
Der dänische Außenminister Rasmussen reist mit seiner grönländischen Amtskollegin Motzfeldt nach Washington. Sie wollen deutlich machen: Grönland steht nicht zum Verkauf. Werden sie gehört?
Ein Statement setzen: Das wollen gerade sowohl die Politiker als auch viele Einwohner von Grönland. Im Klamottengeschäft von David Røgilds in der Hauptstadt Nuuk ist deshalb viel los. Denn hier gibt es ein modisches Statement zum Grönland-Streit zu kaufen: Im Schaufenster hängt ein schlichter schwarzer Pulli. Darauf steht in weißer Schrift ein Satz: „Grönland steht nicht zum Verkauf.“
Seit mehr als einer Woche stehen die rund 56.000 Grönländer im Fokus der Welt, nachdem US-Präsident Donald Trump gefordert hatte, Grönland müsse zu den USA gehören – notfalls durch einen Militäreinsatz. Vor allem wegen der strategisch wichtigen Lage in der Arktisregion, für die sich auch Russland und China interessieren.
US-Bürger werden – für David Røgilds ist das eine schlimme Vorstellung: „In den USA werden Menschen auf der Straße gestoppt und erschossen oder Kinder sterben bei Amokläufen an Schulen.“ Die allermeisten Grönländer wollten nicht zu den USA gehören, erzählt er, sondern „einfach nur Grönländer“ sein.
Frederiksen: „Man kann ein anderes Volk nicht kaufen“
Die größte Insel der Welt war früher eine dänische Kolonie und gehört inzwischen als weitgehend selbstverwaltete Region zum dänischen Königreich. Deshalb herrscht auch bei der Regierung in Kopenhagen Alarmstimmung.
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat, kurz bevor ihr Außenminister zum Treffen in Washington aufgebrochen ist, betont, dass es um mehr gehe als nur eine Insel: „Es geht darum, dass man keine Grenzen mit Gewalt verändern darf. Dass man ein anderes Volk nicht kaufen kann. Und dass kleine Länder sich nicht vor großen fürchten müssen.“
Die Dänen sind gespannt, was sie beim Treffen der Außenminister von Dänemark und Grönland mit ihrem US-Amtskollegen und dem Vize-Präsidenten JD Vance am Nachmittag erwartet. Alles scheint möglich, von einer ersten vorsichtigen Annäherung beider Seiten bis hin zu einer öffentlichen Schlammschlacht vor Kameras.
Grönland und Dänemark geschlossen gegen USA
Nur eines ist klar: Im Konflikt mit den USA treten die Regierungen von Dänemark und Grönland demonstrativ geschlossen auf. Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen betonte am Tag vor dem Treffen in Washington, dass die Zukunft seines Volkes nicht in den USA liege.
Wenn wir uns hier und jetzt entscheiden müssen: Dann wählen wir Dänemark, das dänische Königreich, die NATO und die EU.
Jens-Frederik Nielsen, Regierungschef Grönlands
Und das, obwohl das Verhältnis von Dänen und Grönländern ansonsten angespannt ist, vor allem durch das Erbe der kolonialen Vergangenheit.
Trumps Interesse an Grönland „absurd“
Sofie Amondsen ist Nachfahrin von grönländischen Ureinwohnern. Die junge Frau stellt traditionellen Inuit-Schmuck her und gehört zu denjenigen auf der Insel, die Grönland gerne losgelöst von Dänemark sehen würden, als komplett selbstständiges Land. Insofern kann sie dem aktuellen Konflikt sogar etwas Positives abgewinnen: „Seitdem es dieses Interesse von außen gibt, nehmen uns die Dänen ernster.“
Die Absicht von Donald Trump die Insel zu übernehmen, vielleicht sogar den Dänen abzukaufen, hält sie für absurd. Und hat auch einen Rat für den US-Präsidenten: „Wir Grönländer sind viel in der Natur unterwegs, haben dadurch einen klaren Kopf. Vielleicht sollte Trump das auch mal versuchen.“

