In Sachsen, Berlin und Brandenburg fehlt Blut. Darum ist die Lage gerade besonders ernst.

Chemnitz.

Blut lässt sich nicht künstlich herstellen. Krankenhäuser sind deshalb jeden Tag auf Blutpräparate angewiesen, die aus den Blutspenden gewonnen werden – für Unfallopfer, bei Operationen, für Menschen mit schweren Erkrankungen oder regelmäßigem Transfusionsbedarf aufgrund chronischer Krankheiten. Blutpräparate sind nur begrenzt haltbar, teilweise nur wenige Tage. Das bedeutet: Für eine lückenlose Blutversorgung muss kontinuierlich Blut gespendet werden. Täglich werden in Deutschland an jedem Werktag rund 15.000 Blutspenden gebraucht, um alle Patienten versorgen zu können. Doch die Vorräte gehen zurück, reichen laut Deutschem Roten Kreuz (DRK) nur noch für eine kurze Zeit.

Rotes Kreuz: Die Lage ist ernst

Das Winterwetter, Feiertage, die Urlaubs- und die Infektionswelle haben zu einem erheblichen Einbruch auch bei den Blutspenden in Sachsen sowie in Berlin und Brandenburg geführt. „Die aktuelle Versorgungslage mit Blutpräparaten ist angespannt und droht sich weiter zu verschärfen“, sagt Kerstin Schweiger vom DRK-Blutspendedienst Nord-Ost. „Die Lage ist ernst“. Der Grund: In den vergangenen zwei Wochen mussten einige Blutspendetermine aufgrund von Schnee und Eis kurzfristig abgesagt werden – oder sie waren aus dem gleichen Grund deutlich schlechter besucht als üblich. Hinzu kommt eine starke Grippe- und Erkältungswelle. Menschen, die krank sind, dürfen nicht Blut spenden – und wer Antibiotika genommen hat, muss ohnehin vier Wochen aussetzen.

Bestände reichen nur noch für ein bis zwei Tage

„Bereits zu Jahresbeginn war das Spendenaufkommen deutlich zu niedrig, unter anderem durch Feiertage und reduzierte Terminangebote“, sagt Kerstin Schweiger. „Die Folgen sind spürbar: Die Vorräte gehen zurück, die Lagerreichweiten schrumpfen und liegen aktuell bei nur noch etwa ein bis zwei Tagen.“ Bei der Blutgruppe Null Rhesus positiv und Null Rhesus negativ seien die Bestände derzeit am niedrigsten. „Blutspenden lassen sich nicht aufschieben. Was heute nicht gespendet wird, fehlt morgen in den Kliniken.“

Leipziger Blutbank-Direktor: Müssen uns mit eigener Kraft aus dieser Krisensituation ziehen

Das Rote Kreuz und die Blutbank am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) appellieren daher an alle gesunden Menschen, jetzt Blut zu spenden. „Nun ist ein perfekter Zeitpunkt für Erstspender, sich an der lebensrettenden und solidarischen Aktion zu beteiligen“, sagt Kerstin Schweiger. Besonders fehlt es derzeit laut UKL an Blutkonserven der Blutgruppe 0 Rhesus positiv. „Normalerweise unterstützen sich die Spendedienste deutschlandweit gegenseitig bei Engpässen. Das ist aktuell aber nicht möglich, weil es überall fehlt“, sagt Reinhard Henschler, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin am UKL. „Wir müssen uns daher mit eigener Kraft aus dieser Krisensituation ziehen.“

Wer darf Blut spenden?

Blut spenden dürfen alle gesunden Menschen, die mindestens 18 Jahre alte sind. Männer dürfen bis zu sechs Mal innerhalb eines Jahres, Frauen bis zu vier Mal innerhalb von zwölf Monaten. Zwischen zwei Spenden müssen mindestens acht Wochen liegen. Am Spendentermin wird bei einer ärztlichen Voruntersuchung die Eignung zur Blutspende jeweils tagesaktuell geprüft. Wer spenden will, kann sich seinen Wunschtermin online reservieren. Am Tag der Spende sollte er reichlich trinken, rät das DRK. Alkohol ist aber tabu. Vor Ort muss er sich dann anmelden, seinen Personalausweis vorlegen und einen medizinischen Fragebogen ausfüllen. Nach einem kurzen ärztlichen Gespräch und einer kleinen Laborkontrolle werden ihm rund 500 Milliliter Blut abgenommen. Das dauert nur 8 bis 12 Minuten. Anschließend ist eine Ruhepause obligatorisch – und es gibt einen kleinen Imbiss.

Alle DRK-Blutspende-Termine in Sachsen sind zu finden unter www.blutspende-nordost.de/blutspendetermine/ oder über die kostenfreie Telefon-Hotline 0800 11 949 11 zu erfragen. (juerg)