Dresden – Sie ergaunerten ein Vermögen von einsamen Frauen, gehörten zur Lovescamming-Bande und führten Konten für das berüchtigte Mafia-Netzwerk. Sächsische Fahnder ließen die drei Männer und eine Frau verhaften, die u. a. von einer blinden Frau aus Dresden 30.000 Euro abgezockt hatten.
Monatelang wurde vor dem Landgericht Dresden verhandelt, jetzt fielen die Urteile gegen die vier Nigerianer. Die kamen wie an jedem Verhandlungstag aus dem Gefängnis in den teuersten Klamotten, trugen u.a. Marken wie Louis Vuitton. Die dürfen sie nun hinter Gittern zur Schau tragen. Vorsitzender Richter Karl-Dietmar Elser (56) verhängte jeweils knapp vier Jahre Knast wegen Beihilfe zu gewerbs- und bandenmäßigem Betrug.

Vorsitzender Richter Karl-Dietmar Elser (56)
Foto: Olaf Rentsch
Nigerianer führten Lovescamming-Konten
So wurden auf den Konten der Love-Scammer (zu Deutsch: Liebes-Betrüger) die Gelder von einer blinden Dresdnerin entdeckt. Sie hatte via Kurznachrichtendienst Telegram den falschen Arzt Dr. Daniel Steven kennengelernt. Der war angeblich 47 Jahre, verwitweter US-Amerikaner und in Syrien stationiert. Das Liebesmärchen: Für die 50-Jährige wollte er alles hinwerfen und zu ihr nach Deutschland kommen. Doch bei der vermeintlichen Reise gab es allerhand Probleme, wofür die Sächsin zahlen musste. Insgesamt büßte sie 30.000 Euro ein.
Der Liebes-Betrug war so gut inszeniert, dass die einsame Frau noch während des Prozesses mit ihm Kontakt hielt. Der falsche Arzt (Love-Scammer) wollte weiter ihr Geld, sie freute sich über seine Aufmerksamkeit und liebe Worte.

Precious O. (25) gehört zum Lovescamming-Netzwerk. Sie verdiente an der Liebesabzocke, hat den Spitznamen „Gangster Doll“
Foto: Olaf Rentsch
Gangster durften 10 Prozent behalten
Auf den Konten der Verurteilten (u.a. in Italien und Litauen) gingen insgesamt 140.000 Euro ein. Sie hoben das Geld zügig in bar ab – rund 600 Euro am Tag. Oder sie überwiesen es schnell an andere Konten mit dem Verwendungszweck „Gift“ (Geschenk) oder „Family-Support“ (Familien-Unterstützung). Die Ermittler konnten daher die Hintermänner nicht ausfindig machen.
Die Zahlungen reichten den Nigerianern, um ein gutes Leben zu haben. Von der Beute durften sie laut Gericht 10 Prozent behalten. Während der Urteilsbegründung beklagte sich Precious O. (25) über die deutlichen Worte des Richters, ihr Verteidiger musste sie beruhigen. Neun Justizbeamte passten auf die Täter auf.
Mehr zum ThemaAngeklagte lachte Opfer aus
Der Vorsitzende Richter sagte anschließend: „Bei der Strafzumessung wurde berücksichtigt, dass Precious O. bei den Aussagen der Opfer lachte. Ihr Spitzname ‚Gangster-Doll‘ kommt nicht von ungefähr.“