2025 fuhr jede siebte S-Bahn mit deutlicher Verspätung ein – und viele Züge gar nicht. Deshalb drohen Rekord-Strafzahlungen. Das neue Jahr beginnt für Fahrgäste nicht besser.

Die seit Jahren gebeutelten Fahrgäste der S-Bahn Stuttgart mussten 2025 so viele Verspätungen und Zugausfälle hinnehmen wie noch nie. Vor allem der Herbst war historisch schlecht. Und 2026 hat mit ähnlich vielen Verspätungen, gar einem Rekord-„Chaostag“ begonnen (siehe Infokasten).

Ein Sprecher der S-Bahn teilte unserer Zeitung auf Anfrage den bislang unveröffentlichten Jahreswert bei der sogenannten Sechs-Minuten-Pünktlichkeit für 2025 mit. Über das ganze Jahr betrachtet fuhren demnach 15,3 Prozent aller Züge mit mindestens sechs Minuten Verspätung ein. Ein historischer Tiefstwert: 2024 und 2023 waren rund elf Prozent aller S-Bahnen deutlich verspätet, in den Jahren vor der Corona-Pandemie zwischen drei und fünf Prozent.

Dass sich technische Probleme und Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg in die im Berufsverkehr oft vollen Bahnen quasi täglich zu teils deutlichen Verspätungen hochschaukeln, ist bekannt. Die besonders schlechten Werte im Jahr 2025 erklärt ein S-Bahn-Sprecher aber vor allem mit den umfangreichen Sperrungen infolge der Arbeiten an Stuttgart 21.

Rekord-Strafzahlung erwartet

Diese brächten eine „nie dagewesene Vielschichtigkeit an baulichen und betrieblichen Herausforderungen“. Wenn sich im dichten Takt fahrende S-Bahnen die Gleise mit Regional- und Fernverkehr teilen müssten, hätten „kleinste Abweichungen zum Teil große Folgen für die Pünktlichkeit, weil sie sich in einem Dominoeffekt fortsetzten“, so der Sprecher weiter.

Im Frühjahr und vor allem im Herbst hatte das stark spürbare Auswirkungen. Die wochenlange Sperrung zwischen Bad Cannstatt und Esslingen brachte im Oktober und November historische Schlechtwerte bei der S-Bahn-Pünktlichkeit. Im Oktober kam jeder vierte Zug deutlich zu spät an.

Vertraglich mit der Region Stuttgart vereinbart ist ein Wert von höchstens zwei Prozent. Dieses Pünktlichkeitsziel erreichte die S-Bahn während der vergangenen zehn Jahre lediglich in sechs Monaten, zuletzt im April 2021.

Fast jeder Werktag ein „Chaostag“

Zu den Verspätungen kommen ausgefallene Züge infolge zahlreicher Baustellen – der Sprecher nennt für 2025 die Zahl von rund zwei Millionen Kilometern Wegstrecke, die nicht gefahren wurden (Vorjahr: 1,5 Millionen). Auch wegen Fahrzeugstörungen, Notarzteinsätzen, defekter Infrastruktur oder Unwetter fallen Züge aus.

Rund 8,9 Millionen Euro Pönalen, Vertragsstrafen also, und Rückzahlungen musste die S-Bahn im vergangenen Jahr wegen nicht oder nicht gut genug erbrachter Leistungen aufbringen. Der Betrag für 2025 wird noch errechnet, aber „die Tendenz ist steigend“, erwartet die Sprecherin des Regionalverbands, Alexandra Aufmuth. Im Frühjahr wird das Thema im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung diskutiert. Das Geld wird in Verbesserungen investiert, zuletzt etwa in das Wlan in den Zügen.

Vielen Fahrgästen wäre im Zweifel eine pünktlich fahrende S-Bahn lieber, wie Kommentare zur Berichterstattung unserer Zeitung vermuten lassen. Unter Pendlern sind insbesondere jene „Chaostage“ berüchtigt, an denen zu den mittlerweile gewohnten Verzögerungen im Berufsverkehr Störungen etwa wegen technischer Probleme oder verstopfter Gleise hinzukommen.

Laut Zählung unserer Redaktion gab es im vergangenen Jahr 89 „Chaostage“, an denen mindestens jede fünfte S-Bahn mit sechs Minuten oder mehr Verspätung ankam. Im Oktober war dies an quasi jedem Werktag der Fall.

Im Dezember lief es etwas besser, obwohl da drei Wochen lang die Strecke zwischen Bad Cannstatt und Fellbach gesperrt war. Der Grund, neben den wie immer unauffälligen Weihnachtstagen: die Bahnen fuhren im Halbstundentakt statt alle 15 Minuten. Mit weniger Zügen im Netz steigt typischerweise die Pünktlichkeit. Das passt aber nicht zum Ziel, einen dichten Takt anzubieten – was seit Jahren ein Dilemma ist.

Auf Besserung sollte man aktuell nicht wetten. Stuttgart 21 wird auch 2026 nicht in Betrieb genommen, weitere Arbeiten auch an der digitalen Leit- und Sicherungstechnik stehen in naher Zukunft an – unter anderem werden die Strecken Vaihingen – Böblingen (sechs Wochenenden im Januar und Februar) sowie die Strecke Bad Cannstatt – Fellbach (zwischen 24. Februar und 25. März komplett) gesperrt. Es sind Investitionen, die künftig die Pünktlichkeit der S-Bahn erhöhen sollen – für 2026 aber vermutlich weitere Verspätungen, Ausfälle und „Chaostage“ bringen.

Rekord-Verspätungen am Montag

Chaostag
Für S-Bahn-Fahrgäste läuft der Januar auch ohne größere Baustellen bislang denkbar schlecht – mit zwei „Chaostagen“ direkt nach Ferienende sowie zwei weiteren in der laufenden Woche. Der Montag (12. Januar) dürfte gar der schlimmste S-Bahn-Tag aller Zeiten gewesen sein: An 48 Prozent ihrer Halte fuhren die Züge mit sechs Minuten oder mehr Verspätung ein.

Daten
Die Monatswerte für die Pünktlichkeit berichtet die S-Bahn selbst. Die „Chaostage“ errechnet unsere Redaktion selbst, basierend auf Echtzeitdaten zu jedem einzelnen Zug.