Seit ihrem Debüt „One Day Remains“ von 2004 steht die Band aus Florida für einen ganz eigenen, sehr atmosphärischen Sound. „Alter Bridge“ heißt nun ihr schlicht betiteltes achtes Studioalbum. Obwohl es mit den dunklen, melancholischen Klängen größtenteils bricht, behält es den Charakter mit gewaltigen Riffs und hymnischen Chorussen bei, der diese Formation zu einem der faszinierendsten Vertreter des modernen Hardrocks gemacht hat. Jetzt kann man sie live erleben.
Ob Alter Bridge ein Album geschrieben haben, das mit ihren eigenen Klassikern mithalten kann, möchte Frontmann Myles Kennedy nicht so recht sagen. „Wir wollten mit dieser Platte kein Statement abgeben, sondern einfach nur Musik machen, auf die wir stolz sein können“, sagt er beim Interview in Berlin. „Aber wenn man es dann fertigstellt, merkt man, dass da vielleicht eine Art musikalisches oder lyrisches Thema ist, das sich durch viele der Songs zieht. In diesem Fall ging es um das Thema Mobbing – und darum, wie man mit toxischen Persönlichkeiten umgeht.“
Als Frontmann von Led Zeppelin im Gespräch
Kennedy bezeichnet sich selbst als von Natur aus eher passiv, als jemand, der nicht für Konfrontationen und Konflikte steht. Doch er weiß aus eigener Erfahrung: Es gibt auch Menschen, die versuchen, dich dorthin zu bringen. Mit wütenden Nummern wie „Rage Is Blind“ wollen Alter Bridge nun sagen: „Hey Mann, sei dir dessen bewusst, was du hier tust, atme ganz tief durch und beruhige dich, sonst wirst du es wahrscheinlich bereuen!“
Schon immer stellt Myles Kennedy hohe Anforderungen an sich selbst, vor allem an den Gesang. Seine Stimme hat einen großen Frequenzbereich, und er ist sehr gut darin, die Klangfarbe zu ändern: Kennedy kann eine Bassstimme formen oder eine Tenorstimme. Nicht ohne Grund wurde er vom legendären Slash in dessen Zweitband The Conspirators geholt, spielte 2012 mit Guns N’Roses bei deren Aufnahme in die „Rock And Roll Hall Of Fame“ und war zeitweilig im Gespräch als neuer Frontmann von Led Zeppelin.
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„Die Größenordnung der Zeppelin-Sache wurde mir erst in dem Moment bewusst, als die Nachricht davon öffentlich wurde. Plötzlich hatte jeder dazu eine Meinung, vor allem im Internet. Das veränderte die Dynamik für mich persönlich.“ Als das Projekt schließlich im Sande verlief, fühlte Kennedy sich erleichtert. „Mein Name steht nicht in der Boulevardpresse, ich bin kein A-Prominenter. Das ist großartig! Alles andere würde mich stressen“, sagt der 56-Jährige. „Ich liebe die Musik.“
Und dieser Liebe kann er jetzt mit Alter Bridge auf den Bühnen Europas endlich wieder nachgehen.
Sporthalle: 15.1., 19 Uhr, 75,25 Euro; Support: Sevendust, Daughtry