Die Ärmel seines hellen Sakkos lässig über sein Unterarm-Tattoo hochgeschoben, schwarze Jeans und weiße Turnschuhe. Schon der erste Eindruck machte sofort deutlich, dass mit seiner Ernennung zum Präsidenten beim Traditionsclub ein Generations-Wechsel eingeläutet worden ist. Entsprechend locker und entspannt präsentierte sich Christian Pander (42) bei seiner Vorstellung zum neuen Boss von Zweitligist Münster. Der Ex-Nationalspieler (2 A-Länderspiele und 141 Bundesliga-Einsätze für Schalke und Hannover), dessen dreijährige Amtszeit offiziell am Freitag (16.1.) beginnt, ist jedenfalls voller Tatendrang. Und darf sich dabei auch der Unterstützung von Daheim sicher sein…

Preußen-Präsident Pander: „Meine Frau akzeptiert, dass ich eine zweite Liebe habe!“

Eine wichtige Voraussetzung für den Dreifach-Papa, der noch im vergangenen Sommer als Teamchef eines Retter-Trios dafür gesorgt hatte, dass die „Adlerträger“ in allerletzter Sekunde den kaum noch geglaubten Klassenerhalt im deutschen Fußball-Unterhaus schafften. Gemeinsam mit Interimstrainer Kieran Schulze-Marmeling (36) und Assistent Sören Weinfurtner (47) war er drei Spieltage vor Saisonende für den gefeuerten Chefcoach Sascha Hildmann (54) eingesprungen und hatte das „kleine Wunder“ vollbracht.

Das neue Preußen-Präsidium in Mannschaftsstärke: Sören Weinfurtner, Burkhard Brüx, Noemi Hutter, Christian Pander, Christoph Mangelmans, Ole Gläser und Holger Averbeck (v.l.)

Das neue Preußen-Präsidium in Mannschaftsstärke: Sören Weinfurtner, Burkhard Brüx, Noemi Hutter, Christian Pander, Christoph Mangelmans, Ole Gläser und Holger Averbeck (v.l.)

Foto: SCP

Nach drei intensiven Wochen und dem Happy End wollte er sich damals eigentlich wieder zurückziehen und voll auf die Familie und seine Fußballschule konzentrieren – und ganz sicher keinen Job im bezahlten Fußball mehr übernehmen. Jetzt also der Salto rückwärts?

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Sieht Pander nicht so: „Damit waren Posten als Trainer, Manager oder Scout gemeint,“ erklärt er heute, „die Tätigkeit als Präsident ist aber etwas anderes. Nämlich ein Ehrenamt. In dieser Funktion trete ich gerne wieder in die erste Reihe!“ Seine Frau hält ihm dafür den Rücken frei. Pander dankbar: „Sie akzeptiert, dass ich eine zweite Liebe habe. Als ich ihr von meinen Plänen erzählt habe, hat sie nur gesagt – cool, mach‘ das!“

Anschließend will sich der gebürtige Münsteraner („ich bin von Kindheit an tief mit diesem Verein verwurzelt“) selbst beim Aufsichtsrat – satzungsgemäß muss er den Präsidenten bestimmen – ins Gespräch gebracht haben. Was Gremiums-Chef Frank Westermann (68) bestätigt, der schnell von Pander und seinen sechs Mitstreitern überzeugt war. Zu denen mit Noemi Hutter (27) und Ole Gläser (27) noch zwei weitere Neulinge gehören. Westermann lobend: „Ein Team, das Leidenschaft und Expertise mitbringt – ganz ohne persönlichen Eitelkeiten.“

Gehen künftig getrennte Wege. Preußens Aufsichtsratschef Frank Westermann (l.) und Ex-Präsident Dr. Bernward Maasjost

Gehen künftig getrennte Wege. Preußens Aufsichtsratschef Frank Westermann (l.) und Ex-Präsident Dr. Bernward Maasjost

Foto: Privat

Die wiederum werden unterschwellig Panders Vorgänger Dr. Bernward Maasjost (68) vorgehalten, der seine erfolgreiche Tätigkeit ebenfalls gerne fortgesetzt hätte. Doch vom Aufsichtsrat einstimmig abgewählt wurde. Und darüber „menschlich tief enttäuscht“ ist (BILD berichtete). Genaue Gründe für seine Demission will Westermann allerdings nach wie vor nicht nennen. Stattdessen sagt er nur: „Das Konzept von Christian und seiner Mannschaft hat uns total überzeugt. Wir haben uns für die beste Lösung entschieden.“

Pander, das formell neue „Oberhaupt“ von mittlerweile 15.083 Mitgliedern („Ich möchte kein Oberhaupt sein. Jeder Einzelne ist wichtig!“), zeigt sich dankbar für das Vertrauen sowie den guten Austausch. Und verspricht: „Wer mich kennt, weiß, dass ich immer gewinnen und vorankommen will. Dabei werden wir nicht alles über den Haufen werfen, sondern auch die guten Dinge fortführen.“

Dazu zählt natürlich auch der wichtige Austausch mit der Stadt Münster. Neuland für Pander:„Ich will ruhig und entspannt – so wie man mich kennt – meinen Gesprächspartner gegenübertreten. Zusammen mit Frank Westermann, der mich am Anfang sicherlich noch etwas an die Hand nehmen muss.“

Keine Frage – bei Preußen Münster hat eine neue Zeitrechnung begonnen…

Preußens Mittelfeldtalent Jakob Korte (r.) wird bis Saisonende an Viertligist FC Gütersloh ausgeliehen

Preußens Mittelfeldtalent Jakob Korte (r.) wird bis Saisonende an Viertligist FC Gütersloh ausgeliehen

Foto: picture alliance / firo Sportphoto

Zunächst allerdings ohne Jakob Korte (22). Das Mittelfeldtalent und „Eigengewächs“ hat zwar seinen Vertrag bei den „Schwarz-Weiß-Grünen“ vorzeitig verlängert, lässt sich jedoch für die Rückrunde an den FC Gütersloh ausleihen. Beim ambitionierten Viertligisten – als Tabellen-4. nur vier Punkte hinter Spitzenreiter Fortuna Köln – soll Korte möglichst viel Einsatzzeiten sammeln und zum erträumten Aufstieg beitragen.