Berlin – Es ist ein ungewöhnlicher Plan gegen den Teuer-Schock bei Lebensmitteln. Die SPD will mit einem „Deutschland-Korb“ für günstige Grundnahrungsmittel in den Supermärkten sorgen. Aber was soll rein in den Korb und wie kommt das Konzept bei den Supermarktriesen an?
„Deutschland-Korb“-Erfinder und SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher (36) betont gegenüber BILD, dass die Einführung eines solchen Angebots für die Handelsketten „natürlich freiwillig“ sein müsse. Drin sein sollten „günstige und preisstabile, in Deutschland produzierte Grundnahrungsmittel aus allen wichtigen Warengruppen“.
Eine genaue Liste mit Produkten sieht das SPD‑Konzept nicht vor. Im Jahresverlauf könnte sich die Zusammensetzung je nach Saison und Marktlage auch immer wieder ändern, heißt es. Enthalten wären dann z. B.:
- Brot
- Milch- und Milchprodukte
- Eier
- Kartoffeln
- Äpfel und anderes Obst der Saison
- Fleisch- und Fleischprodukte
Auch Lebensmittel, die nicht hierzulande hergestellt, bzw. angebaut werden können (z. B. Bananen, Kaffee oder Kakaoprodukte), könnten in den Deutschland-Korb – etwa die preiswerten Eigenmarken der Handelsketten.

SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher (36) fordert günstigere Lebensmittelpreise
Foto: picture alliance/dpa
Zu Limbachers Maßnahmenpaket gehört außerdem ein scharfes Vorgehen gegen „Mogelpackungen“, z. B. durch eine Kennzeichnungspflicht, wenn Packungsgröße oder Inhalt von den Herstellern verändert wird. Zudem fordert die SPD die Einrichtung einer staatlichen Preisbeobachtungsstelle. „Sie soll die Mechanismen der Preisbildung vom Acker bis zum Supermarktregal transparenter machen und frühzeitig auf problematische Entwicklungen hinweisen“, schreibt Limbacher in seinem Konzept (liegt BILD vor).
Das sagen Handel und Supermärkte
Beim Handel selbst kommt das Konzept der SPD bislang nicht gut an. Verbände und Supermarktketten geben dem Deutschland-Korb einen Korb.
Auf BILD-Anfrage verweisen der Handelsverband HDE und der Lebensmittel-Verband BVLH auf das funktionierende Prinzip von „Angebot und Nachfrage“. BVLH-Chef Philipp Hennerkes: „Wenn die Politik in die Preisbildungsmechanismen eingreift, so hat das erfahrungsgemäß immer unerwünschte Nebenwirkungen, die eher zu Preissteigerungen führen.“ Sinnvoller sei es, die Rahmenbedingungen für den Handel (Bürokratie, Energiekosten) zu verbessern.
Bei Aldi (Nord und Süd) betont eine Sprecherin gegenüber BILD: „Wo immer möglich, gibt Aldi Preisvorteile direkt an die Kundinnen und Kunden weiter.“ Darüber hinaus habe Regionalität schon jetzt einen hohen Stellenwert. Auch Rewe verweist gegenüber BILD auf „grundsätzlich eine breite Auswahl an preisgünstigen Produkten“.
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SPD-Vize Limbacher hält an seinem Plan trotz der Kritik fest. Er zu BILD: „Wenn immer mehr Menschen hier in Deutschland beim Wocheneinkauf den Euro für Lebensmittel zweimal umdrehen müssen, haben wir ein Problem in unserem Land.“ Er wolle so „schweizer Verhältnisse bei Lebensmittelpreisen in Deutschland“ verhindern. Damit gemeint: Lebensmittel sind in der Schweiz extrem teuer – dort kosten Butter, Milch oder Fleisch oft deutlich mehr als in Deutschland.
Limbacher betont: „Wenn Grundnahrungsmittel für viele zum Luxus werden, läuft etwas grundlegend falsch. Deshalb müssen wir jetzt die Initiative ergreifen und endlich darüber diskutieren, wie wir Preise wieder runterbekommen und dauerhaft stabil halten.“