New York City (USA) – Die Krise macht selbst vor den Tempeln des Luxus nicht halt. Während sich viele Unternehmen neu erfinden müssen, trifft es jetzt einen der bekanntesten Namen des US-Einzelhandels. Der Luxus-Kaufhausgigant Saks Global ist insolvent.
In der Nacht zum Mittwoch beantragte das Unternehmen die Insolvenz. Zu Saks Global gehören die Traditionshäuser Saks Fifth Avenue, Bergdorf Goodman und Neiman Marcus. Es ist eine der größten Pleiten im Einzelhandel der USA seit der Corona-Pandemie. Der Betrieb in den Kaufhäusern soll zunächst weiterlaufen. Dafür sicherte sich das Unternehmen eine Finanzspritze von 1,75 Milliarden US-Dollar.
Eine Ikone des Luxus gerät ins Wanken
Saks Fifth Avenue wurde 1867 von Einzelhandelspionier Andrew Saks gegründet. Jahrzehntelang galt das Kaufhaus als Treffpunkt der Reichen und Schönen, von Gary Cooper bis Grace Kelly. Doch die Pandemie setzte dem Geschäft massiv zu. Der Onlinehandel wurde zur starken Konkurrenz, Luxusmarken wie Chanel verkauften ihre Produkte zunehmend in eigenen Boutiquen.

Saks & Company an der Fifth Avenue in den 1940ern
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Ein Mega-Deal sollte die Wende bringen. CEO Richard Baker setzte darauf, neue Marken unter einem Dach zu vereinen. 2024 entstand Saks Global aus dem Zusammenschluss von Saks Fifth Avenue, Bergdorf Goodman und Neiman Marcus. Der Deal hatte ein Volumen von 2,7 Milliarden US-Dollar und wurde mit rund 2 Milliarden Dollar Schulden sowie Kapital von Investoren wie Amazon, Salesforce und Authentic Brands finanziert.
Schuldenlawine begräbt die Strategie
Doch Bakers Plan ging nicht auf. Der Schuldenberg wurde zur Last. Anfang des Jahres trat Baker als CEO zurück. Neuer Chef ist Geoffroy van Raemdonck, zuvor Chef von Neiman Marcus. Baker ist auch in Deutschland bekannt. Über seine Investmentgesellschaft NRDC gehört ihm die Hälfte der Warenhauskette Galeria. Zuvor leitete er die kanadische Handelskette Hudson’s Bay, die am Zusammenschluss von Karstadt und Galeria Kaufhof beteiligt war – ebenfalls ein Unternehmen, das inzwischen insolvent ist.

Richard Baker im Jahr 2012, als Hudson’s Bay das Unternehmen Saks erwarb
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Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung soll nun Zeit verschaffen. Ziel ist es, mit Gläubigern über eine Umschuldung zu verhandeln oder einen neuen Eigentümer zu finden. Scheitert das, drohen Schließungen.
Luxus-Giganten unter den Gläubigern
Die Zahlen sind gewaltig. Laut Gerichtsunterlagen liegen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten jeweils zwischen einer und zehn Milliarden Dollar. Zu den Gläubigern zählen große Namen der Luxuswelt. Die Mutterkonzerne von Chanel und Gucci fordern 136 beziehungsweise 60 Millionen US-Dollar. Der weltgrößte Luxuskonzern LVMH (u. a. Louis Vuitton, Christian Dior, TAG Heuer und Moët & Chandon) fordert 26 Millionen Dollar.
Ob die Sanierung des Unternehmens gelingt, ist offen. Kurzfristig soll die Finanzspritze helfen. Eine Milliarde Dollar wurde durch eine Investorengruppe bereits ausgezahlt. Nach einem erfolgreichen Abschluss des Insolvenzverfahrens, der noch in diesem Jahr erwartet wird, sollen weitere 500 Millionen Dollar folgen.