Tiere wirken stressreduzierend und bieten emotionale Unterstützung: „Mich beruhigt es, die Tiere zu beobachten“ und „Ich kann viel besser Sachen erzählen, wenn Tiere da sind, weil ich mich sicher fühle“, so berichten Kinder und Jugendliche aus therapeutischen Wohngruppen des Frère-Roger-Kinderzentrums von ihren Erfahrungen mit tiertherapeutischen Maßnahmen. Und: „Die Tiere bewerten mich nicht.“
In den Wohngruppen des Kinderzentrums, das zur Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg gehört, erhalten Kinder und Jugendliche mit besonderem Betreuungsbedarf eine gezielte therapeutische Unterstützung, um ihren Weg im Leben zu finden. Dabei spielen tiertherapeutische Maßnahmen eine wichtige Rolle, berichtet Peter Kellner, Bereichsleiter der stationären Hilfen am Frère-Roger-Kinderzentrum. „Die Tiere bieten emotionale Unterstützung: Sie wirken stressreduzierend und fördern Entspannung“, sagt er. „Insbesondere bei Jugendlichen im stationären Setting liegen oft Traumata vor – dabei helfen Tiere durch ihre nicht-wertende, aber sehr präsente Anwesenheit immens“, führt Kellner weiter aus. Kinder und Jugendliche können Vertrauen aufbauen und sammeln durch den Umgang mit den Tieren wieder Erfolgserlebnisse – etwa, wenn das Führen eines Pferdes besser klappt oder der Hund das Kind wiedererkennt und direkt zutraulich ist. Auch die Selbstreflexion der Jugendlichen werde gefördert, so Kellner, da Tiere das eigene Verhalten spiegeln: Sind sie hektisch, werden auch die Tiere unruhig.
Eine Kleingruppe des Frère-Roger-Kinderzentrums besucht regelmäßig den Augsburger Krümelhof. Unter pädagogischer Anleitung verbringen die Kinder dort Zeit mit den Tieren, füttern beispielsweise Kaninchen, streicheln Schafe oder gehen mit Eseln und Shetlandponys spazieren. Auch im Zuge von Einzelstunden, sogenannten tiergestützten Interventionen, können die Kinder und Jugendlichen mit den Tieren arbeiten – ob reiten, mit Schafen spazieren oder Capybaras beobachten.
Der Verein „Tiergestützte Interaktion Augsburg“ sei eine große Unterstützung für das Frère-Roger-Kinderzentrum, betont die Katholische Jugendfürsorge. Der Verein habe mit finanziellen Mitteln schon mehreren Jugendlichen tiertherapeutische Maßnahmen ermöglicht.
„Diese Maßnahmen bringen den Jugendlichen viele Vorteile, von der emotionalen Unterstützung über die Förderung sozialer Interaktionen bis hin zur Bewegung an der frischen Luft. Wir sind sehr dankbar über die Unterstützung des Vereins“, betont Kellner.
„Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie Tiere Brücken bauen – gerade zu Kindern, die eine schwere Zeit durchgemacht haben“, ergänzt Ursula Alt, Vorsitzende des Vereins.
AZ