Dick eingemummelt, nur noch die Augen sind zu sehen. So beschreibt eine Stavenhagenerin ihre Postbotin, die jeden Tag in ihrer Straße unterwegs ist, Briefe in die Kästen wirft oder Päckchen an der Tür abgibt. „Ganz verfroren sieht sie immer aus“, sagt die 49-Jährige, die lieber nicht ihren Namen veröffentlicht sehen möchte. Aber loswerden möchte sie, was sie dieser Tage so aufgebracht hat. „Und da steh ich nicht allein da“, erzählt sie. „Andere finden es auch eine Zumutung. Ich kann das jedenfalls nicht mehr mit ansehen.“
Tour mit Heizung nicht zu schaffen
Bei Wind und Wetter, auch Minusgraden, unterwegs zu sein, das meint die Reuterstädterin nicht. Das sei nun mal der Job eines Zustellers. Aber wenn sie höre, dass die Postmitarbeiter in ihren gelben Autos im Winter keine Heizung anstellen dürfen, weil sonst der elektrobetriebene Kleintransporter bockt und sie ihre Tour nicht schaffen, dann finde sie das nicht in Ordnung. Es sei ein Unding, dass die Mitarbeiter frieren müssen. „Ich wollte der Postbotin schon einen heißen Tee machen“, schildert die Stavenhagenerin, wie leid ihr diese tat. Doch den habe sie aus Zeitgründen abgelehnt.
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Hinter vorgehaltener Hand bestätigen Postmitarbeiter, dass die Heizung in den E-Autos ausbleibt. Aus Angst um ihren Job würden sie sich nicht weiter öffentlich dazu äußern wollen.
Dass im Winter Elektroautos Probleme bekommen können, das sei nichts Ungewöhnliches, sagt Post-Sprecher Jens-Uwe Hogarth. Bei niedrigen Temperaturen haben die Fahrzeuge einen erhöhten Energiebedarf, der Akku hält nicht so lange durch, die Reichweite sinkt, die Kapazität ist eingeschränkt. Die Stützpunkte der Post seien mittlerweile überwiegend mit E-Autos ausgestattet, so Hogarth. Die sogenannten Streetscooter haben eine Reichweite von etwa 100 Kilometern. Im Winter sei diese kürzer.
Ländliche Tour kann bis 60 Kilometer lang sein
Eine Anweisung gebe es aber nicht, dass die Postzusteller die Heizung in den Fahrzeugen nicht einschalten dürfen, stellte Hogarth auf Nordkurier-Nachfrage klar. Die Mitarbeiter würden selbst abschätzen, ob sie heizen können. Eine ländliche Tour könne schon mal bis zu 60 Kilometer lang sein, da würde jeder selbst darauf achten, wie lange die Energie der Batterie im Streetscooter noch reicht, um nach Hause zu kommen. „Aus eigenem Interesse.“ Die kastenförmigen Autos würden hauptsächlich über Nacht an den Ladesäulen am Stützpunkt „aufgetankt“ und auch aufgeheizt, sodass sie für die Zusteller zum Tourstart am Morgen warm sind, so Hogarth.
Unterwegs mache es nur wenig Sinn, die Heizung anzumachen. Die meiste Zeit würden Zusteller die Tür des Autos öffnen und schließen sowie aus- und einsteigen. Dabei wäre ein Aufheizen kaum möglich. Bei Verbrenner-Fahrzeugen wäre das auch nicht anders.