Das von der russischen Staatsagentur TASS zur Verfügung gestellte Foto zeigt den atomgetriebene Eisbrecher "50 Let Pobedy" bei einer arktischen Expedition.

Stand: 14.01.2026 09:23 Uhr

Russland dringe in die Arktis vor, Russland wolle Grönland übernehmen: So begründet Trump seinen Anspruch auf die autonome dänische Insel. Wie also sieht Russlands Präsenz in der Region aus – und welche Ziele verfolgt Moskau?

Von Jürgen Buch, ARD Moskau, zzt. Berlin

Schon 2020 hat Russland seine Strategie für die Entwicklung der Arktis bis zum Jahr 2035 vorgestellt. Es geht darum, die Rolle Russlands in der Arktis wirtschafts- und sicherheitspolitisch neu zu bestimmen.

Russland hat in den vergangenen Jahren mehr als 50 alte Militärbasen aus der sowjetischen Zeit an der Küste der Arktis wieder in Betrieb genommen oder modernisiert, unter anderem den Stützpunkt auf Franz-Josef-Land nahe dem Nordpol und auf der Insel Novaja Zemlja. Im arktischen Bereich werden unter anderem Radarstationen und Flugabwehrsysteme unterhalten.

Außerdem hat Russland auf verschiedenen Militärflughäfen im Hohen Norden strategische Bomber stationiert. Hinzu kommen Stützpunkte für Raketen, deren Wirkung Russland in Tests demonstriert. 2021 feuerte die Marine von einer Fregatte aus eine Hyperschallrakete ins Polarmeer.

Verteidigung der Seewege und der Gasförderung

Die Nordflotte ist 2021 zu einem eigenen Militärdistrikt aufgewertet worden. Sie soll die Seewege Richtung Atlantik und Pazifik sichern. Zur russischen Nordflotte gehören auch U-Boote, die mit Atomraketen bestückt sind.

Diese U-Boote machen den größten Teil der russischen nuklearen Zweitschlagsfähigkeit aus. Mit diesen seegestützten Raketen könnte Russland also immer noch reagieren, wenn es mit Atomraketen angegriffen würde. Die U-Boote genießen deshalb absolute Priorität.

Die Nordflotte und die Militärstützpunkte sollen die arktische Küstenlinie sichern, die gut 24.000 Kilometer lang ist. Das ist wichtig für Russland, weil in der arktischen Region etwa 90 Prozent der russischen Gasförderung stattfindet, außerdem 60 Prozent der Ölförderung.

Weiterhin entwickelt Russland auch Pläne, die mutmaßlich riesigen Vorkommen an verschiedenen Bodenschätzen am Grund der Arktis zu fördern.

Die „Admiral Gorshkov“ (hier vor Kuba) gehört zu den leistungsfähigen Fregatten der russischen Marine – auch sie gehört zur Nordflotte.

Weltgrößte Eisbrecher-Flotte

Und das Nordpolarmeer wird auch als Seeweg immer interessanter, weil die eisfreie Zeit durch den Klimawandel immer länger wird. Die Nördliche Seeroute, der Schifffahrtsweg an der nordrussischen Küste entlang, wird als Handelsweg zwischen Fernost und Europa rund ums Jahr attraktiver.

Russland sieht darin einen Hebel für wirtschaftlichen und geopolitischen Einfluss. Die weltgrößte Eisbrecher-Flotte mit mehr als 30 Schiffen soll diese Route befahrbar halten.

Anspruch und Probleme

Der russische Präsident Wladimir Putin unterstrich in einer Rede im Sommer 2025, dass Russland die führende Rolle in der Arktis beansprucht.

Allerdings hat Russland mit vielen Problemen zu kämpfen: Für die Nördliche Seeroute fehlen bisher Häfen und sonstige Versorgungs-Infrastruktur. Das Militär hat nicht genug Personal, weil es durch den Krieg gegen die Ukraine gebunden ist.

Und Bodenschätze kann Russland nur schwer erschließen, weil ihm, auch wegen der westlichen Sanktionen, zum Teil die nötige Technik fehlt.