Es war ein realer Einbruch, wie ihn Hollywood nicht hätte besser erzählen können. Offensichtlich an den Weihnachtsfeiertagen hatten sich Kriminelle mit schwerem Bohrgerät Zugang zum Schließfachraum einer Geslenkirchener Sparkassenfiliale verschafft. Dort sollen sie über 3000 Schließfächer aufgebrochen und darin befindliches Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände gestohlen haben. War anfangs von einer Schadensumme im größeren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich die Rede, bestätigen Ermittler inzwischen das Gerücht, dass der Gesamtschaden auch im dreistelligen Millionenbereich liegen könnte.
Empfohlene Artikel
Dieser Tage veröffentlichte die „WAZ“ ein Exklusivinterview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Gelsenkirchen, Michael Klotz, in dem dieser die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen seiner Bank verteidigt. „Es war schon immer ein Wettlauf zwischen Sicherungstechnik und Kriminellen“, so Klotz.
Nach Bekanntwerden des Coups durch die bislang unbekannten Räuber hatten sich aufgebrachte Schließfachinhaber vor der Sparkassenfiliale versammelt und lautstark konkrete Informationen und Einlass in die Bank gefordert. Am Ende musste die Polizei deeskalierend eingreifen.
Wie aber sieht es mit der Sicherheit von Schließfachräumen bei Banken im Zollernalbkreis aus? Und gab es im Nachgang zu dem Jahrhundertraub von Gelsenkirchen vermehrt Anfragen bezüglich der Schließfächer und deren Versicherung? Schwäbische.de hat bei der Sparkasse Zollernalb, der Volksbank Zollernalb, der Onstmettinger Bank und der Raiffeisenbank Geislingen-Rosenfeld nachgefragt.

Bei der Sparkasse Zollernalb hält man das Risiko für äußerst gering, Opfer eines ähnlichen Schließfächerinhalt-Raubs wie in Gelsenkirchen zu werden. (Foto: Klaus Irion)
„Bei unserer Bank kamen Kunden auf ihre Berater zu und wollten sich über die Sicherheit ihrer Schließfächer informieren und beraten lassen“, berichtet Wolfgang Stahl, Sonderbeauftragter des Vorstands und Pressesprecher der Sparkasse Zollernalb.„Wir nehmen die jüngsten Ereignisse rund um den Einbruch bei der Sparkasse Gelsenkirchen natürlich sehr ernst.“ Weil ein solcher Vorfall grundsätzlich jede Bank betreffen könne, informiere man die Kundinnen und Kunden transparent und gebe ihnen konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand. „Wir halten das Risiko gleichwohl aufgrund unserer Rahmenbedingungen für äußerst gering, Opfer eines ähnlichen Vorfalls zu werden“, so Stahl.
„Lediglich vereinzelt“ habe es bei der Volksbank Zollernalb nach dem Bankeinbruch in Gelsenkirchen Anfragen gegeben, „ob und wie sicher die Bankschließfächer unserer Volksbank Zollernalb sind und ob ein solches Szenario bei uns ebenfalls eintreten kann“, sagt Stefan Nill, Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation der Bank. Zudem sei teilweise der jeweilige Versicherungsschutz beziehungsweise dessen Höhe abgefragt worden.

Die Volksbank Zollernalb erreichten auch einige Anrufe zum Thema Schließfächer und Versicherung des Inhalts derselben. (Foto: Klaus Irion)
Auch bei der Onstmettinger Bank haben sich nach Auskunft von Vorstandssprecher Dieter Boss „einige besorgte Kunden gemeldet und gefragt, ob so etwas bei uns auch passieren könnte, und was im Fall der Fälle mit dem Inhalt ihrer Schließfächer passieren würde“. Ein vergleichbares Szenario wie in Gelsenkirchen schließt Boss für seine Bank quasi aus, „da wir zum einen erst im vierten Quartal 2025 in die Sicherheits- und Überwachungstechnik investiert haben“. Hier sei man „absolut auf dem neuesten Stand“. Zudem sei die Onstmettinger Bank sehr zentral im Ort, was bedeute, dass man eine sehr enge Bebauung ums eigene Gebäude herum habe. „Trotzdem können wir nicht hundertprozentige Sicherheit vor einem solchen Einbruch geben, der natürlich auch in anderer Form vorgenommen werden könnte.“
Thomas Merz, Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Geislingen-Rosenfeld, hält ein Bohrloch-Szenario wie in Gelsenkirchen für sein Kreditinstitut schon aus geologischen Gründen für ausgeschlossen. „Unser Haus in Geislingen wurde auf Fels gebaut“, erklärte er schmunzelnd. Aber auch ohne diesen natürlichen, unterirdischen Vorteil sieht er die Raiffeisenbank sicherheitstechnisch als „sehr gut gerüstet“.

Bei der Raiffeisenbank Geislingen-Rosenfeld hat man schon lange vor dem Coup von Gelsenkirchen großen Wert auf Schließfachberatung gelegt. (Foto: Klaus Irion)
Was aber können die Kunden der vier Banken selbst dazu beitragen, dass im Falle eines Falles der Schaden, den sie durch den Aufbruch ihres Schließfachs erleiden könnten, möglichst gering bleibe?
Hinweis auf Schließfachversicherungen
Den Bankverantwortlichen liegt in diesem Zusammenhang die Versicherung der im Schließfach gelagerten Gegenstände besonders am Herzen. „Im Rahmen des Abschlusses des Schließfach-Mietvertrags weisen wir unsere Kundinnen und Kunden darauf hin, dass es nicht möglich ist, für die Schließfächer allgemein eine passende Versicherung anzubieten“, betont Wolfgang Stahl. Schließlich habe die Sparkasse Zollernalb über die Inhalte und die verwahrten Werte der Schließfächer ihrer Kunden keine Kenntnis. „Wer seinen Schließfachinhalt absichern möchte, kann dies über eine separate Versicherung tun.“ Eine solche ist nach Stahls Angaben auch nicht ausschließlich wegen eines möglichen Raubs geboten. „Auch aufgrund von Gefahren durch Elementarschäden wie Hochwasser – etwa dem Ereignis in Bisingen im Jahr 2024 – ist der Abschluss einer Versicherung sinnvoll.“
Auch bei der Volksbank Zollernalb weist man auf die Möglichkeit hin, seinen Schließfachinhalt zu versichern. „Wir empfehlen allen Schließfachinhabern, den Versicherungsschutz für das Schließfach daraufhin zu überprüfen, ob er dem eingebrachten Wert entspricht, oder ihn gegebenenfalls anzupassen“, sagt Stefan Nill und hat dazu noch einen Tipp parat: „Sichten Sie Ihre Hausratversicherung, denn in manchen Policen sind Bankschließfächer mitversichert.“
Sein zweiter Tipp: „Mitglieder und Kunden sollten eine ständig aktualisierte Bestandsliste führen, Schmuck, Uhren und sonstige Wertgegenstände sollten zudem fotografiert und somit dokumentiert werden.“ Zudem sei es sinnvoll, Kaufbelege und Expertisen außerhalb des Schließfachs aufzubewahren.

Bei der Onstmettinger Bank wurde erst kürzlich neue Sicherheitstechnik installiert. (Foto: Michael Würz)
Bei der Onstmettinger Bank werden die Kundinnen und Kunden darauf hingewiesen, „dass ein Bankschließfachvertrag nur einen Mietvertrag zwischen Kunden und Bank darstellt, bei dem die Bank aber nicht für den Inhalt haftet“, erläutert Dieter Boss und verweist ebenfalls darauf, einen Blick auf die eigene Hausratversicherung zu werfen. „Es macht auch Sinn, wenn der Kunde den Inhalt fotografisch festhält.“ Dies erleichtere im Fall der Fälle den Nachweis bei der eigenen Versicherung.
Auch Thomas Merz setzt in der Raiffeisenbank Geislingen-Rosenfeld auf ausführliche und detailgenaue Schließfachberatung. Was der Kunde davon dann übernehme, sei aber allein dessen Entscheidung, schließlich dürfe ja kein Bankmitarbeiter wissen, womit und mit welchen Werten die Kundschaft ihre Schließfächer bestückt. „Mir ist es aber noch wichtig, zu betonen, dass wir die ausführliche Beratung schon lange vor dem Raub in Gelsenkirchen praktiziert haben, und dies eben keineswegs eine Reaktion auf diesen Vorfall darstellt.“