Es ist einer von vielen ungelösten Kriminalfällen: November 1988. Waldarbeiter entdecken in einem Erdloch im Spandauer Forst in Berlin einen Jutesack. Darin die verweste Leiche einer Frau. Bis heute ist ihre Identität ungeklärt. Auch nach fast 40 Jahren konnte der Fall nicht gelöst werden. Doch es gibt eine neue Spur, die mit dem oben gezeigten Frauenfoto zu tun hat.

Die Ermittler stellten nach dem Fund der Frauenleiche schnell fest: Die Frau ist Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Ihr Körper war beim Fund bereits zum Teil skelettiert. Um ihren Hals hatte sie zwei kurze, verknotete Kunststofftaue (Seile). Diese kommen üblicherweise im Wassersport zum Einsatz, schreibt das Bundeskriminalamt (BKA) zu dem Fall. An der Leiche gefunden worden waren ein einfaches gelbes Tauende und ein weiteres aus hochwertigem Material.
Frauenleiche Berlin: Schmuckstücke und Papierfragment geben Rätsel auf
Ihr Alter wird auf circa 24 bis 31 Jahre (im Jahr 1987) geschätzt. Die Schuhgröße lag zwischen 36 und 38, ihre Körpergröße zwischen 162 und 165 Zentimetern. Das Haar des Opfers soll fünf bis sieben Zentimeter lang und naturblond gewesen sein.

Bei der Frauenleiche wurde ein abgerissenes Stück Papier mit dem Stempelaufdruck des Gesundheitsamts des Bezirksamts Schöneberg, genauer: der Beratungsstelle für Geschlechtskrankheiten, aufgefunden. Und es wurden weitere Gegenstände entdeckt, die das Bundeskriminalamt im Internet veröffentlicht hat. Dazu gehören unter anderem zwei auffällige Ohrringe. Einer davon in Blattform mit glänzender lila-türkisfarbener Beschichtung, am linken Ohr einen gitterartigen, rechteckigen Ohrring mit dunkelblauer Beschichtung. Zudem trug sie eine Armbanduhr mit Gravur der Marke Juta.
Frauenleiche aus Spandauer Forst: Bisher keine heiße Spur
Bekleidet war die Unbekannte unter anderem in einer braun-beigefarbenen Herrenjacke mit Stehkragen, einer blauen Jeanshose der US-Größe 28 und einem grauen, dickeren T-Shirt. Um ihren Hals befand sich ein schwarzbraunes Lederhalsband mit Schnalle, um ihr rechtes Handgelenk zwei Haargummis in Rot und Schwarz.

Das Landeskriminalamt Berlin veröffentlichte diese Gesichtsrekonstruktion der im Spandauer Forst entdeckten Frauenleiche. Ihr verwester Körper wurde 1988 im Spandauer Forst in Berlin entdeckt. Bis heute ist die Identität der Frau ungeklärt.
© Landeskriminalamt Berlin | Landeskriminalamt Berlin
Bislang hatten diese Hinweise allerdings noch nicht zu einer heißen Spur geführt. Sowohl die Identität des Opfers, als auch die des Täters oder der Täterin sind noch immer ungeklärt. Nachdem die Frauenleiche entdeckt worden war, ließ das BKA eine Gesichtsrekonstruktion anfertigen. Aus Kunststoff wurde so ein Gesicht mit Augen, Lippen und Konturen geformt. Es entstand eine Idee davon, wie die Frau zu Lebzeiten ausgesehen haben könnte.
Polizei veröffentlicht neues Foto der Unbekannten und bittet um Hinweise
Diese Rekonstruktion des Gesichts führte die Ermittler nun zu einer möglicherweise neuen Spur: Polizei und Staatsanwaltschaft Berlin haben am Mittwoch (14. Januar) ein Frauenfoto veröffentlicht. Es entstand wahrscheinlich Mitte der 1980er-Jahre. Die Eckdaten sind ähnlich, wie jene zur im Spandauer Forst entdeckten Frauenleiche: circa 24 bis 32 Jahre alt (Stand 1987/1988), circa 165 bis 168 Zentimeter groß, schlanke Statur, kurze rotbräunliche Haare. Die Ermittler geben noch mehr Informationen: Die Frau auf dem Foto soll eine Westberlinerin gewesen sein, die in der Musikszene West- und Ostberlins unterwegs gewesen war. Welchen Verdacht die Polizei genau mit diesem Foto verfolgt, ist nicht bekannt.

Die Polizei fragt nun die Bevölkerung: Wer kennt die Frau auf dem Foto? Wo hielt sich diese Frau Mitte der 80er-Jahre auf? Wer kennt Kontaktpersonen der Frau, zum Beispiel Verwandte, Bekannte oder Kolleginnen und Kollegen? Wer kann etwas über ihren möglichen aktuellen Aufenthalt mitteilen? Auf der Internetseite des BKA können auch Hinweise zur Aufklärung des Falls hinterlassen werden. Tipps werden mit bis zu 2500 Euro belohnt.
Der Fall wurde am 13. September 2023 in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ vorgestellt. Hier können Sie diese anschauen.
Hinweise nimmt die 4. Mordkommission des Landeskriminalamtes Berlin in der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Telefonnummer (030) 4664-911444, per E-Mail an lka114-Hinweis@polizei.berlin.de, über die Internetwache oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.