Noch vor einer Woche hat Elias Bethke (22) nicht geahnt, dass er jetzt plötzlich das Dynamo-Logo auf der Brust trägt. In seinem ersten Interview als Dresden-Profi erklärt das Cottbuser Eigengewächs, wie die turbulenten letzten Tage verlaufen sind.
Auch interessant
Anzeige
Auch interessant
Anzeige
„Das ging alles ziemlich schnell. Mitte letzter Woche kam der Anruf, dann haben wir uns geeinigt, danach die Vereine. Montag ist mein erster Zug nach Dresden ausgefallen, mit dem zweiten hat´s dann geklappt. Medizin-Chek, erstes Training und jetzt stehe ich hier“, erzählt Bethke.
Schnell wird deutlich: Der junge Mann tickt anders, als ein „Durchschnitts-Profi“. Bestes Beispiel: Bethke ist bekennender Roller-Fahrer. „Ich habe zwar den Führerschein, aber noch nie ein Auto besessen. Und das wird sich in nächster Zeit auch nicht ändern.“
Zum Training geht´s statt dessen auf zwei Rädern. Und zwar bei Wind und Wetter. „Da bin ich hart im Nehmen. Mit Mütze, Schal und Handschuhen geht das immer. Ich werde mir deshalb hier eine Wohnung in der Nähe vom Trainingszentrum suchen. Und zu mir nach Hause fahre ich mit dem Zug. Das ist entspannter, als Autofahren.“
Sein Job beim neuen Arbeitgeber wird dagegen alles andere, als entspannt. Das ist Bethke bewusst. Aber er ist froh, nach seiner langen Verletzungspause wegen eines Sehnenrisses im Oberschenkel überhaupt wieder auf dem Platz stehen zu können. „Mir geht´s gut, die Testungen waren positiv und ich darf wieder voll mittrainieren.“
Ein Einsatz schon am Samstag (13 Uhr) zum Rückrunden-Auftakt gegen Greuther Fürth ist wegen der kurzen Eingewöhnungszeit und des Trainingsrückstands zwar unwahrscheinlich. Aber der Keeper stellt klar: „Ausschließen würde ich nichts. Wenn ich spiele, dann spiele ich. Wir werden sehen, wie die Entscheidung ausfällt.“

Der Ex-Cottbuser (vorn) trägt jetzt selber das Dynamo-Logo – und in Dresden die Nummer 40
Foto: picture alliance/Weiland
Die erste Begegnung mit seinen neuen Torwart-Kollegen Tim Schreiber und Daniel Mesenhöler – gleichzeitig auch seine neuen Konkurrenten – war unspektakulär. „Wir haben uns erstmal normal hallo gesagt. Ich glaube, im Torwart-Team ist alles entspannt. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass man sich gegenseitig pusht, um auf das nächste Level zu kommen.“
Sich selbst bezeichnet Bethke so: „Ich bin ein entspannter, ruhiger Typ, der auf dem Platz aber auch mal eine Ansage machen kann. Und ich glaube schon, dass ich meine Stärken im Bälle halten und im eins gegen eins habe. Übrigens: Laut der neuen Messungen beim Medizin-Check bin ich 191,5 Zentimeter groß und 85 Kilo schwer.“ Damit wäre das auch geklärt.
Bethke weiß, wie zu null geht
Aus der Ruhe bringen ließ sich der Neue auch nicht von der Frage nach seiner Reaktion auf die klare Ansage von Energie-Coach Pele Wollitz Anfang November, dass Bethke hinter Marius Funk und Alexander Sebald nur noch die Nummer drei sei. „Als ich das gehört habe, war es anfangs schon komisch für mich, aber so ist der Profi-Fußball. Die Aussage hätte man so vielleicht nicht treffen müssen, weil ich noch verletzt war. Jetzt bin ich froh, dass ich hier sein kann.“
Im Groll ist Bethke deshalb aber nicht aus Cottbus weg. „Ich habe zehn Jahre dort gespielt. Da wäre es gelogen, wenn ich sage, dass keine Empathie mehr da ist. Ich wünsche Energie den Aufstieg, werde mir alle Spiele angucken.“
Klar ist: Sein Fokus liegt jetzt auf Dynamo Dresden und dem Klassenerhalt. Dafür muss ihm mit seinem neuen Klub endlich das gelingen, was er immerhin in rund einem Drittel seiner über 100 Drittliga-Spiele geschafft hat: zu null spielen!