Schneller radeln statt im Stau stehen: Wiesbaden plant zwei Radschnellwege nach Mainz und Frankfurt. Die Vision: Tausende Pendlerinnen und Pendler könnten künftig klimafreundlich zur Arbeit kommen.

Radschnellweg Egelsbach

So wie hier bei Egelsbach in Südhessen könnten auch die neuen Radschnellwege rund um Wiesbaden aussehen.
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Pedale statt PS, Abstrampeln statt Abgase: Während in Brüssel unlängst das Aus des Verbrenner-Aus beschlossen wurde, arbeitet Wiesbaden weiter an der Verkehrswende.

Einer der Hauptbausteine: Mehr Pendler zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad zu bewegen. Dafür soll in den kommenden Jahren verstärkt gebaut werden.

Für nicht weniger als fünf Vorhaben der Radwege-Infrastruktur in und um die Landeshauptstadt herum hat der Wiesbadener Magistrat am Dienstag seine Zustimmung erteilt. Die Trassen sind Teil des integrierten Verkehrsentwicklungsplans 2030. Besondere Bedeutung kommt dabei den beiden geplanten Radschnellwegen zu, die Wiesbaden künftig mit Mainz und Frankfurt verbinden sollen.

Radschnellweg Mainz-Wiesbaden

Eine Potenzialanalyse ist laut Stadt zu dem Ergebnis gekommen, dass die beiden Radschnellrouten künftig von mehreren tausend Menschen am Tag genutzt werden könnten.

Auf dem Bild ist der Beginn des Radschnellwegs von Vellmar nach Kassel am Festplatz zu sehen. Im Vordergrund ist eine rot markierte Fläche mit einem Fahrrad-Symbol.

Insbesondere die Strecke zwischen Wiesbaden und Mainz, die von beiden Städten gemeinsam entwickelt und verwirklicht werden soll, könnte wesentlich dazu beitragen, dass Pendlerinnen und Pendler vom Auto auf das Fahrrad umsteigen. Die Prognose geht hier von bis zu 3.000 täglichen Nutzerinnen und Nutzern aus.

Das Verkehrsministerium rechnet auf seiner Projekt-Website vor: 30 Minuten Fahrtzeit für zwölf Kilometer. Zehn Minuten weniger als auf bestehenden Wegen.

Erst Baustraße, dann Radweg

Ein erster Bauabschnitt der Trasse Wiesbaden-Mainz soll dabei schon in diesem Jahr umgesetzt werden. Südwestlich des Wiesbadener Hauptbahnhofs zwischen der Klingholzstraße und dem Theodor-Heuss-Ring entsteht in den kommenden Monaten ein erstes Teilstück, für das insgesamt 900.000 Euro ausgegeben werden.

70 Prozent der Kosten sollen dabei aus Landesmitteln finanziert werden. Zusätzliche Einsparungen verspricht sich die Stadt von der Abstimmung mit den Entsorgungsbetrieben der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW). Diese müssen derzeit für größere Kanalarbeiten westlich des Gleisfeldes eine Baustraße anlegen.

Nach Abschluss der Arbeiten soll eben diese Baustraße asphaltiert und Teil des künftigen Schnellradweges werden. Das Vorhaben muss noch von der Stadtverordnetenversammlung abgesegnet und den betroffenen Ortsbeiräten zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Eine Zustimmung gilt jedoch als wahrscheinlich.

Bahntrasse wird umgebaut

Die zweite geplante Radschnellverbindung soll Wiesbaden mit Frankfurt und den dazwischen liegenden Orten Hofheim, Kriftel und Hattersheim (alle Main-Taunus) verbinden. Rund zehn Kilometer der Strecke würden nach Angaben der Stadt durch das Wiesbadener Stadtgebiet führen.

Eine 2020 beauftragte Machbarkeitsstudie habe ergeben, dass hier eine leistungsfähige Radroute „nicht nur ökologisch, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll“ sei, da der Schnellweg die Fahrzeiten um bis zu 26 Prozent verkürzen könne.

Ein Teil der Verbindung soll demnach über eine ehemalige Bahntrasse im Stadtteil Erbenheim führen. Der rund 712.000 Euro teure Ausbau werde durch Fördermittel vom Land finanziert. Die natur- und landschaftsschutzrechtlichen Genehmigungen stünden bevor, sodass der Bau voraussichtlich in den kommenden Jahren beginnen könne, teilte die Stadt mit.

Umsetzung kann noch Jahre dauern

Mit dem Magistratsbeschluss vom Dienstag ist „der Weg frei für die nächsten Planungsschritte, Grundstückssicherungen und Förderanträge“. Auch in den anderen beteiligten Kommunen werde gerade an entsprechenden Beschlüssen gearbeitet, hieß es am Dienstag weiter.

Das bedeutet allerdings auch, dass bis zum endgültigen Ausbau der beiden Radschnellrouten noch einige Zeit ins Land gehen kann. Nach Angaben des Verkehrsdezernats geht man derzeit von einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren aus.