Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des privaten Center Automotive Research (CAR), sieht keinen Hinweis darauf, dass chinesische Hersteller ihre Fahrzeuge in Europa zu Dumpingpreisen verkaufen. Im Gegenteil: Die Modelle würden hier mehr als doppelt so teuer angeboten wie auf dem chinesischen Heimatmarkt. Nach Angaben des CAR liegt der durchschnittliche Preisaufschlag chinesischer Modelle in Europa bei rund 118 Prozent gegenüber dem Heimatmarkt. Die analysierten 13 Modelle kosten demnach in China durchschnittlich 14.936 Euro netto, während in Europa ein Preis von 32.573 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer verlangt wird. Dudenhöffer schließt daraus: „Beim aktuellen Preisniveau in Europa dürfte es für die chinesischen Hersteller noch deutliche Spielräume für Preissenkungen geben.“

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Marken wie BYD, MG oder Great Wall setzten laut ihm vor allem auf technologische Alleinstellungsmerkmale, etwa durch hohe Reichweiten oder kompakte Fahrzeuge für den Stadtverkehr. Ein Preiskampf sei dagegen nicht geplant: „Hohe Werbe- und Vertriebskosten erlauben bei den kleinen Verkaufszahlen derzeit keinen Preiskrieg.“

Deutlich optimistischer bewertet der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) die neue EU-Leitlinie. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn betont, dass klare Regeln zu Mindestpreisen die bestehenden Zölle ablösen und damit mehr Planungssicherheit für den Handel schaffen könnten. Für viele Autohäuser seien chinesische Marken längst ein fester Bestandteil des Geschäfts. Die bisherigen Zölle hätten jedoch auch europäische Modelle betroffen, was Unsicherheiten bei Preisgestaltung und Kundenberatung verursacht habe. Mindestpreise könnten hier zu mehr Stabilität führen – ohne den Wettbewerb gänzlich auszubremsen.