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Frankreich plant, seine Atomkraftwerke deutlich länger zu betreiben. Das hat Folgen für den Strommarkt – auch für Deutschland und die Stromversorgung.

Frankfurt – Die Atomkraftwerke in Frankreich sollen deutlich länger laufen als ursprünglich geplant. Die Regierung in Paris treibt eine großangelegte Modernisierung des bestehenden Reaktorparks voran, die Investitionen in Höhe von rund 100 Milliarden Euro erfordert. Ziel ist es, die Meiler zunächst auf 50 und perspektivisch auf mindestens 60 Jahre Betriebsdauer zu bringen. Bereits 20 Reaktoren haben von der Aufsichtsbehörde die Genehmigung für zehn zusätzliche Jahre erhalten, die ersten Prüfungen laufen schon.

Frankreichs Atommeiler: alternde Anlagen, teure Erneuerung

Die meisten französischen Reaktoren stammen aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Um sie weiter sicher betreiben zu können, müssen zentrale Komponenten wie Dampfgeneratoren, Pumpen oder Rohrleitungen ersetzt werden. Alle zehn Jahre durchlaufen die Anlagen umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen, bei denen auch die Standards nach Fukushima berücksichtigt werden.

Besonders kritisch ist der Zustand der Reaktordruckbehälter, die laut Handelsblatt durch jahrelange Neutronenbelastung altern. Ob alle Meiler tatsächlich für lange Laufzeiten geeignet sind, wird derzeit noch geprüft.

Verlängerung der AKW-Laufzeit: wirtschaftlich günstiger als Neubauten

Finanziell betrachtet ist die Verlängerung der alten Reaktoren äußerst attraktiv. Dem Bericht zufolge kosten Betrieb und Modernisierung der bestehenden Reaktoren im Schnitt rund 60 Euro pro Megawattstunde Strom. Der Bau neuer Anlagen liegt mit geschätzten 110 bis 120 Euro pro Megawattstunde fast doppelt so hoch.

Am ehemaligen Atomkraftwerk in Biblis (Kreis Bergstraße) ist am Donnerstag (11. Dezember) der dritte Kühlturm gesprengt worden. Binnen Sekunden stürzt der Steinkoloss in sich zusammen. Um 14.07 Uhr brach das Bauwerk in sich zusammen. Ein Teil des Kühlturms steht noch und ragt wie ein riesiger Zahn in den Himmel. Frankreich investiert Milliarden in Kernenergie. (Symbolbild) © 5Vision.NewsWarum das französische Energiesystem stabil bleibt

Rund zwei Drittel des französischen Stroms stammen laut The Energy House aus Kernenergie. Zudem verfügt Frankreich über eine vergleichsweise große Kapazität an Wasserspeichern. Diese Kombination sorgt dafür, dass das französische Energiesystem, insbesondere das Stromnetz, bisher nur wenig unter Druck steht. Im Gegensatz dazu ist Deutschland im Zuge der Energiewende stark auf schwankende erneuerbare Energien angewiesen.

Präsident Emmanuel Macron setzt weiterhin auf die Kernenergie, plant jedoch, sie künftig stärker mit Wind- und Solarenergie zu kombinieren, um bis 2050 klimaneutral zu werden. Die öffentliche Zustimmung dazu ist relativ hoch: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung befürwortet längere Laufzeiten der Reaktoren.

Deutschland profitiert von günstiger Energie

Die Laufzeitverlängerung der französischen Atomkraftwerke wirkt weit über die Landesgrenzen hinaus. Über den europäischen Strommarkt fließt der kostengünstige Nuklearstrom nach Deutschland. Da er nahezu keine CO₂-Emissionen verursacht, hilft er, die Klimabilanz zu verbessern, während gleichzeitig die Strompreise stabil bleiben. Besonders in Zeiten schwacher Wind- oder Solarproduktion liefert der französische Grundlaststrom eine verlässliche Versorgung und verhindert Engpässe im Netz.

Der Vorteil ist wechselseitig: Deutsche Stromüberschüsse können französische Reaktoren entlasten und so erneuerbaren Strom effizient ins Netz einspeisen. Das stabilisiert das europäische Stromsystem und sorgt damit für gleichmäßigere Preise in Deutschland. (Quellen: Handelsblatt, The Energy House)