Das Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur soll Zölle abbauen und neue Märkte erschließen, stößt jedoch auf Widerstand innerhalb der EU. Die endgültige Ratifizierung wird Jahre dauern.
Nach 26 Jahren Verhandlungen unterzeichnen die Europäische Union und der südamerikanische Staatenbund Mercosur an diesem Samstag ihr bahnbrechendes Freihandelsabkommen. Die Zeremonie in Asunción markiert einen strategischen Coup gegen den globalen Protektionismus – doch der innereuropäische Widerstand ist noch nicht gebrochen.
Ein Vierteljahrhundert zäher Verhandlungen enden
Der Weg zu diesem Samstag war lang und steinig. Seit 1999 ringen die beiden Wirtschaftsblöcke um eine Einigung. Immer wieder stoppten politische Wechsel, Umweltbedenken und der lautstarke Protest europäischer Bauernverbände den Prozess. Eine erste Grundsatzeinigung 2019 scheiterte schließlich an der umstrittenen Amazonas-Politik des damaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro.
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Die jetzige Einigung ist auch eine Antwort auf die nueva geopolitische Lage. Angesichts protektionistischer Tendenzen von China bis zu den USA setzen beide Seiten ein Zeichen für regelbasierten Handel. „Dieses Abkommen ist mehr als nur Wirtschaft. Es ist ein strategisches Bekenntnis“, kommentiert ein EU-Diplomat.
Was der Deal Europa bringt – und was er kostet
Im Kern öffnet der Pakt einen riesigen Markt. Über 90 Prozent der Zölle zwischen den Blöcken sollen schrittweise fallen. Für deutsche Schlüsselindustrien wie den Automobilbau und den Maschinenbau ergeben sich enorme Chancen. Der aktuelle Importzoll von 35 Prozent auf Autos in Mercosur-Ländern wird komplett gestrichen.
Die EU-Kommission rechnet mit einem Exportplus von bis zu 39 Prozent nach Südamerika. Das könnte über 440.000 Arbeitsplätze in Europa sichern. Die Kehrseite: Agrarimporte aus Südamerika werden billiger. Vor allem Rindfleisch, Ethanol und Zucker aus Brasilien und Argentinien könnten europäische Produkte verdrängen. Genau hier liegt der Zankapfel.
Warum Frankreich und andere EU-Staaten dagegen sind
Die Zustimmung der EU-Mitgliedstaaten in der vergangenen Woche war alles andere als einstimmig. Frankreich, Polen, Ungarn, Österreich und Irland votierten gegen das Abkommen. Sie fürchten eine Überflutung ihrer Märkte mit billiger Konkurrenz und kritisieren niedrigere Umwelt- und Sozialstandards in Südamerika.
„Wir können nicht zulassen, dass unsere Bauern für Produkte in Wettbewerb treten, die unter Bedingungen hergestellt werden, die wir in Europa längst verboten haben“, so die Begründung aus Paris. Deutschland hingegen, als Exportnation, drängte stets auf einen Abschluss. Ein typischer Interessenkonflikt innerhalb der EU.
Nächste Hürde: Die mühsame Ratifizierung
Die Unterschrift am Samstag ist erst der Anfang eines langen parlamentarischen Marathons. Das Abkommen wird in zwei Teile gesplittet: Ein reines Interimshandelsabkommen mit handelspolitischen Kernpunkten kann nach Zustimmung des Europaparlaments vorläufig in Kraft treten – voraussichtlich im Frühjahr 2026.
Der umfassendere Vertragsteil mit politischer Kooperation muss jedoch in allen 27 nationalen Parlamenten der EU ratifiziert werden. In Ländern wie Österreich oder den Niederlanden könnte es dazu sogar Volksabstimmungen geben. Dieser Prozess könnte sich über Jahre hinziehen. Ein endgültiges Inkrafttreten ist daher frühestens gegen Ende des Jahrzehnts zu erwarten.
Bis dahin bleibt das historische Abkommen ein politisches Symbol – und ein Testfall für die Geschlossenheit der Europäischen Union in handelspolitischen Schlüsselfragen.
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