Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind in Frankreich mehr Menschen gestorben als zur Welt gekommen. Die Nachricht hat im Land eine Schockwirkung erzielt und zu einer öffentlichen Debatte geführt.
Frankreich sei demographisch an einem Kipppunkt angelangt, stellte die Zeitung „Les Echos“ am Mittwoch auf der Titelseite fest. „Le Figaro“ beklagte ebenfalls auf der Titelseite einen „beunruhigenden Geburtenrückgang“. Lange galt das geburtenfreudige Frankreich als Ausnahmeerscheinung in Westeuropa.
Obwohl es ähnliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedingungen wie seine Nachbarn hat, lagen die Geburtenraten bis 2015 über dem europäischen Durchschnitt. Doch seither ist die Zahl der Geburten rapide gefallen.
Der Abschied vom französischen Geburtenwunder fällt schwer. „Die französische Ausnahme ist vorbei. Mehr Särge als Wiegen, das leuchtet allen ein“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Maxime Sbaihi vom Club Landoy, der Unternehmen vernetzt und für eine „demographische Revolution“ wirbt. Er forderte, endlich eine aufgeklärte Debatte zu führen und aufzuhören, die Rentner zu bevorzugen.
Im vergangenen Jahr kamen in Frankreich auf rund 645.000 Geburten etwa 651.000 Todesfälle, wie aus der am Dienstag veröffentlichten demographischen Bilanz des Nationalen Statistikinstituts Insee hervorgeht. Die sogenannte natürliche Wachstumsrate wies damit ein Minus von 6000 auf.
Zum Vergleich: In Deutschland sterben seit 1972 mehr Menschen, als geboren werden. Die natürliche Bevölkerungsbilanz lag in Deutschland zum Jahresende 2024 bei einem Minus von über 300.000. Insgesamt wuchs die französische Bevölkerung um 0,25 Prozent auf 69,1 Millionen Einwohner. Davon leben 66,8 Millionen in Frankreich selbst, 2,3 Millionen in den Überseegebieten. Die Geburtenrate nahm laut Statistik im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent ab und lag bei 1,56 Kindern pro Frau – der niedrigste Wert seit dem Weltkriegsjahr 1917. Gleichzeitig stieg die Zahl der Todesfälle zum Vorjahr um 1,5 Prozent an. Die Lebenserwartung lag für Frauen bei 85,9 Jahren, für Männer bei 80,3 Jahren; bei beiden Geschlechtern ein Plus von 0,3 Jahren zu 2024.
Ein positiver Trend verstetigt sich bei den Eheschließungen. Im vergangenen Jahr wurden 251.000 Ehen geschlossen, davon 244.000 zwischen Personen unterschiedlichen und 7000 zwischen Personen gleichen Geschlechts. Das sind so viele wie seit 2010 nicht.