüberstand – unter anderem in der Champions League.

Zum Abschluss der Vorrunde kommt es im EM-Spielplan am 19. Januar (20.30 Uhr, ZDF & Dyn live) zum Gruppenfinale: dem Duell mit Spanien – und Jordi Ribera. Der 62-Jährige prägt La Roja seit 2016, führte sie u. a. zu EM-Gold 2018 und 2020 sowie zu Bronze bei WM und Olympia 2021. „Jordi ist lange Trainer bei den Spaniern, hat eine überragende Arbeit geleistet und den Umbruch mit der neuen Generation sehr gut hinbekommen“, sagt Gíslason. „Jordi macht einen Riesen-Job. Ich habe ihn sehr oft als Kollegen und Gegner auf der anderen Seite erlebt.“

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So wird die Vorrunde in Herning zu einer kleinen spanischen Trainer-Parade: erst Iker, dann Raúl, dann Jordi. Drei unterschiedliche Gegner, drei große Namen – und doch immer wieder dieselbe Handschrift, die den internationalen Handball seit Jahren prägt.

„Ich schätze alle sehr – als Trainer, aber vor allem als Menschen“, betont Gislason. „Alle drei sind nette und sympathische Charaktere.“

Spanisch kommt ihm das also nicht nur vor. Er kennt diese Schule, diese Mentalität – und weiß genau, was auf seine Mannschaft zukommt.