Das Theaterstück „Kritischer Zustand“ der Bürgerbühne Dresden widmet sich einem wichtigen Thema: dem Gesundheitswesen. Berichtet wird darin aus dem Alltag im Klinikbetrieb. Und das aus informierter Quelle, denn das Stück gibt weniger dem Ensemble des Schauspiels eine Bühne, als vielmehr medizinichem Personal aus Dresdner Krankenhäusern.

Bürgerbühne Dresden suchte Klinikpersonal für Theaterstück

Einer der beiden Regisseure ist Jonas Egloff. Die Idee zum Stück, sagte er im Gespräch mit MDR KULTUR, sei von der Bürgerbühne Dresden selbst gekommen. Diese habe sich enorm engagiert, um passende Protagonistinnen und Protagonisten aus dem Gesundheitswesen zu finden. So wurde Werbung im öffentlichen Verkehr geschaltet und Kliniken wurden angeschrieben.

Schließlich kamen 70 Personen zum Casting, die „wirklich wahnsinnig gut“ waren, so Egloff. Man habe sich dann für elf Personen aus verschiedenen Generationen und verschiedenen Berufen im Gesundheitswesen entschieden. Darunter sind etwa Ärztinnen, eine Pflegekraft, eine MTA, eine Kranken- und eine Kinderkrankenschwester, eine Apothekerin und eine Laborantin.

Kritischer Zustand“: Theater zeigt Realität im Krankenhaus

Der Titel „Kritischer Zustand“ habe bereits vor der Ausschreibung festgestanden. Um an die Inhalte zu kommen, habe das Regie-Team die Protagonisten aus dem Gesundheitswesen mit Aufnahmegeräten und den Fragen allein gelassen: Ist der Zustand kritisch und was würdet ihr als kritischen Zustand bezeichnen? So konnten sie Egloff zufolge „in ihrem Fachjargon ein Fachgespräch“ dazu führen, wie es im Moment um die Kliniken steht. Dabei sei sehr plastisch und konkret erzählt worden, was es bedeutet, in der heutigen Arbeitsrealität in einer Klinik zu arbeiten.

Psychische Belastung von medizinischem Personal

Im Stück wurden die Geschichten von einzelnen Patientinnen anonymisiert. Für das Regie-Team sei es oft eine Herausforderung gewesen, an den Texten zu arbeiten, weil schon das Editieren Gefühle bei ihnen ausgelöst habe, so Egloff.

Schon das Editieren der Texte hat Gefühle bei uns ausgelöst.

Jonas Egloff, Co-Regisseur „Kritischer Zustand“

Beispielsweise ging es darum, wie man bei einem unbeabsichtigten Todesfall mit dem eigenen Scheitern klarkommen soll. Wie geht man mit gemachten Fehlern um, selbst wenn diese keine Konsequenzen hatten? Manchmal bräuchten die im Gesundheitswesen arbeitenden Menschen selber einen Pfarrer und nicht die Patientinnen, sagte Egloff im Gespräch mit MDR KULTUR.

Problem im Gesundheitssystem: Kosteneffizienz vs. Empathie

Zu einem Dilemma führe immer wieder, dass man in einem System arbeite, das Geld koste, kosteneffizient sein müsse und auf Fallpauschalen beruhe, so Egloff. Und das erscheine ihm einer der größten Konflikte zu sein: Wie man damit umgehen soll, dass man eigentlich sehr empathisch sein will und sehr viel Zeit haben möchte – und es gleichzeitig wichtig ist, effizient zu sein. Denn diese Menschen seien in ihren Berufen angetreten, um anderen Menschen zu helfen, sie zu heilen und von ihren Schmerzen zu befreien.

Wie gehe ich damit um, dass ich eigentlich sehr empathisch sein will und es gleichzeitig wichtig ist, effizient zu sein?

Jonas Egloff, Co-Regisseur „Kritischer Zustand“

Zur Frage, was man vom Gesundheitssystem eigentlich erwarten sollte, kam laut Egloff von einer der Spielerinnen eine sehr schöne Antwort: Das Maximum, was erwartet werden kann, sei ein menschlicher Umgang.