Erschöpfter Geschäftsmann in einem Büro vor einem Computer sitzend.

Stand: 14.01.2026 14:22 Uhr

In der Wirtschaft wird KI oft als strategische Chance gesehen, doch es gibt auch große Gefahren. Laut einer Allianz-Studie hat sich Künstliche Intelligenz zu einem der größten Geschäftsrisiken für Unternehmen weltweit entwickelt.

Die Künstliche Intelligenz (KI) gehört 2026 zu den größten globalen Geschäftsrisiken für Unternehmen – zu diesem Schluss kommt der Unternehmensversicherer Allianz Commercial in seinem neuen „Risikobarometer“. KI ist hier vom zehnten Platz im Vorjahr auf Platz zwei emporgeschossen – und macht damit den größten Sprung in der diesjährigen Rangliste. Für 32 Prozent der über 3.300 befragten Experten aus 97 Ländern stellt KI ein Unternehmensrisiko dar.

Cyberkriminalität weiter größtes Unternehmensrisiko

Übertroffen wird das nur vom langjährigen Spitzenreiter Cyberkriminalität mit 42 Prozent. Cybervorfälle, insbesondere sogenannte Ransomware-Angriffe, landeten damit zum fünften Mal in Folge auf Platz eins der Unternehmensrisiken.

Beides steht in Zusammenhang: Kriminelle Hacker nutzen demnach in wachsendem Umfang KI für ihre Attacken. Künstliche Intelligenz verstärkte die Bedrohungen, vergrößere die Angriffsfläche und verschärfe bestehende Schwachstellen, erklärt Michael Bruch, Global Head of Risk Consulting Advisory Services bei Allianz Commercial.

Falsche Entscheidungen auf Basis von KI?

Da die Einführung von KI immer schneller voranschreitet und die Technologie immer tiefer in das Kerngeschäft eingebettet wird, erwarten die Befragten eine Zunahme der KI-bezogenen Risiken.

Risiken für Unternehmen birgt dabei auch die ganz legale Verwendung von KI-Software durch die eigenen Mitarbeiter und Führungskräfte – etwa, wenn sie auf Basis falscher Daten und Informationen falsche Entscheidungen treffen.

Rechtsstreitigkeiten und Imageverluste drohen

„Die KI arbeitet per Definition mit einem gewissen Grad an Autonomie und deswegen können die Ergebnisse falsch oder frei erfunden sein“, sagt Allianz-Commercial-Managerin Alexandra Braun.

Das kann zu Rechtsstreitigkeiten oder negativer Berichterstattung und letztlich zu Reputations- und Imageverlusten für die Unternehmen führen. Zu den KI-eigenen Risiken zählen auch Urheberrechtsverletzungen, wenn die Software geschützte Informationen abschreibt oder verwendet.

Neue Haftungsrisiken durch KI

„In vielen Fällen schreitet die Einführung schneller voran, als Governance, Regulierung und Unternehmenskultur mithalten können“, so Ludovic Subran, Chefökonom der Allianz.

Dadurch entstünden neue Haftungsrisiken im Zusammenhang mit automatisierten Entscheidungsprozessen, voreingenommenen oder diskriminierenden Modellen, dem Missbrauch geistigen Eigentums – und der Ungewissheit darüber, wer haftet, wenn durch KI generierte Ergebnisse Schaden verursachen.

Dennoch glaubt fast die Hälfte der Befragten, dass KI ihrer Branche mehr Vorteile als Risiken bringt. Ein Fünftel ist gegenteiliger Meinung.

Betriebsunterbrechungen wegen Erpressung

Mit Blick auf die weiteren Geschäftsrisiken stehen in diesem Jahr Betriebsunterbrechungen auf Rang drei. Eine häufige Ursache ist Online-Erpressung: Die Hacker lähmen die Rechnersysteme eines Unternehmens per Verschlüsselung und fordern für die anschließende Entschlüsselung hohe Summen.

Auf Platz vier rangieren Gesetzgebung und Regulierung, was sich sowohl auf die US-Zollpolitik und sonstige Handelshemmnisse als auch die in vielen Ländern beklagte Bürokratie bezieht.

Faktoren wie eine ruhigere Hurricane-Saison im vergangenen Jahr führen dazu, dass Naturkatastrophen im Vergleich zum Vorjahr auf Platz fünf zurückfallen. Unterdessen klettern politische Risiken und Gewalt von Platz neun auf Platz sieben. Hintergrund ist hier vor allem die zunehmende Besorgnis über geopolitische Instabilität und Konflikte auf der ganzen Welt.

Mit Informationen von Angela Göpfert, ARD-Finanzredaktion.