Halle (Sachsen-Anhalt) – Zwei Auftritte, zwei Reaktionen. Im November wurde Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (57, SPD) bei einem Auftritt vor Unternehmern ausgelacht. Am Mittwochabend bekam Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) in Halle von 800 Firmenchefs und Wirtschaftsvertretern Applaus. Viel Applaus.
Beim Neujahrsempfang von Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer traf Merz den Nerv seines Publikums. Gleich zu Beginn machte er klar, wie ernst die Lage ist. Die Situation der deutschen Wirtschaft sei „sehr kritisch“. Deutschland sei nicht mehr ausreichend wettbewerbsfähig. Der Kanzler sprach über hohe Energiekosten und über ausufernde Bürokratie. Vor allem aber über ein Thema, das bei den anwesenden Firmenchefs für breite Zustimmung sorgte: zu hohe Arbeitskosten.
Mit Work-Life-Balance kommt Wirtschaft nicht voran
Merz machte deutlich, was er erwartet. Mehr Leistung. Mehr Einsatz. Mehr Arbeitsstunden. Seine klare Ansage: „Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich unsere Volkswirtschaft nicht weiterentwickeln.“ Deutschland benötige mehr Arbeit und mehr Einsatz. Besonders viel Zustimmung bekam ein weiterer Satz: „Wir wollen den Menschen Anreize bieten, länger zu arbeiten. Nicht das ganze deutsche Volk besteht aus Dachdeckern und Fliesenlegern.“

Ein Vertreter der Halloren überreicht Bundeskanzler Friedrich Merz eine Schlackwurst, den traditionellen Neujahrsgruß der Salzwirkerbruderschaft
Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP
Für 2026 äußerte Merz eine klare Erwartung. Er hofft auf ein Wirtschaftswachstum von mindestens einem Prozent. Ein Teil dieses Wachstums entsteht dadurch, dass 2026 mehrere Feiertage auf Wochenenden fallen und dadurch mehr Arbeitstage zur Verfügung stehen. Der Kanzler verwies auf die Schweiz. Dort würden die Menschen im Jahr rund 200 Stunden mehr arbeiten als in Deutschland. „Ich erkenne keine genetischen Gründe“, sagte Merz, wieso das nicht auch Deutschen möglich sein sollte.
Klartext in Debatte über die Erbschaftssteuer
Klartext sprach der Kanzler auch in der von der SPD angestoßenen Erbschaftsteuer-Debatte. Merz bremste die Sozialdemokraten. „Ich möchte unseren Koalitionspartner bitten, durch eine Steuerdebatte keine zusätzliche Verunsicherung herbeizubringen, wenn es um die Fortführung von Betrieben geht“, sagte er. Und stellte klar: „Ich möchte, dass die Weitergabe von Betrieben nicht am Steuerrecht scheitert.“
Zum Schluss nahm Merz direkt Bezug auf Arbeitsministerin Bärbel Bas. Sie bedauere heute ihre Aussagen auf dem Arbeitgebertag, sagte der Kanzler. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Häme fehl am Platz sei. Über eine Ministerin zu lachen, sei „keine Art“.