Bei diesem Duell geht es nicht um die Welt, sondern, um im Jargon der Fernsehshows von Joko und Klaas zu bleiben, um „die Geld“: Joko Winterscheidt, Moderator und Schauspieler, klagt vor dem Landgericht München I gegen Architekten und eine Metallbaufirma bezüglich etlicher Mängel an seinem neu gebauten Einfamilienhaus in Bogenhausen. Offenbar ist bei dem Gebäude mit Pool, Podcast-Studio und Sauna so einiges schiefgelaufen. Denn, wie Gerichtssprecherin Cornelia Kallert bestätigt, laufen in derselben Sache noch drei weitere Verfahren mit einem Gesamtstreitwert von fast 700 000 Euro.
Sie stürzen sich aus Flugzeugen, pokern mit Promis oder lösen aberwitzige Blödelaufgaben: Das Moderatoren-Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gehört aktuell zur Abendunterhaltung wie die Pointe zum Witz. Privat allerdings hält Winterscheidt, im richtigen Leben Joachim Winterscheidt, sein Leben aus der Öffentlichkeit heraus. Dass er in München wohnt, hat auch noch nicht überall die Runde gemacht.
„Wir sind privat hier“, erklärt auch einer der Herren, die den Fernsehstar am Gang vor dem Gerichtssaal umringen. Nein, schüttelt Winterscheidt im camelfarbenen Riesenmantel den Kopf, er möchte kein Foto haben. Als Person des öffentlichen Lebens in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung wird das mit dem Privaten schwierig werden. Und so bleibt Winterscheidt während der ganzen Verhandlung stumm. Zuweilen legt er den Zeigefinger auf die Lippen, so wie er es auch im Fernsehen tut, wenn er nachdenkt. Dann schüttelt er den Kopf und man glaubt zu spüren, dass ihm die ganze Sache vor der 8. Zivilkammer ziemlich auf den Keks geht und er sich bemüht, seine Wut unter die Klägerbank zu kehren.
Im April 2018, so führt Richter Johannes Füßl ein, beauftragte der TV-Star ein Architekturbüro mit der Planung und Überwachung sowie eine Baufirma mit Arbeiten an dem Haus. Mehr als 62 000 Euro legte er als Vorschuss auf den Tisch für – nach Ansicht der Klägerseite – mangelhafte Arbeiten. Es gab Beanstandungen bei den Abdichtungen, und zwar bei den Fenstern, in der Sauna, den Bodenplatten, den Wandanschlüssen, dem Rundfenster und dem Pool-Wandanschluss im Lichthof sowie an den Fassadenrinnen des Anwesens.
Neben Rechtsanwalt Torsten Ilgner hat Winterscheidt Architekten und Sachverständige um sich geschart. In der Klage macht er außer der Rückzahlung des Vorschusses auch einen Schadenersatz für Gutachter- und Architektenkosten in Höhe von 12 000 Euro geltend. Der Richter spricht auch von „Bauteilöffnungen“, das heißt, für die Gutachten wurden beispielsweise Wände angebohrt oder Teile ausgebaut, um etwaige Schäden in Augenschein zu nehmen.
Die Anwälte der Beklagtenseite behaupten, es seien keine Mängel verursacht worden, es gebe keine Planungsfehler. „Die dokumentierten Schäden sind durch die Bauteilöffnungen entstanden“, meint Anwalt Burkhard Wilk. Richter Johannes Füßl gibt zu bedenken, dass es juristisch schwierig werden wird, die Verantwortlichkeiten auseinanderzudividieren.
Am Ende stimmt Winterscheidt, der seit fünf Jahren in dem Haus wohnt, einem Vergleich zu. 50 000 Euro soll ihm die Beklagtenseite erstatten. Doch die Duelle werden bald weitergehen: um die Garage, die Hofmauer, den Carlift oder die Holzdecke.