Mit einem neuen Filmprojekt startet das DDR-Museum eine Reihe über prägende Orte ostdeutscher Geschichte. Der Pilotfilm führt nach Oberschöneweide und zeichnet den Wandel vom industriellen Kraftzentrum zur heutigen Bildungs- und Stadtlandschaft nach. Die Filmpremiere fand im geschichtsträchtigen Industriesalon Schöneweide statt und war sehr gut besucht.

Museumsdirektor Gordon von Godin stimmte die Besucherinnen und Besucher im Vorfeld auf die rund einstündige Dokumentation ein. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

 

Das neueste Filmprojekt des DDR-Museums mit dem Titel „Orte Ost“ war Anlass für die Einladung zu einer außerordentlichen Premiere, die das beliebte Museum am 13. Januar 2026 veranstaltet hat. Es geht in der nun begonnenen Filmreihe um besondere Schauplätze im Osten Deutschlands.

Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk führt die Besucherinnen und Besucher an diese Orte, wobei der Wandel von Geschichte und Gegenwart im Mittelpunkt steht. Der erste Pilotfilm ist in Berlin-Oberschöneweide verortet, im Südosten der Hauptstadt; einer der ehemals größten Industriestandorte Ost-Berlins, wenn nicht der gesamten DDR.

Elektropolis Oberschöneweide: Erste Station der Filmreihe „Orte Ost“

Der Konferenzraum des Industriesalons Schöneweide war an diesem nasskalten Dienstagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Eindrücklich wurden Erinnerungen an jene Industriebastion geweckt, die im Zuge des Mauerfalls unterging, mit Großbetrieben wie KWO, TRO und dem WF.

Der Film weckte sowohl positive als auch negative Erinnerungen. Den Zuschauerinnen und Zuschauern wurde bewusst, dass es sich hierbei um einen bedeutungsvollen Ort handelt, der nicht nur für Oberschöneweide oder Berlin steht, sondern für die industrielle Entwicklung Deutschlands und für deutsche Geschichte insgesamt.

Oberschöneweide im Osten Berlins: Das „Silicon Valley des Ostens“?

Als das „Silicon Valley des Ostens“ ließe sich der Industriestandort bezeichnen, der bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Technologien entwickelte – insbesondere auf dem Gebiet der Elektrotechnik –, die damals weltweit einzigartig waren.

Niemand wird allerdings vergessen, welche Tristesse und Depression viele Jahrzehnte später in Schöneweide nach dem Zusammenbruch der großen Kombinatsbetriebe mit rund 30.000 Beschäftigten ab 1989 einzog. Quasi über Nacht verloren Zehntausende Beschäftigte der größten Kombinatsbetriebe Ost-Berlins ihre Arbeit, mit verheerenden Folgen für die dort arbeitende Bevölkerung und für den Stadtteil insgesamt.

Hochschule für Technik und Wirtschaft: Neuer Campus im Wilhelminenhof

Mit der Ansiedlung der Hochschule für Technik und Wirtschaft in den Hallen des ehemals größten Exportbetriebes der DDR – Kabelwerke Oberspree, kurz „KWO“ – kam in den Jahren nach der Jahrtausendwende endlich wieder Bewegung in das Areal rund um die Wilhelminenhofstraße.

Zusätzlich stellte der Berliner Senat Fördermittel für den Bau neuer Wohngebiete sowie für die Sanierung des vorhandenen Gebäudebestandes bereit. Dadurch konnte eine weitere Verwahrlosung bis hin zu einer möglichen Ghettoisierung des Areals verhindert werden.

Wie weiter in und mit Schöneweide? Lebhafte Diskussion nach dem Pilotfilm

Nach der knapp einstündigen Filmvorführung stellte sich Historiker Kowalczuk den Fragen der interessierten Besucherinnen und Besucher. Ebenso war Frau Reumschüssel, die ehemalige Leiterin des Industriesalons Schöneweide, die für ihr langjähriges Engagement um den Standort Schöneweide mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, engagiert dabei, Hintergründe und Ziele des Projekts zu erläutern.

Beiden – ebenso wie den Verantwortlichen des DDR-Museums – geht es mit diesem Film vor allem um die Entwicklung und Stärkung des Standorts Schöneweide sowie um den Aufbau einer tragfähigen Standortgemeinschaft.

„Wunderbare Freundschaft“ zwischen DDR-Museum und Industriesalon Schöneweide

Frau Reumschüssel bezeichnete die Kooperation mit dem DDR-Museum, die künftig weiter vertieft werden soll, als „wunderbare Freundschaft“. Sie betonte, dass die Elektropolis Oberschöneweide ebenso bedeutsam sei wie die Spreeinsel in Berlins Mitte oder die Stadt Berlin selbst, die bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts als „Spreeathen“ bezeichnet wurde.

Der vorgestellte Pilotfilm über Oberschöneweide wird ab dem 16. Januar auf dem YouTube-Kanal von ENTWICKLUNGSSTADT und ab dem 19. Januar auf dem YouTube-Kanal des DDR-Museums zu sehen sein.

Filmreihe „Orte Ost“: Diskussionen anstoßen, neue Impulse setzen

Der Film (sowie die gesamte Reihe) soll Diskussionen vor Ort anstoßen und neue Impulse setzen. Auch die Politik ist aufgefordert, neue Perspektiven zu entwickeln und das Projekt zum Anlass zu nehmen, DDR-Geschichte stärker in einen europäischen Kontext einzuordnen. „Kommt alle nach Schöneweide“, so Sascha Kowalczuk – ein Satz, der den hoffnungsvollen und optimistischen Ausblick des Films auf den Punkt bringt.

Das DDR-Museum plant weitere Folgen der Reihe „Orte Ost“. Vorgesehen sind Kurzfilme mit einer Länge von jeweils rund 25 Minuten zu folgenden Orten und Themen: Ernst-Thälmann-Denkmal im Ernst-Thälmann-Park, Gefängnis Keibelstraße am Alexanderplatz, Rundfunk der DDR in der Nalepastraße, Parteizentrale der SED, Staatsratsgebäude der DDR, Wohnen und Wohnraum in der DDR, Wohnen im Grünen sowie Wohnen in der Platte. Auf die Veröffentlichung dieser Folgen darf man in jedem Fall gespannt sein.

 

 

Quellen: DDR Museum, Industriesalon Schöneweide, Hochschule für Technik und Wirtschaft