Das neue FührungsduoDas neue Führungsduo: Arbeitsagentur-Chefin Heike Bettermann (li.) und Stephanie Krömer, Geschäftsführerin des Jobcenters. H. Sommer für Nordstadtblogger

Kriege, Krisen und wirtschaftliche Unsicherheiten haben den Dortmunder Arbeitsmarkt im Jahr 2025 spürbar verändert. Was sich in den Vorjahren noch als vergleichsweise stabil erwiesen habe, sei inzwischen deutlich unter Druck geraten, erklärte Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund, bei der Vorstellung der Jahresbilanz.

Verunsicherung der Unternehmen prägt den Arbeitsmarkt


Grafik: Agentur für Arbeit Dortmund

„Wenn wir 2023 und 2024 noch von einem robusten Arbeitsmarkt sprechen konnten, hat 2025 seine Spuren hinterlassen“, sagte Bettermann. Die wirtschaftliche Entwicklung befinde sich seit Längerem im Krisenmodus, echte Bewegung sei kaum noch erkennbar.

Zwar wachse die Beschäftigung weiter leicht, „aber es gibt keinen Abbau, keine Dynamik – eher Stagnation“ sagt sie mit Blick auf die Reduzierung der Arbeitslosgkeit. Die Zurückhaltung vieler Betriebe sei deutlich spürbar. Hohe Energiekosten, unsichere Exportperspektiven und eine insgesamt schwache Nachfrage nach Arbeitskräften sorgten für große Verunsicherung. „Da tat sich 2025 wenig, und auch in der Prognose für das erste Halbjahr sehen wir kaum Bewegung“, so Bettermann.

Bild zeigt Heike Bettermann, Geschäftsführung der Agentur für Arbeit DortmundHeike Bettermann, Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund H. Sommer für Nordstadtblogger

Im Jahresdurchschnitt waren 39.689 Menschen arbeitslos gemeldet, die Quote lag bei 12,0 Prozent. Damit blieb die Arbeitslosigkeit über das gesamte Jahr hinweg über dem Niveau des Vorjahres. Besonders auffällig sei dabei ein Widerspruch, der den Arbeitsmarkt zunehmend präge.

„Wir haben eine hohe Arbeitslosigkeit und gleichzeitig einen ausgeprägten Fachkräfteengpass“, erklärte Heike Bettermann. Genau daraus ergebe sich die zentrale Bedeutung von Qualifizierung.

Beschäftigung wächst – aber mit deutlich flacherer Kurve


Grafik: Agentur für Arbeit Dortmund

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg im Vergleich zum Vorjahr nur noch leicht um 0,8 Prozent auf 266.398 Personen.

„Wir sind froh, dass es keinen größeren Abbau gibt“, betonte Bettermann. Gleichzeitig mache sich der demografische Wandel bemerkbar. Allein im Jahr 2025 seien rund 4.000 Menschen in Dortmund in den Ruhestand eingetreten.

Auffällig sei zudem die Entwicklung bei Menschen mit Fluchtgeschichte. „Die Beschäftigung von Geflüchteten steigt aus unserer Sicht durchaus kräftig“, freute sich Heike Bettermann.

Innerhalb von fünf Jahren habe sich ihre Erwerbstätigkeit nahezu verdoppelt, auch bei Ukrainerinnen und Ukrainern sei ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. „Das funktioniert, und darüber sind wir sehr froh“, berichtete die Agenturchefin.

Verschiebungen zwischen den Branchen erkennbar

Deutliche Veränderungen zeigten sich zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen. Rückgänge habe es vor allem in der Arbeitnehmerüberlassung (Zeit- bzw. Leiharbeit) und im Handel gegeben. „Gesundheit und Soziales haben den Handel inzwischen abgelöst“, sagte Bettermann. Auch der öffentliche Dienst gewinne weiter an Bedeutung. Die Logistik taucht in der Top 10 gar nicht auf.


Grafik: Agentur für Arbeit Dortmund

Kurzarbeit spiele dagegen kaum eine Rolle. Nur rund 0,1 Prozent der Beschäftigten seien betroffen. Allerdings beobachte man, dass Unternehmen Personal häufiger freisetzen, statt es über Kurzarbeit zu halten. „Das ist keine gute Entwicklung“, sagte Bettermann, auch wenn Dortmund aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur weniger betroffen sei als andere Regionen.

Viele Arbeitslose ohne Abschluss, kaum passende Stellen


Grafik: Agentur für Arbeit Dortmund

Die Arbeitskräftenachfrage habe sich insgesamt sehr verhalten entwickelt. Zwar seien 2025 etwas mehr offene Stellen gemeldet worden, doch der Stellenbestand liege deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre.

„Wir kennen Krisen, aber die Passungsprobleme nehmen zu“, verdeutlichte die Chefin der Dortmunder Arbeitsagentur.


Grafik: Agentur für Arbeit Dortmund

Mehr als 80 Prozent der offenen Stellen erforderten einen Berufsabschluss. Gleichzeitig verfügten rund 65 Prozent der Arbeitslosen über keine abgeschlossene Berufsausbildung.

„Von den knapp 40.000 Arbeitslosen suchen 62 Prozent eine Helferstelle“, sagte Bettermann. Auch für qualifizierte Fachkräfte gelte zunehmend, dass Weiterbildungen notwendig seien, um wieder nahtlos Fuß zu fassen.

Jobcenter sieht wachsende Barrieren für seine Kundinnen und Kunden
Bild zeigt Stephanie Krömer, Geschäftsführerin Jobcenter DortmundJobcenter-Chefin Stephanie Krömer H. Sommer für Nordstadtblogger

Für die Kundinnen und Kunden des Jobcenters sei die Lage besonders herausfordernd, erklärte Geschäftsführerin Stephanie Krömer. „Viele Menschen haben über beide Rechtskreise hinweg keinen Berufsabschluss“, sagte sie.

Die Gefahr bestehe darin, dass die Chance auf Arbeit immer weiter in die Ferne rücke. „Da müssen wir eine Brücke bauen, damit der Anschluss nicht verloren geht“, so die neue Jobcenter-Chefin.

Ziel sei eine schnelle, aber nachhaltige Integration in Beschäftigung. „Wir wollen tragfähige Vermittlungen mit echten Perspektiven“, verdeutlichte Stephanie Krömer. Dazu gehöre auch, Menschen gezielt und individuell zu fördern, die schon lange auf Unterstützung angewiesen seien.

Langzeitarbeitslosigkeit auf einem der höchsten Stände


Grafik: Agentur für Arbeit Dortmund

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg 2025 auf über 17.000 Menschen an. „Das ist einer unserer Höchststände“, sagte Krömer. Der beste Wert habe 2019 bei rund 12.500 gelegen und sei derzeit weit entfernt. Rund 94 Prozent der Langzeitarbeitslosen würden vom Jobcenter betreut.

Je länger Arbeitslosigkeit andauere, desto schwieriger werde der Wiedereinstieg. „Der Anschluss an den Arbeitsmarkt darf nicht verloren gehen“, betonte Krömer. Angesichts des demografischen Wandels könne sich Dortmund diesen Verlust an Potenzial weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich leisten.

Die arbeitslosen Jugendlichen rücken stärker in den Fokus


Grafik: Agentur für Arbeit Dortmund

Besonders besorgniserregend sei der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit. Mit durchschnittlich 9,9 Prozent sei sie stärker gestiegen als die Arbeitslosigkeit insgesamt.

„Wir müssen uns um junge Menschen noch viel stärker kümmern“, sagte Bettermann. Fehlende Perspektiven schadeten nicht nur den Jugendlichen selbst, sondern auch dem Arbeitsmarkt insgesamt.

Bild zeigt Stephanie Krömer, Geschäftsführerin Jobcenter DortmundJobcenter-Chefin Stephanie Krömer H. Sommer für Nordstadtblogger

Auch die neue Chefin der Dortmunder Jobcenters, Stephanie Krömer, unterstrich die Bedeutung früher und realistischer Beratung.

„Wir erreichen die Jugendlichen gut in den Schulen“, sagte sie. Kritisch werde es, wenn der Kontakt abreiße. Dann dauere die Heranführung an Ausbildung oder Arbeit deutlich länger.

Weiterbildung bleibt der Schlüssel gegen Arbeitslosigkeit


Grafik: Agentur für Arbeit Dortmund

Ein zentrales Instrument bleibe die berufliche Weiterbildung. Mehr als 3.000 Menschen seien 2025 in Qualifizierungsmaßnahmen gestartet.

„Qualifizierung ist weiterhin das Thema schlechthin“, sagte Bettermann. Trotz angespannter Haushaltslage gelte: Wer Weiterbildung brauche, solle sie bekommen. Dafür stünden die Mittel in Dortmund bereit.

Auch das Jobcenter setze klar auf Qualifizierung, erklärte Krömer. Wenn eine schnelle oder nachhaltige Vermittlung nicht möglich sei, müsse Weiterbildung frühzeitig greifen. „Das kann ein Berufsabschluss sein, aber auch eine Teilqualifizierung“, sagte sie. Entscheidend sei, dass sie realistische Chancen auf dem Dortmunder Arbeitsmarkt eröffne.

Leichte Entspannung 2026 – aber keine Entwarnung
Bild zeigt Heike Bettermann, Geschäftsführung der Agentur für Arbeit DortmundHeike Bettermann, Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund H. Sommer für Nordstadtblogger

Für 2026 wird mit einer leichten Steigerung der Beschäftigung und einer leicht sinkenden Arbeitslosigkeit gerechnet. „Das macht uns nicht wirklich froh“, sagte Bettermann. Die Erwartungen seien verhalten, die Risiken blieben hoch.

Klar sei jedoch: Ohne Qualifizierung, Prävention und intensive Beratung werde sich der Dortmunder Arbeitsmarkt nicht stabilisieren. Oder, wie Bettermann es zusammenfasste: „Wir müssen heute investieren, damit der Arbeitsmarkt morgen tragfähig bleibt.“

ZUR PERSON: Stephanie Krömer
Bild zeigt Stephanie Krömer, Geschäftsführerin Jobcenter DortmundStephanie Krömer ist seit 1. Januar 2026 die neue Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund. H. Sommer für Nordstadtblogger

  • Stephanie Krömer ist seit 1. Januar 2026 neue Geschäftsführerin des Dortmunder Jobcenters. Sie ist damit die Chefin von rund 1200 Beschäftigten im zweitgrößten Jobcenter in NRW. 
  • Sie folgt auf Marcus Weichert, der nach drei Jahren nach Berlin zurückgegangen ist, wo auch seine Familie noch lebte.
  • Krömer verfügt über langjährige Erfahrung sowohl operativ als auch in der Leitung größerer Organisationen. Dabei war sie sowohl in Jobcentern wie auch Arbeitsagenturen beschäftigt und verfügt damit über Erfahrungen in beiden Rechtskreisen.
  • Zuletzt war sie die Leiterin der Arbeitsagentur in Siegen und davor bei der Agentur in Frankfurt am Main.
  • Zuvor war sie im Jobcenter inSiegen beschäftigt. Ihre erste Leitungserfahrung sammelte sie 2004 im Dortmunder Jobcenter als Teamleiterin.
  • Die 44-Jährige stammt gebürtig aus Hagen, ist verheiratet und wohnt derzeit noch in Siegen.

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady


Print Friendly, PDF & Email