Es ist einer dieser stillen, berührenden Momente, in denen selbst eine große Konzerthalle kurz den Atem anhält. Sebastian Krumbiegel steht im Glitzeranzug auf der Bühne der Alten Oper und erzählt von seinem Vater Peter Krumbiegel, geboren am 13. Januar 1936. „Heute möchte ich dieses Lied für ihn singen“, sagt er – und bittet das Publikum, mit ihm ein Geburtstagsständchen anzustimmen. Mehrere Tausend Stimmen setzen warm und geschlossen ein. Krumbiegel singt und filmt – ein persönlicher Augenblick voller Nähe.
Leise Töne gehören sonst nicht zum Repertoire der Prinzen. Seit 35 Jahren prägt das Leipziger Septett die deutsche Poplandschaft: mit Witz, Haltung und einem unverkennbaren Sound. Zum Jubiläum haben sie ihre größten Hits ins symphonische Gewand gekleidet und touren nun unter dem Titel „Symphonica“ durch Deutschland. In der Alten Oper stehen sie gemeinsam mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach auf der Bühne: rund 50 Musiker, die den bekannten Songs neue Tiefe und Weite verleihen.
„Wir sind nicht mehr die Jüngsten“
„Wir haben uns gefragt: Reicht uns ein Orchester, oder brauchen wir noch einen Chor?“, sagt Krumbiegel und liefert die Antwort gleich mit: „Brauchen wir nicht. Wir haben ja euch.“ Das Publikum übernimmt diese Rolle mit Begeisterung, etwa bei „Millionär“ oder „Alles nur geklaut“. Die orchestralen Arrangements sorgen für Klangfülle, ohne die Songs zu erdrücken. Der Sound wird breiter, wärmer, manchmal auch wuchtiger – doch der Kern der Songs bleibt erstaunlich unangetastet. „Küssen verboten“, „Schwein sein“ und „Deutschland“ funktionieren auch mit Streichern zuverlässig.
Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel führen als gewohnt energiegeladene Entertainer durch den Abend: selbstironisch, körperlich präsent, stets im Dialog mit Saal und Band. „Wir sind nicht mehr die Jüngsten“, witzelt Krumbiegel, „wir haben inzwischen sogar einen Ärztestab hinter der Bühne.“ Die Zeit gehe eben nicht spurlos an einem vorbei.
Musikalisch erweist sich das Zusammenspiel mit dem Orchester als Volltreffer: mal kammermusikalisch fein, mal mit Big-Band-Schwung, dann wieder zart und zurückgenommen. Inhaltlich spannt das Konzert einen weiten Bogen. Neben den großen Hits der Neunziger steht viel Neues auf der Setlist. Die Auswahl sei schwer gewesen, erzählen sie. Aus mehr als 120 Songs mussten sie wählen. Nach ihrer eigenen Rückschau auf 35 Jahre Bandgeschichte ziehen sie ein trockenes Fazit: „Es war nicht alles schlecht.“
Ausführlich wird es bei der Vorstellung der Bandmitglieder: Wolfgang Lenk, „der Einzige, der ernsthaft etwas von Musik versteht“, schrieb die Noten fürs Orchester. Jens Sembdner liefert Bass und Falsett, Henri Schmidt hält die Gruppe zusammen. Einig seien sie nicht immer, sagen die Prinzen, aber in drei Dingen schon: Liebe tut weh. Essen macht dick. Leben strengt an.
Am Ende steht ein Abend, der zeigt, warum diese Band, obwohl sie nicht mehr an die Erfolge der Neunzigerjahre anknüpfen kann, nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat. Die Zugaben werden frenetisch gefordert, die Hände gehen nach oben, als die Prinzen sich mit einer schlichten Verbeugung verabschieden: „Kommt gut nach Hause. Wir sind die Prinzen.“
Nach dieser opulenten Inszenierung in der Alten Oper zeigt sich: Diese Band lebt nicht von Nostalgie, sondern von Überzeugung und von einem Publikum, das weiterhin gern Teil ihres Chors ist.