Die Internationale Raumstation im All

Stand: 14.01.2026 13:44 Uhr

Zum ersten Mal in der Geschichte der Internationalen Raumstation ISS wird eine Crew aufgrund eines medizinischen Notfalls vorzeitig zur Erde zurückkehren. Ihre Raumkapsel wird am Abend abdocken.

Über die genaue Erkrankung oder die Identität des betroffenen Besatzungsmitglieds macht die NASA weiterhin keine Angaben. Es handelt sich jedoch um ein medizinisches Problem, das mit den vorhandenen Mitteln auf der ISS nicht adäquat behandelt werden kann. Der Zustand des erkrankten Astronauten sei stabil, und eine vollständige Genesung werde erwartet.

„Schlüsselübergabe“ an russischen Kommandanten

Die vier Astronauten der „Crew 11“ – Zena Cardman und Michael Fincke von der NASA, Kimiya Yui von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA und Oleg Platonov von Roskosmos – haben sich mittlerweile im Rahmen einer kleinen Zeremonie, die live gestreamt wurde, von den drei Kollegen, die auf der ISS bleiben, verabschiedet. Dabei wurde auch der symbolische Schlüssel für die ISS vom amerikanischen Kommandanten, der jetzt auch zur Erde zurückfliegt, an seinen russischen Nachfolger übergeben. Noch allerdings sind alle sieben Besatzungsmitglieder an Bord der Raumstation.

Die vier Astronauten waren seit August 2025 an Bord der ISS und sollten ursprünglich sechs Monate im All verbringen. Das Abdocken des „Crew Dragon“-Raumschiffs ist für Mittwochabend um 23 Uhr mitteleuropäischer Zeit geplant. Nach einigen Erdumkreisungen soll die Kapsel vor der Küste Kaliforniens landen – der sogenannte Splashdown ist für Donnerstagmorgen um 9:40 Uhr angesetzt. Der genaue Landeort wird kurzfristig nach den Wetterbedingungen ausgewählt.

Grenzen der Möglichkeiten medizinischer Versorgung im All

Die medizinische Versorgung an Bord der ISS ist auf kleinere Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder leichte Verletzungen ausgelegt. Zwei speziell geschulte Crewmitglieder, sogenannte „Crew Medical Officers“, verfügen über grundlegende medizinische Kenntnisse, die denen eines Sanitäters auf der Erde ähneln. Unterstützt werden sie von Ärzten am Boden, die per Funk oder Video beratend zur Seite stehen. Ein Notfallkoffer mit Schmerzmitteln, Verbandsmaterial, einem Defibrillator und anderen medizinischen Hilfsmitteln steht ebenfalls bereit. Für ernste Eingriffe wie Operationen oder Situationen, die spezialisierte Diagnosetechnik erfordern, reichen die Bordmittel jedoch nicht aus. In solchen Fällen bleibt nur die Rückkehr zur Erde.

Besondere Herausforderungen ergeben sich durch die Schwerelosigkeit: Infusionen müssen unter Druck in die Vene gepumpt werden, da Flüssigkeiten ohne Schwerkraft nicht von selbst fließen. Selbst eine Herzmassage müsste mit den Füßen durchgeführt werden, da die Hände zum Festhalten benötigt werden. An der ISS sind jedoch stets so viele Raumschiffe angedockt, dass im Notfall die gesamte Besatzung auf einmal den dreistündigen Rückflug zur Erde antreten könnte.

Belastung durch die Rückkehr

Ein Rückflug zur Erde ist für Astronauten nach monatelangem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit eine extreme Belastung. Der Körper hat sich an die Bedingungen im All angepasst: Das Herz-Kreislauf-System ist geschwächt, die Wirbelsäule gestreckt und versteift, und Flüssigkeiten haben sich in den oberen Körperbereich verlagert. Während des Wiedereintritts in die Atmosphäre wirken zudem zeitweise ein Mehrfaches der Erdanziehung auf die Astronauten. Um Kreislaufprobleme zu vermeiden, tragen sie spezielle Kompressionsstrümpfe. Nach der Landung wird die Crew in der Regel aus der Kapsel getragen. Im aktuellen Fall wird die medizinische Betreuung des erkrankten Astronauten unmittelbar nach der Wasserung auf dem Bergungsschiff beginnen.

Auswirkungen auf die ISS-Besatzung

Nach der Rückkehr der „Crew 11“ verbleiben vorübergehend nur drei Besatzungsmitglieder auf der ISS – zwei Russen und ein Amerikaner. Drei Personen sind die Mindestbesatzung, die es braucht, um den Betrieb des Weltraumlabors sicherzustellen. Ob der bislang für Mitte Februar geplante Start der „Crew 12“ vorgezogen wird, ist noch nicht entschieden. Normalerweise überlappen sich die Missionen der Crews für einige Tage, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.